Navi durch den Tarifdschungel
20.10.2009 Ausgabe 11/09
Bei fast allen Anbietern stimmt das Versicherungsjahr mit dem Kalenderjahr überein. Noch. Denn einige Versicherer wollen sich dem Wechselspiel zum Jahresende entziehen. Marktführer Allianz bietet schon einen abweichenden Kündigungstermin an. „Der 1. Januar ist für viele Kunden ungünstig, da nach Weihnachten die meisten Familienbudgets ausgereizt sind“, begründet Stefan Lohmöller, Leiter der Autoversicherung bei der Allianz in München, die Terminverschiebung. „Außerdem werden durch die Entzerrung unsere Agenturen und der Innendienst entlastet.“ Der Kündigungstermin, den die Münchner jetzt für Neuverträge ihrer Kfz-Policen anbieten, wäre dann das Monatsende zwölf Monate nach Vertragsabschluss. Andere Kfz-Versicherer, wie die Hamburg-Mannheimer und die Victoria von der Ergo-Gruppe wollen dem Beispiel der Allianz folgen.
Die angeblich im Interesse der Kunden eingeführte Neuerung begeistert aber nicht jeden. „Die Umstellung der Kündigungstermine wird unter den Versicherten für Verwirrung sorgen“, befürchtet Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen. Viele Kunden könnten sich ihren individuellen, unterjährigen Kündigungstermin weniger leicht merken als den einfachen Stichtag zum Jahreswechsel.
Die Versicherungsbranche gibt offen zu, dass der Wechsel zu günstigeren Anbietern erschwert werden soll. „Mangelnde Transparenz, wann eine Police fällig wird, macht Abwerbungen für den Wettbewerb zukünftig zum Roulettespiel“, vermutet Dirk Schmidt-Gallas von der Unternehmensberatung Simon-Kucher.
Wer sich dem Kundenexodus zum Jahresende entzieht, kann den Preisverfall stoppen, hoffen die Versicherer. Vergangenes Jahr schrieb die Branche einen Verlust von 400 Millionen Euro. „Seit 2003 sind die Prämien um mehr als zehn Prozent rückläufig“, heißt es in einer Studie der Ratingagentur Fitch. Dieses Jahr sorgen die mit der Abwrackprämie eingeführten Sondertarife für noch mehr Preisdruck. Unwahrscheinlich ist, dass Autohalter in Krisenzeiten weniger auf den Beitrag achten. „Das Auto spielt auch bei der Absicherung eine große Rolle“, sagt Verbraucherschützerin Heyer.
Nach einer Studie des Kölner Marktforschers YouGovPsychonomics tragen sich dieses Jahr zehn Prozent aller Versicherten mit dem Gedanken zu wechseln. Weitere fünf Prozent haben sich schon im Juni konkret damit beschäftigt. Grund für die hohe Preissensibilität sind die jährlichen Tarifänderungen bei den persönlichen, regionalen und Autotyp-bezogenen Schadensklassen. Für die Haftpflichtpolice gilt tendenziell: Im Norden, insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, ist die Haftpflichtpolice günstiger als in den ländlichen Gegenden Süddeutschlands (siehe Karte Seite 94). Die meisten Versicherer differenzieren die Preise nicht nur nach Zulassungsbezirken, sondern sogar nach Postleitzahlgebieten.
Lesen Sie, welche Vergleichsportale empfehlenswert sind
Harte Kämpfer in der Preisschlacht sind meist Direktversicherer ohne teuren Außendienst. Dazu zählen AdmiralDirekt, Asstel, CosmosDirekt, deutsche internet, Direct Line, Europa, Ineas oder die WGV. Günstig sind aber oft auch die Internettarife großer Versicherer wie AllSecure (Allianz), R+V 24 (R+V) und Huk 24 (Huk-Coburg).
Einen Überblick erhält man am besten über Vergleichsportale im Internet. Diese bedienen sich der Softwareprogramme von FSS-Online, NAFI Unternehmensberatung und Trixi Informationssysteme. Die Internetvermittler verfügen zudem über Schnittstellen zu den Berechnungsprogrammen der Versicherer.
Interessierte, die einen Vergleich durchführen, müssen für die Eingabe der einzelnen Abfragemerkmale schon mal gut eine halbe Stunde einkalkulieren. Dabei ist die Zeit, die relevanten Abfrageinformationen zu beschaffen, noch nicht eingerechnet. Die Daten entnehmen sie ihrem Fahrzeugschein (Hersteller- und Typschlüsselnummer) und den Unterlagen aus der bisherigen Police. Obwohl die abgefragten Punkte bei den Portalen weitgehend übereinstimmen, ist die Nutzerführung unterschiedlich. Bedienerfreundlich ist beispielsweise das Abfragetableau von check24, bei dem der Abfragemodus sehr durchdacht ist.
Deutliche Unterschiede gibt es aber vor allem bei den Ergebnissen. „Der Interessierte kann nicht davon ausgehen, dass er immer eine vollständige Übersicht der günstigsten Marktangebote erhält“, warnt Heyer. Tatsächlich müssen sich die Vergleichsportale irgendwie finanzieren. In der Regel geschieht dies durch Vermittlungsprovisionen. Da diese variieren, besteht ein finanzieller Anreiz, Versicherer mit niedriger Provision im Vergleich nicht zu berücksichtigen.
€uro hat deshalb unter den Vergleichsportalen die Zahl der angebotenen Versicherungen und Tarife sowie deren Finanzierungsmodell recherchiert (siehe Tabelle). Zudem wurden 64 Berechnungen durchgeführt, indem für acht Autohalter die Angebotsermittlung von jeweils acht Vergleichsportalen für Endverbraucher durchgeführt wurden. Die häufig günstigsten Ergebnisse wies dabei aspect-online auf.
Einige günstige Versicherer erscheinen tatsächlich nicht bei allen Vergleichsportalen in der Auswertungsübersicht. So tauchte beispielsweise in einigen Testfällen der günstige Tarif der LadyCarOnline nicht bei check24, FinanceScout24 und First Europa auf. Entscheidend für die Anbieterübersicht sind jedoch die Filterkriterien. Je umfassender der gewünschte Leistungskatalog, desto eingeschränkter ist das Angebot an günstigen Policen. Der Interessent sollte sich daher genau überlegen, welche Leistungen für ihn wirklich wichtig sind. Wer beispielsweise Zusatzleistungen wie Schutz gegen Marderbiss, Rabattretter (keine sofortige Abstufung bei Schadensfall) und Mallorca-Police (gleicher Schutz wie im Inland für Leihwagen im Ausland) anklickt, muss mit einer deutlich eingeschränkten und teuren Angebotsauswahl rechnen.
Doch nicht immer kann der Nutzer den Filter selbst bestimmen. So ist etwa bei ino24 und Insurancecity die Höhe der Versicherungssumme bei der Haftpflichtversicherung nicht wählbar. Erst über einen Button beim jeweiligen Anbieter erfährt der Nutzer in der Leistungsübersicht deren Höhe. Dabei ergeben sich höhere Preise für die vorgegebene höhere Versicherungssumme – auch wenn die Anbieterreihenfolge die gleiche wie bei anderen Portalen ist.
Fazit: Wer die drei besten Vergleichsportale nutzt, erhält eine aussagekräftige Beitragsaufstellung mit den günstigsten Angeboten.
Ulrich Lohrer
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