Deutliches Plus an deutschen Parketts -- Berlin: Milliardenschweres Bankenrettungspakt -- Euro-Gipfel beschließt Schutzschirm für Bankensystem -- Erholung in Asien -- Regierung steigt bei Banken ein

Heute anstehende Termine:
- Japan: Tokyo Stock Exchange geschlossen
- Philips Electronics: Quartalszahlen

Nach den Panikverkäufen vom Freitag kann der Kursrutsch an den deutschen Börsen zu Wochenbeginn gestoppt werden. Die Indizes starten mit deutlichen Aufschlägen in den Wochenhandel. Die angekündigten globalen Maßnahmen zur Bankenrettung, insbesondere aber das rund 400 Milliarden Euro schwere Bankenrettungspaket der deutschen Regierung sorgt wieder für Zuversicht an den Parketts. Im Anlegerfokus steht Infineon, nachdem der geplante Verkauf der defizitären Tochter Qimonda immer schwieriger wird und die Tochter ein umfassendes Restrukturierungsprogramm angekündigt hat. Erfolgreich getrennt hat sich unterdessen die TUI von ihrem Reedereigeschäft. Hapag Lloyd geht zu zwei Dritteln an ein Hamburger Konsortium.
Der DAX steigt mit einem deutlichen Aufschlag von knapp sechs Prozent Prozent in den Handel ein und springt damit wieder über die Marke von 4.800 Punkten.
Auch im Technologiewerteindex schöpfen die Anleger wieder Zuversicht. Der TecDAX kann zum Handelsstart ebenfalls deutlich zulegen.

Die Münchener TV-Sendergruppe ProSiebenSat.1 Media hat ihre Präsenz im Internet verstärkt. Der Konzern hat 67,6 Prozent an der Online-Nachrichtenplattform Webnews.de übernommen. Darüber hinaus sicherte sich das Unternehmen die Option auf die restlichen Anteile, um zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise eine Komplettübernahme in die Wege zu leiten. Von Seiten der Wettbewerbshüter ist die Transaktion bereits genehmigt. Finanzielle Details wurden nicht bekannt.

Die britische Regierung wird neben ihrem Anteilskauf an der Royal Bank of Scotland (RBS) zwei weitere Insitute teilverstaatlichen. Der frisch fusionierte Bankenkonzern HBOS und Lloyds TSB wäre dann zu 43,5 Prozent in staatlicher Hand, wenn sich keine Anteilseigner finden, die sich an den geplanten Kapitalerhöhungen beteiligen. Dies erklärte die britische Regierung am Montag. Die beiden Banken bezifferten ihren Kapitalbedarf auf 17 Milliarden Britische Pfund.

Die britische Regierung steigt bei einer britischen Großbank ein. So wird das britische Finanzministerium für insgesamt 15 Milliarden Britische Pfund (GBP) Stammaktien der Royal Bank of Scotland (RBS) zu einem Preis von 65,5 Pence je Anteilsschein zeichnen. Zusätzlich verpflichtete sich die Regierung zur Zeichnung von Vorzugsaktien der Bank im Gesamtwert von fünf Milliarden GBP. Die Krise bei der RBS hat personelle Konsequenzen: Die Führungsebene nimmt ihren Hut. Konzernchef Fred Goodwin wird mit sofortiger Wirkung durch Stephen Hester, derzet CEO bei British Land Company ersetzt.

Sondereffekten hat es der niederländische Elektronikkonzern Philips Electronics zu verdanken, dass der Gewinn im dritten Quartal gesteigert werden konnte. Durch einen Einmalertrag aus dem Verkauf von TSMC-Aktien verdiente der Konzern unter dem Strich 357 Millionen Euro nach 331 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis je Aktie stieg von 30 auf 37 Cents. Die Erlöse waren indes rückläufig und sanken um zwei Prozent auf 6,33 Milliarden Euro.

Presseangaben zufolge zieht der US-Autobauer Ford in Betracht, sich von seinen verbliebenen Anteilen am japanischen Konkurrenten Mazda zu trennen. Das berichtet das "Wall Street Journal Europe" unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Bislang hält Ford 33,4 am japanischen Automobilkonzern.

Für Aktionäre des Motorenbauers DEUTZ stehen erneut Hiobsbotschaften an. Der Konzern wird seine bereits nach unten korrigierten Ergebnisziele nicht einhalten können und hat erneut eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Die anhaltende Marktschwäche in den USA und Europa sowie abkühlende Märkte in China lassen den Konzern nun im Gesamtjahr lediglich auf ein Umsatzplus von bis zu zwei Prozent hoffen, nachdem bislang noch fünf Prozent erwartet worden waren. Bei der Umsatzrendite erwartet das Unternehmen ebenfalls einen Wert von zwei Prozent, nachdem bislang noch sechs Prozent in Aussicht gestellt worden waren.

