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20.10.2009 | Euro Archivbericht | Ausgabe 11/09

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Partei der Anleger

Anlageklassiker | Globale Aktienfonds waren immer Anlegers Liebling. Zwei Mischfonds machen ihnen jetzt Konkurrenz. €uro stellt die wichtigsten Produkte aus beiden Welten vor

Man kennt das ja aus der Politik. Wähler entziehen den großen Parteien ihre Stimme und geben sie an Kleinere. Schlicht, weil sie sich von den behäbigen Polit-Elefanten nicht mehr repräsentiert fühlen. Bei Fonds ist es ähnlich. In den großen globalen Volksfonds steckt zwar weiterhin viel Geld, allen voran im DWS Vermögensbildungsfonds I und Templeton Growth Fund. Gleichwohl verlieren die Dickschiffe an Gewicht, andere holen auf – oder überholen sie sogar. Die neuen Lieblinge der Anleger heißen BGF Global Allocation Fund und Carmignac Patrimoine, zwei global anlegende Mischfonds, die in Aktien und Anleihen investieren.

Der Vergleich

Mit Ausnahme des Templeton Growth Fund sind die beiden Newcomer mittlerweile größer als jeder andere Aktienfonds hierzulande. Doch was taugen die „neuen“ Klassiker? Und haben die „alten“ tatsächlich ausgedient? Der DWS Vermögensbildungsfonds I ist der größte einheimische Aktienfonds, sein Manager Klaus Kaldemorgen, 56, das bekannteste Gesicht der deutschen Fondsbranche. Groß wurde der „DWS I“ erst ab dem Jahr 1999, als er um 107 Prozent stieg. Kaldemorgen, der den 1970 aufgelegten Fonds seit 1994 leitet, hatte rechtzeitig attraktive Nebenwerte aufgespürt. Das brachte sein Produkt in den Ranglisten nach vorn. Die Folge: Anleger kauften massiv Fondsanteile. Heute wird dem Fonds vorgeworfen, er sei zu groß, um diesen Erfolg zu wiederholen.

Die Kritik trifft zu, zielt aber daneben. Der Kaldemorgen-Fonds ist nicht als Schnellboot konzipiert, sondern als Fähre, die Anleger sicher von A nach B bringt. Und dabei leistet Kapitän Kaldemorgen gute Arbeit. Fast regelmäßig schlägt er den MSCI Welt Index. Sein DWS Vermögensbildungsfonds I trägt deshalb die gute €uro-FondsNote 2. Der Templeton Growth Fund ist älter und größer als der „DWS I“. Sir John Templeton gründete ihn bereits im Jahr 1954. Noch heute zehrt der Fonds von dessen Erfolgen. Derzeit trägt er nur die €uro-FondsNote 4, Anleger monieren seit Jahren die magere Wertentwicklung. Cindy Sweeting, 50, kennt diese Kritik, bleibt aber prinzipienfest: „Wir legen an wie im Jahr 1954“, sagt die gebürtige New Yorkerin, die den Fonds seit Anfang 2008 managt – ebenso wie den Templeton Growth (Euro), das nahezu identische Pendant (siehe Interview übernächste Seite).

„Wir meiden populäre Werte, weil sie teuer sind. Stattdessen setzen wir auf unpopuläre, aber preiswerte Titel“, beschreibt Sweeting Templetons Valuestil. „Diese Strategie verlangt Geduld, langfristig wird sie sich aber immer auszahlen“, glaubt die Fondsmanagerin mit Arbeitsplatz in Nassau auf den Bahamas. Während Sweeting ausnahmslos Valueaktien kauft, ist DWS-Mann Kaldemorgen flexibler. „Wir hängen nicht stur einem Stil an“, bekennt er. Meist hält er einen Mix aus defensiven Substanz- und offensiven Wachstumswerten. Weiterer Unterschied: Der DWS-Chef fahndet zunächst nach Trends, ehe er die dazu passenden Aktien kauft. „Derzeit mögen wir die Kernländer Europas sowie die BRIC-Staaten“, erklärt er. „Bei den Sektoren favorisieren wir Energie, Öl, Rohstoffe und Pharma.“

Die Krise des Jahres 2008 hat ihn bestärkt, pragmatisch zu bleiben. „Ein Fondsmanager darf nicht nur Stockpicker sein“, sagt Kaldemorgen. „Falls nötig, muss er die Bargeldquote erhöhen oder Währungen absichern.“ Tatsächlich schwankte seine Bargeldquote über die vergangenen zwölf Monate zwischen fünf und 20 Prozent, ein vergleichsweise hoher Wert, der half, Verluste zu begrenzen. Auch den Dollar sichert er bei US-Aktien oft ab. Bisweilen nimmt er auch Wandelanleihen ins Portfolio. „Man muss die ganze Klaviatur spielen“, resümiert Kaldemorgen.

Lesen Sie, wer die Newcomer sind

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