Schöner wärmen
Am Anfang war ein Schlafsack. Aber damit hätte es René Ramillon kaum zu Kultstatus gebracht. 1952 gründete der französische Unternehmer im Département Isère der Region Rhône-Alpes einen kleinen Betrieb für Bergsportartikel. Sein Name: Moncler — zusammengesetzt aus den Anfangssilben seines Heimatdorfs Monestier de Clermont. Das ist jetzt genau 60 Jahre her. Die Firma gibt es immer noch. Schlafsäcke stellt sie nicht mehr her. Aber verleugnen kann und will sie ihre Wurzeln auch nicht.
Im voralpinen Département Isère kann es gerade winters ordentlich frisch werden. Also kleidete Ramillon frierende Fabrikarbeiter in gefütterte, schlafsackwarme Anoraks. Deren Potenzial erkannte der französische Bergsteiger Lionel Terray, 1921 im benachbarten Grenoble geboren (und 1965 im nahen Vercors-Massiv abgestürzt). 1954 entwickelte er mit dem Firmenchef die perfekt auf extreme Expeditionen abgestimmte Linie „Moncler pour Lionel Terray“. Moncler trugen auch die Bergsteiger Achille Compagnoni und Lino Lacedelli, als sie im selben Jahr als erste den K2 erklommen, den zweithöchsten Gipfel der Welt. Zehn Jahre später gelang Lionel Terray und seinen Mannen dank der Qualitätsprodukte aus Monestier eine wohltemperierte Alaska-Expedition. Und 1968 lief die französische Equipe von Moncler ausgestattet im Olympiastadion im heimischen Grenoble ein.
Das war alles schon recht kultig. Aber noch ziemlich unförmig. Denn es ist ja so: Daunenjacken halten die Kälte fern. Aber ihre Träger(innen) sehen darin in der Regel aus wie Michelin-Männchen. Nicht so bei Moncler. Denn als der Mailänder Manager Remo Ruffini Anfang des Jahrtausends die Kontrolle über die bereits 1993 an ein italienisches Unternehmen verkaufte Firma übernahm, verordnete er den bislang eher klobigen Nachkommen der Schlafsäcke figurbetonte Schnitte. Und eine gewisse Vorliebe für Bonbonfarben.
Das Ergebnis: Moncler-Daunenjacken wurden zu einem unverzichtbaren modischen Statement nicht nur in winterlichen Berglandschaften, sondern auch auf den vereisten Boulevards der Metropolen. Stars wie Mariah Carey, Robin Williams, Sarah Jessica Parker oder Madonna halten mit den stylish gesteppten Federn ausschließlich französischer Gänse ihre Luxuskörper bei widriger Witterung warm. Und heben Moncler endgültig auf Kultstatus.