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13.12.2011 11:22:29 | Euro Archivbericht | Ausgabe 01/12

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„Ein Feldzug auf Kosten der Anleger“

Frank Dornseifer (40), Geschäftsführer des Bundesverbands Alternative Investments (BAI), zu Meinungsverschiedenheiten mit der Politik

Das Interview führte Mario Müller-Dofel.

€uro: Herr Dornseifer, Sie sind Lobbyist für Hedgefonds und Private-Equity-Fonds. Damit gelten Sie als Stabilitätsrisiko an den Finanzmärkten. Wie lebt es sich so als Bösewicht?
Frank Dornseifer: Die angeblich so große Mitschuld von Hedgefonds und Private Equity an der Finanzkrise ist eine Legende. Das sehen im Übrigen die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank und das Financial Stability Bord genauso. Ihren Vorwurf weise ich daher mit gutem Gewissen zurück.

Und warum hat eine stärkere Regulierung Ihrer Branche so eine hohe Priorität im Kampf gegen Schattenbanken* und Spekulanten.
Dornseifer: Weil es 2009 von den G 20-Ländern so beschlossen wurde. Zudem steht die Politik jetzt unter hohem Rechtfertigungsdruck für die immensen Summen, die zur Rettung der Banken und bestimmter Staaten aufgebracht werden. In diesem Umfeld kann die Politik mit einem Feldzug gegen Hedgefonds und Privat Equity auf Kosten von Investoren schließlich Punkte bei den Wählern machen.

Das ist ihr gutes Recht.
Dornseifer:
Wenn die Argumente stimmen würden. Die Schattenbankendiskussion ist das beste Beispiel. Private Equity kann nicht ernsthaft diesem Bereich zugeordnet werden. Und das von Hedgefonds weltweit verwaltete Vermögen beträgt gerade einmal drei Prozent der Summe, die vom Financial Stability Board den sogenannten Schattenbanken zugeordnet werden. Und wiederum nur ein geringer Teil der Hedgefonds ist überhaupt im Kreditgeschäft tätig. Diese Fakten werden leider oft verkannt.

Wie kommt das?
Dornseifer:
Sagen wir so: Jede etablierte Partei hat Finanzexperten. Die verstehen unsere Position. Aber es ist für die Alternative-Investment-Branche unbefriedigend, in den Hinterzimmern der Parteizentralen zu hören, dass man sie versteht, sie dann aber öffentlich an den Pranger gestellt wird.

Sie halten also eine verschärfte Regulierung für Quatsch?
Dornseifer:
Nein, denn viele Regulierungsvorgaben haben einen richtigen Ansatz. Doch oft sind sie im Detail schlecht durchdacht oder zu komplex. Vor allem muss sowohl der Branche, als auch den Aufsehern Zeit gegeben werden, neue Regeln umzusetzen und deren Praxistauglichkeit zu testen.

Diese Zeit fehlt offensichtlich, weil sich die Finanzkrise insbesondere in Europa zügig zuspitzt.
Dornseifer:
Vielleicht auch deshalb, weil man sich nicht auf das Wesentliche konzentriert. Eine schlechte und übereilte Regulierung wird sich rächen. Die Einstufung von Staatsanleihen als risikoloses Investment ist ein Beispiel dafür. Die Portfolios vieler -institutioneller Investoren sind auch deshalb einseitig ausgerichtet. Alternative Investments werden diskreditiert und haben fast keine Relevanz. Ein Umstand, der zulasten vieler Sparer, Versicherungsnehmer und Altersvorsorgeeinrichtungen geht.

* Als Schattenbanken werden Unternehmen bezeichnet, die mitunter hochriskante Kreditgeschäfte machen, aber keine Banken und daher weniger reguliert sind.

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