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13.12.2011 11:22:29 | Euro Archivbericht | Ausgabe 01/12

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Happy Birthday, Riester

Seit zehn Jahren fördert der Staat die private Altersvorsorge. Diese Produkte sind zwar teuer, können sich aber dennoch lohnen

von €uro-Redakteur Markus Hinterberger

Zu Geburtstagskindern soll man nett sein. Doch während der Stahlkonzern ThyssenKrupp zum 200. Geburtstag als Symbol deutscher Industriegeschichte geehrt wird, kommen zum Zehnjährigen der Riester-Rente eher Kritiker zu Wort: „Ich bin schon seit Jahren skeptisch, wenn mir jemand Riester als Erfolg verkauft“, sagt Niels Nauhauser. Aus seiner Sicht ist die staatlich geförderte Altersvorsorge zu kompliziert, zu teuer und wirft deshalb zu wenig ab.

Der Vorsorgeexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ist mit seiner Meinung nicht allein. Auch die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung, die dem Sozialdemokraten und Ex-Arbeitsminister Walter Riester eigentlich wohlgesonnen sein müsste, hat gemeinsam mit dem Deutschen Institut der Wirtschaft Erschreckendes errechnet: Eine Frau, die mit 35 über eine Rentenpolice zu „riestern“ beginnt, müsste mindestens 77 Jahre alt werden, um das, was insgesamt eingezahlt wurde, wieder heraus-zubekommen. Wollte die Dame sogar noch die Inflation ausgleichen und 2,5 Prozent Rendite haben, müsste sie über 100 Jahre alt werden. Nur ein Beispiel dafür, wie Eigenbeitrag und Förderung von den Kosten aufgefressen werden.

Doch damit nicht genug. Im Frühjahr 2011 buchte die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) rund 490 Millionen Euro an Riester-Zulagen zurück. Betroffen waren nicht berufstätige Frauen, die über ihren Mann mittelbar zulagenberechtigt waren. Gingen diese Frauen nach der Geburt ihres Kinds in Elternzeit, wurden sie plötzlich unmittelbar zulagenberechtigt und mussten jährlich mindestens 60 Euro einzahlen.

Eigeninitiative gefragt

„Riestern heißt nicht: abschließen und liegen lassen“, sagt Martin Gattung. Der Unternehmensberater für Altersvorsorge kennt die Probleme der staatlich geförderten Vorsorge. Seiner Ansicht nach sollten sich die Vermittler um die Riester-Sparer kümmern. „Die Betreuung des Kunden ist ein fortdauernder Prozess, der nicht mit dem Abschluss endet.“ Für einen Teil des Zulagenproblems hat der Bund nun eine Lösung gefunden: Ab dem 1. Januar 2012 muss jeder mit einem Riester-Vertrag – ganz gleich ob mittelbar oder unmittelbar förderberechtigt – mindestens 60 Euro im Jahr einzahlen. Wenn nicht, gibt’s keine Förderung.

Apropos Förderung: Da Kinder, die nach 2008 geboren wurden, mit 300 Euro im Jahr gefördert werden, lohnt sich Riestern vor allem für junge Familien. Erwachsene bekommen aktuell lediglich 154 Euro pro Jahr; für ältere Kinder gibt es 185 Euro. Ein Beispiel: Ein zweifacher alleinerziehender Vater mit 30 000 Euro Jahreseinkommen will riestern. Dazu muss er – wie alle Sparer – vier Prozent seines Jahreseinkommens, maximal aber 2100 Euro, ansparen. Das wären 1200 Euro. Angenommen, die Kinder sind zwei und ein Jahr alt, dann müsste er nur 346 Euro im Jahr sparen, die übrigen 754 Euro bekommt er als Förderung. Klingt generös, dennoch scheinen sich viele nicht für den Bonus vom Staat zu interessieren.

Förderung nicht genutzt

Laut Vorsorgeatlas Deutschland, für den die Uni Freiburg und das Fondshaus Union Investment die Riester-Gewohnheiten der Deutschen untersuchten, wurden allein für 2008 rund 1,3 Milliarden Euro Fördergelder nicht abgerufen. Neben zu geringen Eigenbeiträgen spielt dabei auch die Zeit eine Rolle. Obwohl, oder gerade weil Riester-Sparer noch fast zwei Jahre im Nachhinein ihre Zulagen beantragen können, bleibt viel Fördergeld liegen. Tipp: Die Förderung für 2009 kann noch bis Silvester beantragt werden.

Die ZfA bucht übrigens weiterhin falsch beantragte Förderungen zurück. Denn im Frühjahr wurden nur die ersten Förderjahrgänge der Rente geprüft. Immerhin: Seit 2005 können Sparer die Förderung per Dauerzulagenantrag bekommen. Das sorgt für mehr Geförderte, und zusätzlich sollte es bei Riester-Sparern, deren Status und Einkommen sich nicht ändert, keine Probleme mehr geben.

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