Fraport-Chef Schulte fordert Moratorium bei Emissionshandel für Flugverkehr / „Der CO2-Handel ist für uns ein Wettbewerbsproblem“ / Schulte fürchtet Verschiebung von Verkehrsströmen zu Luftverkehrsdrehkreuzen im Mittleren Osten
Der Vorstandsvorsitzende des MDAX-Konzerns Fraport AG, Stefan Schulte, fordert „eine Aussetzung“ des EU-Emissionshandels, der ab 2012 auch für den Luftverkehr gelten soll. „Der CO2-Handel ist für uns
ein Wettbewerbsproblem“, sagte Schulte dem Wirtschaftsmagazin Euro, das am 21. September erscheint.
Ab 2012 soll der Luftverkehr in den Emissionshandel der europäischen Union einbezogen werden. Dann müssen Fluggesellschaften, die von und nach Europa fliegen, für die durch ihre Flugzeuge verursachte
Luftverschmutzung Emissionsrechte kaufen. Auf die Airlines kommen dadurch erhebliche Zusatzkosten zu.
Die Mehrkosten für Flughafenbetreiber wie Fraport dagegen halten sich in Grenzen, da Flughäfen selbst deutlich weniger CO2 emittieren als Flugzeuge. Dennoch sieht Schulte massive Wettbewerbsnachteile für
sein Unternehmen. Er befürchtet, dass sich Flugrouten nach und nach „an Europa vorbei, zum Beispiel von Nordamerika über Drehkreuze im Mittleren Osten nach China“ verschieben. Denn der Frankfurter
Flughafen, der Ende Oktober seine neue Landebahn in Betrieb nimmt, steht als Drehscheibe für Passagiere und Fracht im Wettbewerb mit internationalen Hubs wie Dubai, wo die Kapazitäten derzeit stark ausgebaut werden. Durch den von Schulte beschriebenen Umweg, würde der Emissionshandel, der Anreize für weniger Luftverschmutzung setzen soll, ad absurdum geführt, denn „die Routen an Europa vorbei sind länger“, erläutert er.
Ohnehin hält Schulte den Emissionshandel für ein falsches Instrument um die Emissionen der Branche einzudämmen: Fluggesellschaften hätten von sich aus „einen hohen Anreiz, den Kerosinverbrauch und damit den CO2-Ausstoss zu senken, weil Treibstoff über 30 Prozent ihrer Kosten ausmacht“. Hinzu kommt, dass Länder wie China dagegen klagen, dass ihre Fluggesellschaften in den Emissionshandel einbezogen werden. Die USA wollen ihren Airlines sogar per Gesetz verbieten, daran teilzunehmen.