INHABERSCHULDVERSCHREIBUNGEN

 
 

Was sind Inhaberschuldverschreibungen?

 

Inhaberschuldverschreibungen – abgekürzt IHS – sind Gläubigerpapiere und somit Anleihen, die sehr häufig von Kreditinstituten (Emittenten) als Wertpapiere ausgegeben (emittiert) werden und bestimmte Rechte für die Käufer der Inhaberschuldverschreibung verbriefen. Die rechtlichen Grundlagen zu Inhaberschuldverschreibungen lassen sich im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) in den Paragraphen 793 ff. finden. Ansonsten können die Emittenten die Anleihekonditionen auf vielfältige Art und Weise gestalten.

Da eine Inhaberschuldverschreibung im Gegensatz zu einer Namensschuldverschreibung nicht auf einen bestimmten Namen lautet, kann der bloße Inhaber der Schuldverschreibung die verbrieften Rechte gegenüber dem Emittenten geltend machen. Hierzu zählen insbesondere das Recht auf Verzinsung sowie das Recht auf Rückzahlung des Nennbetrags der Inhaberschuldverschreibung. Daneben können Inhaberschuldverschreibungen aufgrund der einfachen Übertragbarkeit durch Einigung und Übergabe, beispielshalber leicht an Börsen gehandelt werden. Wichtig an dieser Stelle ist noch, dass Inhaberschuldverschreibungen keine unternehmerische Beteiligung darstellen. Als Anleihegläubiger ist der Anleger lediglich wie ein Kreditgeber zu sehen.

Von Inhaberschuldverschreibungen ist seit vielen Jahren auch im Zusammenhang mit Zertifikaten immer wieder die Rede. Ob Index-, Discount-, Bonus-, Turbo- oder sonst ein Zertifikat, rein rechtlich gesehen stellen von Banken emittierte Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen dar. Daher trägt der Zertifikateanleger das Emittentenrisiko und hat im Falle einer Insolvenz des Emittenten womöglich den Totalverlust seines Kapitals zu befürchten.
 

Wer gibt Inhaberschuldverschreibungen heraus?

 
Für gewöhnlich werden Inhaberschuldverschreibungen von Kreditinstituten ausgegeben. Den Kreditinstituten dienen die Einnahmen aus dem Verkauf der Inhaberschuldverschreibung als Finanzierungsquelle, um mit dem eingenommenen Geld beispielsweise Kredite an Privat- oder Firmenkunden ausgeben zu können oder sonstige renditeträchtige Investitionen auf der Aktivseite der Bilanz vorzunehmen. Den Käufern der Inhaberschuldverschreibung dienen die Gläubigerpapiere als Anlage mit einer bestimmten in den Anleihebedingungen festgesetzten Verzinsung. Neben Kreditinstituten werden Inhaberschuldverschreibungen auch von Stadtwerken, Wohnungsgenossenschaften oder sonstigen Unternehmen herausgegeben, um den Kapitalbedarf für Finanzierungsvorhaben zu decken.
 
 

Wie funktionieren Inhaberschuldverschreibungen?

 
Die Funktionsweise von Inhaberschuldverschreibungen ist vergleichbar mit der von typischen Anleihen. Als Wertpapier werden in den Anleihebedingungen beispielsweise der Gesamtnennbetrag und die Währung, die Stückelung, der Nominalzinssatz, der Zinszahlungszeitpunkt, die Laufzeit und ggf. die Kündigungsmöglichkeit festgelegt. Hierbei ist unter dem Gesamtnennbetrag der Geldbetrag in der jeweiligen Währung zu verstehen, der insgesamt durch die Ausgabe der Inhaberschuldverschreibung vom Emittenten eingenommen wird. Die Stückelung sagt etwas darüber aus, welcher Betrag mindestens für den Kauf einer Inhaberschuldverschreibung nominal aufgebracht werden muss. Beim Nominalzinssatz geht es um den häufig jährlich auf den Nennwert der Inhaberschuldverschreibung zu zahlenden Zins. Der Zinszahlungszeitpunkt legt den konkreten Tag der Zinszahlung fest. Die Laufzeit gibt an, wann der Nennwert der Inhaberschuldverschreibung vom Emittenten zurückgezahlt wird. Mit Kündigungsmöglichkeit ist die Möglichkeit des Emittenten gemeint, vor Laufzeitende die Inhaberschuldverschreibung zu kündigen und den Nennwert vor Ablauf der Laufzeit zurückzuzahlen.
 
