Euro: In den Schwellenländern wachsen jedoch nicht nur Neukunden, sondern auch potentielle Wettbewerber heran.
Gallois: Bis Ende dieses Jahrzehnts könnte es sechs potentielle Wettbewerber in unserer Industrie geben. Neben Airbus und Boeing sind dies Anbieter aus Brasilien, Kanada, Russland und China. Aber der Markt wird nicht für die Entwicklung von sechs verschiedenen Flugzeugen zahlen – das wäre zu teuer. Die Newcomer werden daher wohl über Partnerschaften und Allianzen nachdenken müssen.
Euro: Wenn der Wettbewerb in der Branche so hart ist, warum versuchen es dann überhaupt so viele Anbieter?
Gallois:
Euro: Vor welchem Konkurrenten fürchten Sie sich am meisten?
Gallois: Wir fürchten den Wettbewerb nicht – so ist nun mal das Leben! Airbus stellt sich auf die neuen Bedingungen ein, braucht aber faire Wettbewerbsbedingungen mit allen Konkurrenten. Schon heute haben die USA und Europa eine Auseinandersetzung vor der Welthandelskommission. Wir müssen achten, dass auch die neuen Konkurrenten nach denselben Regeln spielen wie wir.
Euro: Das klingt naiv.
Gallois: Naiv? Nein, vernünftig!
Euro: Wenn Airbus schon Probleme mit Boeing hat, wie wird das erst mit staatlichen chinesischen Konkurrenten?
Gallois: Das hat nichts mit Staatsunternehmen zu tun, es ist eine Frage fairer Wettbewerbsbedingungen.
Euro: Die EADS-Verteidigungssparte ist ganz auf staatliche Auftraggeber angewiesen. Nun kürzen viele Staaten, etwa die USA, Griechenland, aber auch Deutschland ihre Militärbudgets, um ihren hohen Staatschulden Herr zu werden. Wie wirkt sich das auf EADS aus?
Gallois: Von den Kürzungen in den USA sind wir nicht besonders betroffen, weil wir bisher noch ein vergleichsweise kleiner Lieferant des Pentagon sind. Aber in Europa, auch hier in Deutschland, werden uns die Kürzungen treffen. Deshalb wird für uns der Export künftig immer wichtiger.
Euro: In welchen Märkten wollen Sie mit ihren Verteidigungprodukten wachsen?
Gallois: Aufgrund unseres noch eher geringen Marktanteils in den USA sehe ich dort ungeachtet der Budgetkürzungen Steigerungspotenzial. Denn immerhin macht das US-Budget trotzdem noch die Hälfte des weltweiten Verteidigungsmarktes aus. Schwellenländer, wie Indien, Brasilien und Süd-Korea, steigern ihre Verteidigungsausgaben. Doch der Wettbewerb wird hart sein. Daher müssen wir uns dort stark positionieren – wir haben die Kapazitäten dazu.
Euro: Können dadurch die Kürzungen in den USA und Europa kompensiert werden?
Gallois: Wir werden die Sparmaßnahmen in Europa in den kommenden Jahren auf jeden Fall spüren. Noch wichtiger als die Produktion ist für uns dabei aber, dass wir zusammen mit den Regierungen unsere europäischen Entwicklungsabteilungen sichern. Wir brauchen Forschungs- und Entwicklungsaufträge, um auch bei zukünftigen Entwicklungen Schritt zu halten. Diese Kompetenzen dürfen wir auf keinen Fall aufgeben.
Euro: Welche Länder sind für Sie beim Waffenexport Tabu?
Gallois: Es gibt strenge politische Vorschriften für den Export von Rüstungsgütern. Das ist der Maßstab, an den wir uns halten! Es ist nicht die Industrie, die entscheidet, wen sie beliefern darf und wen nicht. Das ist eine politische Entscheidung, und die Politiker müssen diese fällen.
Euro: Sie beliefern beispielsweise Saudi-Arabien.
Gallois: Ja, wir liefern ihnen ein Grenzsicherungssystem – mit voller staatlicher Genehmigung. Ich finde es übrigens weder überraschend noch schockierend, dass Saudi-Arabien seine Grenzen schützen will.
Euro: In Ihrer Jugend haben Sie sich politisch engagiert und zum Beispiel gegen das Pinochet-Regime in Chile demonstriert. Hat es Sie nie gestört, dass Sie nun Rüstung exportieren?
Gallois: Nein, ich habe überhaupt kein Problem damit: Denn wir halten uns strikt an die Rüstungsexportbestimmungen unserer Heimatländer.
Euro: Aber wenn Regierungen EADS-Produkte gegen die eigene Bevölkerung verwenden?
Gallois: Ich kenne dafür kein Beispiel.
Euro: Sie haben ein reines Gewissen?
Gallois: Ja. Ich respektiere das Recht souveräner Staaten, über die eigenen Verteidigungsfähigkeiten zu entscheiden – unter den bereits genannten Voraussetzungen. Eines muss aber klar sein: Wenn wir trotz sinkender Budgets eine leistungsfähige heimische Verteidigungsindustrie behalten wollen, müssen wir exportieren. Der europäische Markt ist zu klein – und schrumpft weiter. Ansonsten werden wir uns künftig komplett auf ausländische Anbieter verlassen müssen. Das will niemand.
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