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17.07.2012 09:57 | Aktuell

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Spielt, Jungs

Im warmen August des Jahres 1972 kam der „Playboy“ mit jeder Menge guter Geschichten nach Deutschland. Und mit ein paar Mädchen, denen offenbar sehr heiß war

von Michael Hannwacker

Zu Beginn holte sich der Mann erst einmal eine blutige Nase: Raimund le ­Viseur, designierter Redaktionsleiter des deutschen „Playboy“ (den Titel „Chefredakteur“ beanspruchte Gründer Hugh Hefner weltweit für sich), machte gerade seinen Antrittsbesuch beim Herrn der ­Hasen. Da entschloss er sich, offenbar selbst eher leicht bekleidet, zu einem Sprung in den Pool. Was le Viseur nicht wusste: Hugh Hefner ist Nichtschwimmer. Und lässt deshalb seine Becken allenfalls kniehoch befüllen.

Das war keine Geschichte, die der Redaktionsleiter in der ersten Ausgabe des deutschen „Playboy“ erzählte, die vor genau 40 Jahren hierzulande an die Kioske kam. Obwohl doch dies das Argument für den „Playboy“ war: Geschichten von den besten zeitgenössi­schen Autoren und bahnbrechende Interviews, garniert mit ein paar unangezogenen Frauen, inszeniert von Salvador Dalí, Helmut Newton oder gar Andy Warhol.

Zumindest manchmal. Tatsächlich verdankt der „Playboy“ diesem Mix bis heute seinen Nimbus. In den ersten Jahren posierte Peter Ustinov als Steinzeitmensch zwischen nackten Zeitgenossinnen. Stars wie Charlotte Rampling oder Iris Berben gewährten Pictorials. Und Weltenbeweger wie Bruno Kreisky oder John Lennon standen exklusiv Rede und Antwort. Der Nimbus hat in den vergangenen Jahren etwas gelitten. Die Freuden des Voyeurismus befriedigt das Internet schon lange vielseitiger. Die Auto- und Abenteuergeschichten werden nicht mehr in Feuilletonredaktionen gelesen, sondern vermutlich in Bundeswehrkasernen durch geblättert. Und entblättern mögen sich nicht mehr A-Prominente, sondern bestenfalls noch abgehalfterte TV-Kommissarinnen oder „Dschungelcamp“-Entourage.

Dass die Marke überhaupt (über)lebt, verdankt sie vor allem dem lukrativen Merchandising rund ums populäre Bunny-Logo, eines der bekanntesten Signets weltweit. Seinetwegen übrigens hätte der Bauer Verlag die Lizenz für die deutsche Ausgabe um ein Haar gleich wieder verloren. Denn der Hase auf dem Ärmel des Covergirls schaute in die falsche Richtung — nach rechts. Playboy-Bunnys aber gucken immer nach links. Hefner tobte. Und hätte seinen deutschen Redaktionsleiter wahrscheinlich am liebsten höchstselbst in den Pool geworfen.