DAX6.3971,2%  Dow12.5320,6%  Euro1,2480-0,5% 
ESt502.1600,6%  Nas2.8500,4%  Öl106,4-0,8% 
TDax764,51,1%  Nikkei8.6570,7%  Gold1.560-1,0% 

15.11.2011 17:18:40 | Euro Archivbericht | Ausgabe 12/11

Senden

Für die Ewigkeit

Die Aktie von Colgate-Palmolive macht Anlegern seit 20 Jahren viel Freude. Und daran wird sich auch in den nächsten zwei Jahrzehnten wenig ändern

Die Börse ist nicht mehr so, wie sie früher mal war, sagen viele Investoren. Von einer neuen Ära ist die Rede und -davon, dass die Zeiten turbulenter und schnelllebiger geworden seien. Das Credo der ungarischen Börsenlegende André Kostolany – „Kaufen und liegen lassen“ – wirkt da nicht nur ausgesprochen altbacken, sondern kann Aktieninvestoren auch richtig viel Geld kosten. Die Aktienmärkte sind viel volatiler geworden, die Ausschläge nach oben und unten heftiger als früher. So hat der deutsche Leitindex DAX wegen der Schuldenkrise in den vergangenen Monaten Handelstage erlebt, an denen er fünf -Prozent verlor oder gewann – das entspricht in etwa der Gesamtrendite eines Festgeldkontos mit zwei Jahren Anlagedauer.

Diese extremen Ausschläge sind Ausdruck der Unsicherheit der Investoren. Sie fragen: „Wie wird sich die Wirtschaft im Schatten der Schuldenkrise entwickeln?“ „Wird sie mit einem blauen Auge davonkommen oder wird sie in die Rezession stürzen?“ Ihre Überlegung dahinter: Flaut die Konjunktur ab, halten sich die Konsumenten zurück und die Nachfrage sinkt. Die Folge davon: Unternehmen setzen weniger um, ihre Gewinne schrumpfen – kein Szenario, das Aktienkursen zuträglich ist. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Auch wenn die Wirtschaft in die Rezession rutscht, putzen sich Konsumenten die Zähne, sie duschen und waschen sich. Auch das Haus wird geputzt, Geschirr gespült. Und Haustiere werden kaum hungern müssen – Schuldenkrise hin oder her. Das gilt in Berlin ebenso wie in New York oder in Rio de Janeiro.

Sauber durch die Krise

Colgate-Palmolive deckt mit der Produktpalette all diese elementaren Lebensbereiche ab. Mit Marken wie Colgate, Dentagard und Aronal/Elmex stehen Zahnpflegeprodukte des US-Unternehmens auch in vielen deutschen Badezimmern – von Zahnbürste und -pasta über Mundwasser bis hin zu den in Mode gekommenen Whitening-Produkten, die Zähne weißer aussehen lassen. Für die Körperpflege steht die Kernmarke des Unternehmens, Palmolive, auf den Waschbecken. Diese Marke ist auch als Spülmittel populär – durch die Werbekultfigur Tante Tilly, die fast 30 Jahre lang den Palmolive-Spülmittel-Spot mit den Worten „... Sie baden gerade Ihre Hände drin“ unvergessen machte. Mit Ajax und DanKlorix wird auch in der Krise eifrig gescheuert. Hunde und Katzen werden rund um den Globus mit Hills-Produkten gefüttert.

Je nach Land setzt das Unternehmen aber auch auf unterschiedliche Marken. So vertreiben die New Yorker in den USA Körperpflegemittel der Marke Softsoap, in Brasilien gibt es das Waschmittel Ola und den Haushaltsreiniger Pinho Sol. Überhaupt ist Colgate-Palmolive ein Spiegelbild der Globalisierung: Der Konzern verkauft weltweit – von der Schweiz bis Malaysia, von China bis Indien, wobei Lateinamerika mittlerweile den größten Anteil zum Umsatz beisteuert. Zwar greift das Traditionsunternehmen, das im Jahr 1806 von William Colgate in New York gegründet worden ist, auf den regionalen Märkten mit unterschiedlichen Marken an, fokussiert sich dabei aber immer wieder auf ein paar Kerngeschäftsfelder. So verkauft Colgate schon seit seiner Gründung Seife. Es war 1896 das erste Unternehmen weltweit, das Zahnpasta in Tuben füllte. Wie solide das Unternehmen ist, das seit 1953 Colgate-Palmolive heißt, zeigt sich auch im Management: Ian Cook arbeitet bereits seit 1976 für den Konzern, seit 2007 sitzt er im Chefsessel.

Bezahlte Langeweile

Diese Beständigkeit klingt fast schon langweilig, macht sich aber bezahlt: Die Aktie stieg in den vergangenen 20 Jahren um knapp 900 Prozent. Das entspricht einer jährlichen Rendite von durchschnittlich rund zwölf Prozent. Der Buchwert pro Aktie kletterte im selben Zeitraum von 2,45 US-Dollar je Aktie auf 16,10 Dollar. Der Gewinn pro Anteilschein stieg von 0,19 US-Dollar 1991 auf 4,45 US-Dollar im Jahr 2010. Weil das Management zudem die Dividende stetig erhöht, stieg sie im selben Zeitraum von 0,26 Dollar auf 2,03 Dollar. Gar nicht mal so großzügig bei einem Gewinn von 4,45 Dollar – zeugt aber von einer nachhaltigen Dividendenpolitik. Zum Vergleich: Die Deutsche Telekom schüttete 2010 je Aktie 0,70 Euro aus, obwohl der Konzern nur 0,39 Euro pro Anteilschein erwirtschaftet hatte. Das zehrt an der Substanz eines Unternehmens.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 2,7 ist die Aktie allerdings nicht wirklich günstig. Für Schnäppchenjäger ist das Papier daher kaum geeignet, sondern eher für langfristig orientierte Investoren. Diese können auf die weiterhin gute operative Entwicklung setzen: Im dritten Quartal des aktuellen Geschäftsjahres hat Colgate-Palmolive gegenüber demselben Vorjahreszeitraum den Umsatz um elf Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar gesteigert. Der Gewinn legte um vier Prozent auf 643 Millionen Dollar zu. Sollte das Unternehmen dennoch einmal die hohen Erwartungen verfehlen, droht auch bei der Colgate-Aktie ein Rücksetzer. Allerdings dürfte der Dämpfer aber auch dann nicht allzu groß ausfallen: „Dank unserer weltweiten guten Cashflows können wir jederzeit ein neues Aktienrückkaufprogramm starten“, kündigte Konzernchef Ian Cook im September 2011 an. Geplantes Volumen: 50 Millionen Stück, was rund zehn Prozent aller Aktien entspricht – waschechte Kurspflege in der Krise.


Matthias Fischer

€uro Inhalt

ANZEIGE

Archivsuche

Suchbegriff(e)Ausgabe
Headline Person
WKN ISIN
Zeitlich begrenzen:
von bis
 GO