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15.11.2011 17:18:40 | Euro Archivbericht | Ausgabe 12/11

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Per Mausklick ins Verderben

Jeder dritte Deutsche wird in den nächsten Wochen Weihnachtsgeschenke im Internet kaufen. Das nutzen immer mehr Betrüger aus

Christoph Doll ist nicht der Typ, der sich im Internet abzocken lässt. Zumindest dachte er das lange von sich. Der 25-Jährige surft im weltweiten Netz seit er elf ist – und kauft „so gut wie alles“ online.

So wollte sich der Maschinenbauer vor seinem Urlaub im vergangenen September ein neues Handy zulegen. Er forschte danach im Internet mit der Suchmaschine Google und fand den billigsten Preis für sein Wunschgerät bei mapple-store.de: 408,97 Euro. Das war zwar kein Superschnäppchen, aber immerhin ein paar Euro billiger als die zweitbilligste Offerte. Mapple-store.de wirkte auf Doll „mehr als seriös“: mit deutschem Impressum, Steuernummer und einem Gütesiegel auf der Startseite.

Dann machte er einen teuren Fehler. Doll überwies die 408,97 Euro per Vorkasse, also bevor er das Gerät in den Händen hielt. Als er nach einer Woche und mehreren Nachfragen per E-Mail immer noch kein Handy in der Post hatte, wurde er nervös. Der Onlineshop hatte seine E-Mails ignoriert. Später fand Doll heraus, dass das Gütesiegel nur eine betrügerische Kopie war.

Täglich 200 Opfer

Christoph Doll ist kein Einzelfall. Die Kriminalstatistik für 2010 – jüngere Daten sind noch nicht verfügbar – führt exakt 71 630 Fälle von Warenbetrug im Internet auf, also fast 200 Fälle pro Tag. Die Dunkelziffer ist weitaus höher, da viele Opfer bei kleineren Beträgen keine Anzeige erstatten. Etliche Betrüger haben sich daher auf Beträge im niedrigen zweistelligen Eurobereich spezialisiert.

In den kommenden Wochen haben sie wieder Hochkonjunktur: Mindestens 22 Millionen Deutsche werden Weihnachtsgeschenke im Internet kaufen. So viele waren es schon 2010 und der Trend geht aufwärts. „Die Fälschungen nehmen extrem zu, gerade im Weihnachtsgeschäft“, sagt Thomas Bradler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Denn das betrügerische Geschäft mit gutgläubigen Kunden erfordert kaum Investitionen, lässt sich aus jedem Winkel der Erde steuern und verspricht hohe Gewinne.

Die Polizei ist zunächst meist machtlos. Andreas Mayer von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes rät Betrogenen jedoch, auf jeden Fall zur Polizei zu gehen. „Erst wenn mehrere Anzeigen vorliegen, können wir uns ein Bild von dem Fall machen“, sagt er. Gefährdet sind auch nicht nur -ältere Menschen, die unsicher im Internet herumklicken, sondern auch junge Leute wie Christoph Doll, die sich im Internet zu Hause fühlen.

Wein zum Trost.

Verbraucherschützer warnen vor Vorkasse und Nachnahmelieferungen. Mitunter klingelt der Paketbote, der Kunde zahlt – und packt schlimmstenfalls einen Ziegelstein aus. Manche Betrüger sind gar so zynisch, eine Flasche Wein ins Nachnahmepaket zu legen. Und in manchem Begleitbrief steht, die bestellte Ware würde bald in einem zweiten Paket kommen. Aber denkste!

Auch erfahrene Onlinekäufer sollten misstrauisch bleiben. „Es gibt so gut gefälschte Seiten, dass man Betrug kaum noch erkennen kann“, sagt Verbraucherschützer Bradler. Sein Rat: Finger weg von Markenprodukten, die deutlich unter Marktpreis feilgeboten werden. „Superschnäppchen haben fast immer einen Haken“, weiß er. Oft handele es sich um Restposten, Vorführgeräte oder Billigimitate aus Asien. Immer wieder findet der Zoll containerweise Plagiate. Da ist selbst der Schnäppchenpreis zu teuer. Zumal sich manchmal auch Anwälte der Nobelmarken mit Schadenersatzforderungen melden.

Ein Blick in Bewertungsportale vor dem Kauf kann helfen. Finden sich hier viele kritische Stimmen zu einem Onlineshop, sollte man ihn meiden. Doch die ganze Wahrheit ist auch bei Bewertern wie ciao.de nicht zu finden, etwa weil Negativkritiken von Shopbetreibern gelöscht werden können.

Soundsystems.de zum Beispiel, ein Versender von Karaoke-Anlagen und DJ-Zubehör, hat darin Übung. In den Bewertungsportalen beschweren sich Kunden immer wieder über schlechten Service, monatelange Lieferzeiten und fehlende Kulanz. Allerdings müssen die Bewertungsportale die Löschungen dulden, wenn Beiträge beleidigend oder Behauptungen nicht zu beweisen sind.

Thomas Bradler rät, über die besten und schlechtesten Bewertungen hinwegzulesen. Er kennt aber auch Fälle, bei denen der Verkäufer seinen Kunden ein Lob abpresste, nach dem Motto: Du kriegst dein Geld erst zurück, wenn du uns eine gute Bewertung schreibst. Dabei sind Positivbewertungen und Facebook-Freunde auch viel einfacher zu haben. Geschäftemacher können sie kaufen. Zum Beispiel auf der Website socialsourcer.com: Dort gibt es 100 deutsche Facebook-Freunde für 15 Euro.

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