Mensch gegen Maschine
Faktor Mensch
Kein Dachfondsmanager ist in Deutschland so bekannt wie Eckhard Sauren. „Ich investiere nicht in Fonds, sondern in Fondsmanager“, lautet das Motto, das der Wahlkölner seit Jahren wie eine teure Marke pflegt. Doch Sauren liefert mehr als gutes Marketing. Sieben seiner Dachfonds tragen eine €uro-FondsNote, vier davon die Bestnote 1 und zwei weitere die gute Note 2. Sauren und seine Kollegen sprechen oft und regelmäßig mit Managern von Aktien-, Renten- oder Absolute-Return-Fonds. Insbesondere, wenn diese ihren Arbeitgeber gewechselt haben wie Miles Geldard. „Ich dachte, er würde nicht wieder bei mir investieren“, sagt der einstige JP-Morgan- und heutige Jupiter-Manager, „so genau und kritisch hat er mich gefragt.“
Am Ende war Geldard überrascht, dass Sauren das Okay zum Kauf gab. Grund: Er traut ihm weiterhin zu, seinen Vergleichsindex auf Dauer zu schlagen, so wie 200 weitere Manager auch. Allein diese Fähigkeit zählt für ihn. Wie Sauren tickt, zeigte sich jüngst bei einer Gala in Frankfurt, als er die „Sauren Golden Awards“ verlieh. Er zeichnete nicht Fonds, sondern deren Manager aus. Nicht der Mainfirst Top European Ideas bekam einen Preis, sondern dessen Manager Olgerd Eichler. Nicht der Loys Global wurde geehrt, sondern Portfoliolenker Christoph Bruns.
Ungewöhnlich auch, dass Sauren Fonds beider Manager in seinen Dachfonds hält, obwohl sie konträre Meinungen vertreten: Eichler warnt nach dem Aktiencrash vom August 2011 eindringlich vor weiterhin schwierigen Börsenzeiten. Bruns freut sich dagegen über die tiefer notierenden Aktienmärkte, weil er so günstiger einsteigen kann. Sauren stören derartige Unterschiede nicht. Er ist überzeugt, dass Manager wie Eichler und Bruns am besten wissen, ob sie ihr Portfolio defensiver oder offensiver auszurichten haben.
Daher agierte Sauren im August 2011 auch nicht hektisch, als die Aktienkurse einbrachen: „An der Asset Allocation haben wir nichts geändert“, sagt er. „Wir diversifizieren unsere Portfolios breit über Manager und Anlageklassen. Somit sind wir auch in schwierigen Zeiten gut positioniert“. Temporäre Rückschläge müssen Anleger auf diese Weise aber in Kauf nehmen. Langfristig jedoch erzielten die Sauren-Dachfonds bislang Renditen, die über dem Durchschnitt liegen.
Faktor Maschine
Auch für Arne Sand zählt, wie gut ein Fondsmanager arbeitet. Doch setzt der Macher des Dachfonds smart-invest Helios AR seine Prioritäten anders. Für ihn ist das Timing das A und O, das heißt der Kauf und Verkauf zum richtigen Zeitpunkt. Sand will in guten Börsenphasen Geld verdienen, vorrangig aber starke Verluste von mehr als zehn Prozent vermeiden. „Diese kann man kaum wieder aufholen. Das haben wir in der Asien-Krise 1997/98 gelernt“, sagt der Chef der Stuttgarter Vermögensverwalter Sand und Schott. „Momentan befindet sich die Mehrzahl der Weltbörsen im Abwärtstrend“, erklärt Sand. „Daher ist der Helios-Fonds komplett in Geldmarktfonds investiert.“ So wählt er nur Geldmarktprodukte aus, die mit Staatsanleihen sehr guter „AAA“-Bonität besichert sind, etwa aus Deutschland, Finnland oder den Niederlanden. Der Vorteil des Helios-Fonds: Sand kann die Aktienquote zwischen null und 100 Prozent völlig frei variieren, je nach Börsenlage.
Sand vergleicht die heutigen Kursverläufe dabei mit jenen aus der Vergangenheit. Spricht die Historie eher für steigende Kurse, erhöht er den Aktienanteil. Andernfalls senkt er ihn. Dafür hat der Elektroingenieur vor rund zehn Jahren eigens ein automatisches Handelssystem entwickelt. Mittlerweile analysiert das Modell 8000 Fonds, die in mehr als 140 Aktien- und Anleihemärkten investiert sind. „Vorboten für einen Trendwechsel könnten in der derzeitigen Börsenphase erneut Nebenwerte und die Börse Hongkong sein“, sagt Sand. „Wir müssen aber sicher eine gute Zeit lang warten, bis sich wieder ein Aufwärtstrend etabliert.“
Doch für den Aufbau des Helios-Portfolios ist seine persönliche Meinung unerheblich. Relevant ist, ob sein Handelssystem Kauf- oder Verkaufssignale liefert. So wie im Frühjahr 2003, als es zum Einstieg beim HSBC GIF Indian Equity riet. Sand investierte, obwohl er nicht überzeugt war. Nichts deutete für ihn auf eine Kurswende hin. Am Ende gewann er mit dem Indien-Fonds so viel wie mit kaum einem anderen Aktienfonds. „Rückblickend betrachtet war das System wie so oft treffsicherer als der Mensch“, erklärt der Schwabe. Bedeutsamer als ein hoher Gewinn ist für den Vermögensverwalter jedoch, dass der smart-invest Helios AR die starke Baisse vom Sommer 2007 bis zum Frühjahr 2009 ohne herbe Verluste überstanden hat. Zwar sprang der Fonds danach nicht wie erhofft wieder an, doch hat Sand sein System mittlerweile „evolutionär“ angepasst.
Die Bilanz von Sand ist beachtlich. Im Juli 2003 übernahm er den Helios-Fonds. Seither hat er mit seinem Handelssystem um über 50 Prozentpunkte besser abgeschnitten als der MSCI-World. Ähnlich wie Sand investieren andere Anbieter. Dazu zählen die Dachfonds von Assenagon, Avana Invest, C-Quadrat oder der ETF-Dachfonds. In den Details arbeiten ihre Handelssysteme anders, doch die Prinzipien sind vergleichbar. Gemäß dem Motto von Sand: „Risiken meiden, Chancen nutzen – genau in dieser Reihenfolge.“ Das sei derzeit wieder das oberste Gebot.