DAX6.844-0,9%  Dow12.939-0,2%  Euro1,32510,1% 
ESt502.519-0,9%  Nas2.933-0,5%  Öl122,6-0,0% 
TDax777,5-1,0%  Nikkei9.546-0,1%  Gold1.774-0,1% 

18.01.2012 11:50 | Aktuell

Senden

Schwierige Zinszeiten

Liegen die €uro-Zinsexperten des Jahres richtig, sollten Anleger 2012 Bundesanleihen vorerst meiden und sich die aktuellen Festgeldzinsen sichern

von €uro-Redakteur Matthias Fischer

Eigentlich ist es ganz einfach: Staaten mit hohen Schulden müssen sparen, das belastet deren Wirtschaft. In der Folge brechen die Steuereinnahmen ein, entsprechend muss noch mehr gespart werden, was zu noch weniger Steuern führt. Ein echter Teufelskreis. Klar, dass Investoren wegen des starken Ausfallrisikos solchen Staaten Geld nur gegen hohe Zinsen leihen. Oder aber sie meiden solche Staaten ganz und gehen völlig auf Nummer sicher.

So geschehen 2011 in Euroland. Die Rendite der Anleihen südeuropäischer Krisenstaaten stieg deutlich, während die deutscher Bundesanleihen kräftig sank — von fast 3,5 Prozent im Januar 2011 auf unter zwei Prozent zum Jahresende.Auch am Geldmarkt tat sich einiges. Die kurzfristigen Zinsen stiegen dagegen — gemessen am Leitzinssatz Euribor für drei Monate — von einem Prozent zu Beginn 2011 auf 1,36 Prozent Ende Dezember, nachdem sie zwischenzeitlich sogar die Marke von 1,6 Prozent überschritten hatten. Als aber klar wurde, dass die Europäische Zentralbank (EZB) wegen der Schuldenkrise und der schädlichen Auswirkungen höherer Zinsen auf die Konjunktur die Leitzinsen senken würde, ging es mit den Geldmarktzinsen wieder abwärts.

Die Sieger

Die Schwierigkeit für die von €uro befragten Zinsexperten lag darin, diese Entwicklung vorherzusehen. Jeden Monat bat €uro die Makroökonomen von zwölf renommierten Instituten um Rendite-Prognosen für deutsche Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit sowie für den Drei-Monats-Euribor.

Den Gesamtsieg fuhr dabei Christian Lips von der Nord/LB ein, der bei seinen Prognosen von Mario Gruppe unterstützt wurde. Sowohl bei der Schätzung der Rendite der Bundesanleihen als auch bei der des Euribor konnte er den zweiten Platz erreichen — was ihm unterm Strich den Gesamtsieg einbrachte. „Eine ordentliche Portion Glück war in diesen turbulenten Zeiten schon dabei“, gesteht der 35-jährige Volkswirt, der zum Ausgleich für die harte Welt der Zinsprognosen gern ins Kino oder ins politische Kabarett geht. Für 2012 glaubt der seit 2006 für die Nord/LB tätige Lips, dass die Schuldenkrise in Europa auf der Agenda bleiben wird (siehe Interview).

Den ersten Platz bei der Prognose der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sicherte sich Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Damit ist er schon fast ein „Rendite-Orakel“, denn bereits in den Jahren 2009 und 2010 hat er in dieser Kategorie die beste Schätzung abgegeben. Für Ende 2012 erwartet Schilbe eine Rendite der Bundesbonds mit zehn Jahren Laufzeit von 2,70 Prozent. Behält er auch dieses Mal recht, verlieren die Papiere bis zum Jahresende fast acht Prozent.

Beim Drei-Monats-Euribor lieferte Jürgen Michels von der Citigroup die exaktesten Vorhersagen. Auch ihm gelang es damit, in dieser Kategorie den ersten Platz aus dem Vorjahr zu verteidigen. Für 2012 wagt der Experte eine mutige Einschätzung: Ende 2012 soll der Satz bei 0,50 Prozent liegen — das wäre nur noch etwas mehr als ein Drittel des aktuellen Niveaus. Sollte Michels damit erneut richtigliegen, würden auch die Zinsen auf Tages- und Festgeldkonten deutlich sinken. Dann wäre es für Sparer sinnvoll, sich die aktuellen Festgeldkonditionen zu sichern.

Lesen Sie, wo der €uro-Zinsexperte des Jahres für 2012 prognostiziert

€uro Inhalt

ANZEIGE

Archivsuche

Suchbegriff(e)Ausgabe
Headline Person
WKN ISIN
Zeitlich begrenzen:
von bis
 GO