Die Europäische Gemeinschaftswährung Euro profitiert zum Wochenstart von den geplanten europäischen Bankenrettungsmaßnahmen und gewinnt zum Dollar wieder an Boden zurück. Die Kursverluste des Euro in den vergangenen Wochen hätten gezeigt, dass der Euro ein Krisenverlierer zum Dollar sei, schreibt die Landesbank Hessen-Thüringen in einer Tagesvorschau. Auf eine nachhaltige Trendwende zu setzten erscheine aber noch zu früh. Nur eine nachhaltige Beruhigung der Finanzmärkte dürfte den Euro beflügeln.

Die globalen Rettungsmaßnahmen für die Bankenbranche und die beschlossenen Schritte der G7-Finanzminister sowie der 15 Euro-Länder verhelfen den Märkten in Asien am Montag zu leichter Erholung.
In Japan bleibt die Börse heute feiertagsbedingt geschlossen. Der Nikkei225 rutschte am Freitag um 9,62 Prozent ab und steht unverändert bei 8.276,43 Punkten.
In Südkorea sind die Anleger indes wieder zuversichtlicher. Der KOSPI verbucht aktuell Zugewinne.
Ein kleines Kursfeuerwerk startet zunächst die Börse in Hongkong. Zwar schmelzen die Gewinne aktuell, der Hang Seng hält sich aber weiter in der Gewinnzone.
Auf dem chinesischen Festland überwiegt indes weiter die Skepsis. Der Shanghai Composite büßt erneut Zähler ein.

Auch die deutsche Regierung reagiert auf die Folgen der Finanzkrise mit einem milliardenschweren Rettungsplan, mit dem insbesondere angeschlagenen Finanzhäusern unter die Arme gegriffen werden soll. Wie Unionsfraktionschef Volker Kauder am Abend Presseangaben zufolge erklärte, sehe das Paket unter anderem Bürgschaften in der Größenordnung von bis zu 250 Milliarden Euro vor. Zudem seien direkte Finanzspritzen geplant. Dies soll den Interbankenhandel wieder belegen, die Eigenkapitalbasis der Institute soll gestärkt werden. Auch eine Änderung des Aktiengesetzes sowie des Vergütungssystems in den Führungsetagen sei vorgesehen. Die Maßnahmen sollen bis Ende 2009 laufen, so Kauder weiter. Das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts gab Finanzminister Steinbrück unterdessen vorerst auf.

Der Ölpreis kann sich zu Beginn der neuen Handelswoche etwas von seinen Verlusten erholen, nachdem er am Freitag aufgrund gestiegener Rezessionsängste auf ein neues Jahrestief abgerutscht war. Die globalen Rettungsmaßnahmen bringen wieder etwas Zuversicht an den Markt, die Sorge um eine sinkende Nachfrage flaut ein wenig ab.

Der Speicherchiphersteller Qimonda reagiert mit einem umfassenden Restrukturierungsprogramm auf den Preisverfall bei Speicherchips am Markt. So ist ein Abbau von rund einem Fünftel aller Stellen im Konzern geplant. Dies betreffe den Angaben zufolge rund 3.000 Mitarbeiter, hieß es von Konzernseite. Darüber hinaus will die Infineon-Tochter aus der 200mm-Fertigung an aussteigen und das Werk in Richmond schließen. Am Standort Dresden soll indes die "Backend"-Fertigung für Komponenten und Module Ende März eingestellt werden. Zuvor hatte Qimonda seine 35,6-prozentige Beteiligung am taiwanischen Chiphersteller Inotera an den US-Konkurrenten Micron Technologies verkauft. Der Kaufpreis soll 400 Millionen US-Dollar in bar in zwei Raten betragen, so die Konzernmutter Infineon am Morgen.

Der US-Finanzkonzern Wells Fargo darf die angeschlagene Bank Wachovia übernehmen. Die US-Notenbank Fed hat die Pläne für einen Zusammenschluss durchgewunken. Zuvor war um das Institut ein Übernahmekampf entbrannt, da auch die Citigroup Teile der Bank kaufen wollte und zu diesem Zweck bereits ein Abkommen mit Wachovia getroffen hatte. Die Citigroup hatte Wells Fargo jedoch zum Ende letzter Woche das Feld überlassen.
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