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13.12.2011 11:22:29 | Euro Archivbericht | Ausgabe 01/12

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Mit vollem Schwung ins neue Jahr

2012 könnte trotz Konjunkturschwäche für einige Nebenwerte ein echtes Hochleistungsjahr werden. €uro stellt drei vielversprechende Unternehmen vor

von €uro-Redakteur Matthias Fischer

Vom 8. Juni bis zum 1. Juli 2012 spielen 16 Teams in Polen und in der Ukraine um die Fußball-Europameisterschaft. Am 27. Juli starten in London die Olympischen Sommerspiele, bei denen in 26 Sportarten insgesamt 302 Goldmedaillen vergeben werden. In ihren Sport­berichten werden die TV-Stationen rund um den Globus auch häufig auf grafische Elemente setzen – vom Balken, der bei Schwimmwettkämpfen die Weltrekordzeit visualisiert, bis zur Abseitslinie beim EM-Fußballturnier.

Genau analysiert

Die Firma Orad entwickelt und vertreibt solche grafischen Lösungen. Zu den Kunden des israelischen Unternehmens zählen WDR und RTL in Deutschland, TF1 und Canal+ in Frankreich sowie das chinesische CCTV und Rede Globo in Brasilien. In den USA wird MSNBC auf Orad-Grafiken zurückgreifen, wenn im November 2012 der US-Präsident gewählt wird. „Wahlberichterstattung wird immer wichtiger für uns“, sagt Orad-Chef Avi Sharir. Mit seinen Produkten lassen sich die Wahlergebnisse ebenso bildlich darstellen wie die Gewinne und Verluste der Parteien. Auch virtuelle Studios oder Wettersimulationen gehören zum Produktportfolio.

Neben dem klassischen TV-Geschäft wird für Orad der Bereich der Video­server immer wichtiger. Über diese können die TV-Sender ihre Videos im Internet bereitstellen. „Der Markt für Videoserver ist achtmal so groß wie der für Grafiken“, sagt Sharir. Der Orad-Chef schätzt das Volumen auf 2,1 Milliarden Euro pro Jahr. Zudem wächst der Markt jährlich um etwa 15 Prozent.

Gegenüber 2010 stieg bei Orad der Umsatzanteil im Videobereich 2011 von acht auf rund zwölf Prozent. Insgesamt setzte das Unternehmen in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2011 mit 25,7 Millionen US-Dollar (rund 19 Millionen Euro) 22 Prozent mehr um als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Dabei verdienten die Israelis 2,3 Millionen Dollar (1,7 Millionen Euro). Orad verfolgt eine kontinuierliche Dividendenpolitik und schüttet rund ein Drittel der Erträge aus. Das Unternehmen ist so gut wie schuldenfrei und verfügt über rund zehn Millionen Euro in bar – was etwa einem Euro pro Aktie entspricht.

Gut aufgespielt

Die DEAG Deutsche Entertainment AG ist einer der führenden Anbieter von Live-Entertainment und der größte Veranstalter von Klassik-Events in Europa. Vor allem die Klassiksparte ist für das Unternehmen ein wichtiges Segment, weil dort bei Konzerten wegen des vorwiegend älteren Publikums höhere Preise durchzusetzen sind: „Während bei Konzerten mit Rihanna die Tickets zwischen 40 und 80 Euro kosten, sind bei Veranstaltungen mit Anna Netrebko auch Preise über 100 Euro ­realisierbar“, sagt Finanzvorstand Christian Diekmann.

Die Berliner setzen zunehmend auf Künstler, die sich komplett vermarkten lassen – die sogenannte 360-Grad-Vermarktung. Ein ausgesprochen erfolgreiches Beispiel dafür ist der Geiger David Garrett, der nicht nur Konzerte gibt und Alben aufnimmt, sondern auch in TV-Shows auftritt oder Fotosessions macht. Die erfolgreiche Vermarktung von Künstlern wie Garrett oder Netrebko schlägt sich auch in den Geschäftszahlen nieder: In den ersten neun Monaten des aktuellen Geschäftsjahrs kletterte der Umsatz um 13 Prozent auf 93,9 Millionen Euro. Der Gewinn stieg sogar überproportional wegen einer geringeren Steuerquote von 0,9 Millionen auf zwei Millionen Euro.

„Für 2012 ist die Produktpipeline sehr gut gefüllt“, so Diekmann. Allein für die im Herbst 2012 startende Tour von Peter Maffay „Tabaluga – die Zeichen der Zeit“ seien bereits 150 000 Tickets verkauft. Die DEAG-Aktie ist mit einem KGV von 9,9 günstig bewertet. Auch die Marktkapitalisierung des Unternehmens ist mit 26,1 Millionen Euro ausgesprochen niedrig, wenn man berücksichtigt, dass allein schon die Jahrhunderthalle Frankfurt, die dem Unternehmen gehört, einen Gutteil des Börsenwerts abdeckt.

Schnell frankiert

2012 dürfte auch für Francotyp-Postalia ein gutes Jahr werden. Der Marktführer bei Frankiermaschinen ging bereits 2006 an die Börse – seither hat das Traditionsunternehmen mit Sitz in Birkenwerder bei Berlin regelmäßig enttäuscht und Verluste geschrieben. 2010 konnte Francotyp-Postalia jedoch 3,3 Millionen Euro Gewinn ausweisen – 0,23 Euro pro Aktie. Für 2011 rechnet Analyst Felix Ellmann von Warburg aber schon wieder mit 4,7 Millionen Euro Verlust. Das liegt neben der schwachen Konjunktur und der daraus resultierenden Kaufzurückhaltung der Kunden vor allem an 8,9 Millionen Euro Restrukturierungskosten. Aber: „Diese sind nicht nachhaltig und sollten 2012 die Ergebnissituation nicht mehr wesentlich belasten“, ergänzt ­Analyst Ellmann.

Die eingeleiteten Maßnahmen dürften 2012 Früchte tragen. Wenn zudem das neue Frankiersystem Phoenix ein Erfolg wird und der Einstieg in die vollelektronische Briefkommunikation (Stichwort De-Mail) gelingt, wird der Gewinn deutlich steigen. Für 2012 prognostiziert Warburg Research 8,1 Millionen Euro Überschuss, 2013 sollen es 8,6 Millionen Euro werden. Kommt es tatsächlich so, wäre die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhält­nis (KGV) von 3,2 und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 0,16 eine der fundamental am niedrigsten bewerteten Aktien im deutschen Prime Standard.

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