20.06.2012 12:43 | Aktuell

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Gefährlicher Rat

Gerade für junge Menschen ist das Kleingedruckte von Berufsunfähigkeitspolicen wichtig. Für die Stiftung Warentest offenbar weniger. Sie streitet lieber
von Uwe Schmidt-Kasparek

Nach unserer Einschätzung ist das Gespräch noch nicht beendet“, hofft Susanne Meunier von der Stiftung Warentest. Das klingt, als würde der Streit zwischen der Stiftung und dem Bochumer Versicherungsberater Marco Krieter bald beigelegt sein. Man sei sich einig: Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (kurz: BU-Versicherung) brauche jeder, der arbeitet. Man solle den Vertrag möglichst in jungen Jahren abschließen und dabei einen sehr guten Tarif wählen. Versöhnliche Töne. Doch tatsächlich geht der Kampf des Beraters gegen die Stiftung Warentest nur in eine neue Runde.

Aber der Reihe nach: Marco Krieter war höchst erfreut, als er in der März-Ausgabe von „Finanztest“ auf eine Untersuchung zu Berufsunfähigkeitsversicherungen für Azubis und Studenten stieß. Immerhin zählen Berufsunfähigkeitspolicen zu den wichtigsten Versicherungen. Je früher man sie abschließt, desto eher meistert man die Gesundheitsprüfung und desto günstiger ist der Tarif.

Geringer gesetzlicher Schutz

Hinzu kommt: Wer auf den Staat vertraut, hat schlechte Karten. Die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung sind unzureichend. „Schüler, Studenten, Auszubildende, Hausfrauen und -männer sowie Selbstständige erhalten oft gar kein Geld“, warnt etwa Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten.

Als Krieter die Untersuchung genauer las, kam die böse Überraschung: Die meisten der empfohlenen Tarife weisen keine Sonderregel für Studenten und Auszubildende auf. „Ohne klarstellende Klausel zugunsten der Studenten und Auszubildenden droht erhebliche Unsicherheit im Leistungsfall“, sagt Krieter, der häufig junge Menschen berät. Aber gerade einmal sieben der vorgestellten 25 Tarife hätten eine solche Sonderregel. Alle Tarife in einen Topf zu werfen, sei daher ein gefährlicher Rat.

Nur jede vierte Police geeignet

Es gibt Versicherer, die prüfen, ob bei Erkrankung oder Kräfteverfall die geplante Ausbildung noch fortgesetzt oder ob der angestrebte Beruf überhaupt aus-geübt werden kann. Mit solchen Regeln sind Azubis und Studenten auf der sicheren Seite. So formuliert etwa der Volkswohl Bund: „Als versicherter Beruf gilt der bei Antragstellung angegebene, angestrebte Beruf.“ Entwickelt etwa ein Chemiestudent eine Allergie gegen chemische Substanzen, kann er bei diesen Angeboten sicher sein, dass er die vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente bekommt — und nicht darauf verwiesen wird, etwas anderes zu studieren.

Ein sicherer Bewertungsmaßstab wird immer wichtiger: „Tatsächlich machen die Versicherer seit ein paar Jahren immer höhere Risikogewinne, wie man der Statistik der Aufsichtsbehörde entnehmen kann“, so Manfred Poweleit, Herausgeber des Branchendienstes „Map-Report“. Er geht davon aus, dass gerade Berufsunfähigkeitsversicherer ihren Kunden im Ernstfall Leistungen vorenthalten oder das auf jeden Fall versuchen. Die Frage, ob die Versicherung zahlen muss, wird immer häufiger erst mal zu Ungunsten der Verbraucher entschieden: Laut Jahresbericht des Versicherungs-Ombudsmanns sind die Beschwerden über Berufsunfähigkeitsversicherungen in den vergangenen drei Jahren von 350 auf fast 500 gestiegen.

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