"Börsensteuer ist sinnvoll"
DIW-Chef Gert G. Wagner unterstützt die Pläne von EU-Kommissionspräsident Barroso zur Einführung einer EU-weiten Wertpapiertranksaktionsteuer. "Angesichts der riesigen Probleme, die Spekulationen,Gewinnabschöpfungs-Gechäfte und die von Computersystemen ausgelösten Verkaufswellen inzwischen verursachen, lohnt es sich, eine Transaktionsteuer einmal auszuprobieren" schreibt Wagner in einem Kommentar für das Wirtschaftsmagazin €uro Oktober-Ausgabe, die am 21. September erscheint. "Warum soll nicht auch die Staatengemeinschaft einmal spekulieren?”, fragt der DIW-Chef provokativ.
Nach Wagners Einschätzung ist es vorstellbar, dass die Abgabe für die gesamte EU wirken könnte. Würde sie nur in der Eurozone – ohne den Finanzplatz London – erhoben, käme es wahrscheinlich zu Verlagerungen der Börsengeschäfte – weg vom Kontinent, hin zur britischen Insel. "Die Verlagerung könnte man aber verhindern, indem zum Beispiel die Besteuerung der Börsentransaktion an den Hauptwohnsitz des Wertpapierkäufers gebunden wäre", erklärte Wagner gegenüber €uro.
Schwieriger sei die Beurteilung der Transaktionsteuer bei Riester-Fondssparplänen. Rund 2,8 Millionen Deutsche haben diese Variante der privaten Altersvorsorge abgeschlossen. Die Fonds verwalten derzeit rund 7,6 Milliarden Euro. Diese Riester-Verträge würden durch die angestrebte Besteuerung teurer werden, da Investmentfonds mit den Beiträgen der Anleger kontinuierlich neue Anteile kaufen und ihre Portfolios ständig optimieren. "Eine geringere Umschichtungsfrequenz wäre allerdings bei vielen aktiv gemanagten Portfolios durchaus im Sinne der Verbraucher",sagte DIW-Chef Wager gegenüber €uro.