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15.11.2011 17:18:40 | Euro Archivbericht | Ausgabe 12/11

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Weißes Gold aus Sachsen

Wirklich feine Tische werden seit 300 Jahren mit Meissener Porzellan eingedeckt. Erfunden wurde es, als ein Fürst künstlich Gold produzieren lassen wollte

Eigentlich kann man ihn gut verstehen. Gerade in Zeiten, in denen Gold so hoch gehandelt wird wie nie zuvor. Da hätte man auch gern jemanden in seinem Hofstaat, der das edle Metall auf künstliche Art zu produzieren wüsste. Der sächsische Kurfürst Friedrich August jedenfalls, den man den Starken nannte, setzte große Hoffnung in den Apothekerlehrling Johann Friedrich Böttger. Der hatte ihm bedeutet, dass er mit Alchemie zum Ziel kommen könne, unedle Stoffe in Gold zu verwandeln. Was August nur zu gern glauben wollte. Denn der Landesherr, im Nebenberuf König von Polen, stand – auch -dies nicht nur ein modernes Problem – vor der Notwendigkeit, leere Staatskassen füllen zu müssen.

Wir wissen, wie die Sache ausging. Böttger schuf kein Gold. Aber er erfand das europäische Porzellan. Auch nicht schlecht, dachte sich August, patentierte das bis dahin konkurrenzlose Verfahren und hütete das Geheimnis der Herstellung wie seinen Augapfel. 1710 gründete er die „Königlich-Polnische und Kurfürstlich-Sächsische Porzellan-Manufaktur“ und ließ vor den Toren seiner Residenz, im Schutze der Albrechtsburg in Meißen fertigen: Zunächst Prunkgeschirr und -figuren zum Repräsentieren, bald aber auch Gebrauchsgeschirr. Schon seit 1739 etwa ist das berühmte, bis heute produzierte Zwiebelmuster im Angebot.

Noch immer gilt, jedenfalls landläufig, der Name Meissen geradezu als Synonym für feines Porzellan. Nymphenburger ist zwar auch ganz nett und man tafelt gern mit KPM. Aber wirklich ehrfürchtig macht nur, was an der Elbe im Schatten der Burg gebrannt wurde. Krisensicher ist das weiße Gold aus Meißen deshalb jedoch nicht. Zwar können besonders filigran gefertigte, wohlerhaltene historische Stücke auf Auktionen ordentliche Preise erzielen. Rekord sind bis dato die rund 650 000 Euro, für die 2007 ein grüßender Harlekin aus dem 18. Jahrhundert bei Christie’s in London den Besitzer wechselte (Foto). Aber das Tages-geschäft mit aktueller Produktion wäre nach der Wende um ein Haar eingestellt worden.

Seit 1991 ist der Freistaat Sachsen alleiniger Gesellschafter der „Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen“, die seither zwei Drittel der Belegschaft entlassen musste. Der heutige Chef des Staatsunternehmens hat das Portfolio erweitert: um Schals, Tapeten, Werke von zeitgenössischen Künstlern oder Fliesen für den – zugegebenermaßen gehobenen – Hausgebrauch. Immerhin gehört das mit den gekreuzten blauen Schwertern markierte Sinterzeug – so der Fachbegriff für wasserfeste Keramiken wie Porzellan – zu den weltweit bekanntesten Luxusprodukten „Made in Germany“. Weil eben doch nicht nur Gold ist, was glänzt


Michael Hannwacker

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