24.04.2012 11:44 | Aktuell

Senden

Die Top-Häuser für Ihr Geld

Die beste Bank Deutschlands ist ein alter Bekannter: Comdirect sicherte sich erneut den Gesamtsieg im Bankentest. Und die HypoVereinsbank konnte bei den Filialinstituten ihren Vorjahreserfolg wiederholen

Deutsche Geldinstitute müssen weiter hart daran arbeiten, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen: Bei der Finanzaufsicht Bafin gingen im ­vergangenen Jahr elf Prozent mehr Beschwerden unzufriedener Bankkunden ein als 2010. Wegen Verstößen gegen Vorschriften für Wertpapiergeschäfte monierten 872 Anleger das Verhalten ihrer Kreditinstitute. Auch bei Deutschlands größter Beschwerdestelle — dem Ombudsmann des Bankenverbands — liegen die Reklamationen mit 8266 Fällen für das Jahr 2011 auf hohem Niveau.

Gute Gründe, Deutschlands Kredit­institute erneut genau unter die Lupe zu nehmen. Zum neunten Mal in Folge hat €uro deshalb einen umfassenden Bankentest in Auftrag gegeben. Von Januar bis März 2012 durchleuchtete das Hamburger Analysehaus S.W.I. Finance bundesweit 51 Sparkassen, Genossenschaftsinstitute und Privatbanken. „Unserem Team ist es auch dieses Mal gelungen, einen repräsentativen Querschnitt anhand vieler Hundert Testkriterien zu überprüfen — neben den größten Direktbanken sowie regional und überregional aktiven Filialbanken wurden auch wichtige Spezialanbieter, insbesondere in den Bereichen Brokerage, Kredit und Sparen, berücksichtigt“, erklärt S.W.I.-Geschäftsführer Marcus Schad.

Dafür analysierten die Experten in ­einer ersten Phase sechs Produktbereiche — Zahlungsverkehr, Tagesgeld, Festgeld und Sparbriefe, Brokerage, Ratenkredit und Baufinanzierung — sowie die Onlinesicherheit der Kreditinstitute.

Keine Chance für Lockvögel

„Befristete Aktionen — etwa hohe Zinsangebote für Tagesgeld — oder andere Vergünstigungen auf Zeit, die lediglich Neukunden anlocken sollen, haben wir hier auch ­dieses Mal bewusst außen vor gelassen“, sagt Thomas Jahn, der die Daten des €uro-Bankentests ausgewertet hat. Auf die Auswertung der Konditionen folgte in der zweiten Phase unserer ­Untersuchung der Praxis-Test: Jedes ­Institut erhielt von den Testkunden je 14 Telefonanrufe („Mystery-Calls“) und E-Mail-Anfragen mit unterschiedlichsten Anliegen zum Thema Bankdienstleistungen — von einfachen Konditionenanfragen über komplexe Anlagefragen bis hin zu konkreten Beschwerden.

In einem dritten Schritt schwärmten die S.W.I.-Tester als „Mystery-Shopper“ in die Filialen aus, um Beratung und ­Service vor Ort zu checken. In jeder überregional getesteten Filialbank ließen sie sich dafür fünf Mal beraten. Dabei stießen sie als Testkunden auf unerwartete Hindernisse: Bei der Targo­bank etwa war es nicht möglich, eine ­unverbindliche Beratung zum Thema Ratenkredit zu bekommen: Den Mystery-Shoppern wurde gleich zu Beginn der Beratung mitgeteilt, dass vorab eine Schufa-Auskunft erforderlich sei. „Damit verhindert die Bank, dass sich Kreditinteressenten über das konkrete Produkt informieren und es mit der Konkurrenz vergleichen“, moniert S.W.I.-Chef Schad.

Kommunikationsprobleme anderer Art gab es dagegen bei der Deutschen Bank: Ein Mitarbeiter fiel während einer Beratung zur privaten Altersvorsorge zunehmend in eine Mischung aus Deutsch und Englisch: „Wir können das zu erwartende Rentenalter in 2048 natürlich nicht forecasten.“