Quelle: DDV
 

Beispiel für die Ausstattung einer IHS

 
Emittent: XY-Bank
Emissionszeitpunkt: 1. Juli 2017
Gesamtnennbetrag IHS: 100 Mio. Euro
Stückelung: 1.000 Euro
Nominalzins (Kupon): 2% p.a. (d.h. 2 Prozent p.a. auf den Nennwert), einmal jährlich
Zinszahlungszeitpunkt: 1. Juli
Zinsrechnung: deutsche Methode (30/360)
Laufzeit: 1. Juli 2027 (10 Jahre)
Rückzahlungskurs: 100 Prozent
Kündigungsmöglichkeit: keine
Börseneinführung: Ja
 

Wie kann man Inhaberschuldverschreibungen handeln?

 

Beim Kauf von Inhaberschuldverschreibungen müssen Anleger beachten, dass ggf. Stückzinsen anfallen. Darunter ist zu verstehen, dass der Anleihekäufer dem Verkäufer der Anleihe die bis zum Verkaufszeitpunkt aufgelaufenen Zinsen bezahlen muss, da der Anleihekäufer als neuer Anleihebesitzer am Zinstermin ja die fälligen Zinsen vom Emittenten erhält. Im oben aufgeführten Beispiel müsste somit ein Anleihekäufer beispielsweise Ende Dezember rund die Hälfte der Zinsen an den Anleiheverkäufer als Stückzinsen überweisen. Bei einem angenommenen Investitionsvolumen von 10.000 Euro nominal wären das somit ca. 100 Euro. Dafür erhält der Käufer ein halbes Jahr später die volle Zinszahlung des Emittenten in Höhe von 2 Prozent bezogen auf 10.000 Euro Nennwert – demnach 200 Euro.

Daneben werden Anleihen – die an der Börse zum Handel eingeführt wurden – in Prozent gehandelt und können somit auch mal mehr oder mal weniger als den Nennwert kosten. Notiert beispielsweise eine Anleihe aufgrund eines Renditeniveauabfalls (Renditeniveauanstiegs) bei 110 Prozent (90 Prozent), so müssen für 1.000 Euro Nennwert 1.100 Euro (900 Euro) für die Anleihe gezahlt werden. Am Ende der Laufzeit gibt es 1.000 Euro vom Emittenten zurück, insofern der Emittent zur Rückzahlung in der Lage ist.
 

Die Risiken von Inhaberschuldverschreibungen für Anleger

 

An zuletzt beschriebener Stelle tritt sogleich ein erstes Risiko bei einem Investment in Inhaberschuldverschreibungen zutage – das Emittentenrisiko. Darunter ist zu verstehen, dass Anleger im Fall der Insolvenz einen Teil oder ihr gesamtes Kapital nicht mehr wiedersehen könnten. Insbesondere bei nachrangigen Inhaberschuldverschreibungen dürfte der Totalverlust im Insolvenzfall wohl eher die Regel darstellen, da hier die Ansprüche des Anleihegläubigers erst nach Befriedigung der nicht nachrangigen Gläubiger Beachtung finden. Bei einer Anlage in Inhaberschuldverschreibungen sollte somit ein Auge auf die Geschäfts- und Finanzsituation des Emittenten gerichtet werden – besser vielleicht sogar zwei Augen.

Neben dem Emittentenrisiko sind Anleihegläubiger auch dem Marktpreis- bzw. Kursänderungsrisiko ausgesetzt. Hierbei kann es in der Regel zu einem Kursabfall der Anleihe kommen, wenn das allgemeine Zinsniveau steigt. Auch Herabstufungen beim Rating oder Gerüchte über Zahlungsprobleme beim Emittenten können die Rendite hochschnellen und den Kurs der Anleihe purzeln lassen. Anleger, die in der Zeit eines Kursverfalls an ihr Geld wollen und nicht bis zum Rückzahlungstermin warten können oder wollen, müssten somit ggf. mit Kursverlusten rechnen.

Ein nächstes Risiko für Anleger kann das Liquiditätsrisiko sein. Dieses könnte sich einerseits daraus ergeben, dass für nicht börsennotierte Anleihen nur schwer Käufer gefunden werden können, wenn der Anleihebesitzer seine Anleihe zu Geld machen möchte. Andererseits könnte es auch bei börsennotierten Anleihen zu Problemen bei der Veräußerung kommen. Dies wäre möglich, wenn es kaum Börsenumsätze beim Handel mit der Anleihe gibt. Existieren keine Käufer am Markt, so wird es nicht leicht, seine Anleihe verkauft zu bekommen.

Insbesondere bei festverzinslichen Anleihen mit längerer Laufzeit existiert noch das Inflationsrisiko. Sollte die Inflation stark ansteigen, so könnte die reale Rendite leiden oder sogar negativ werden. Hätte ein Anleger eine 10-jährige Anleihe für nominal 1.000 Euro zu 100 Prozent Kurswert mit einem festen Zins von 2 Prozent erworben und die Inflationsrate beträgt nun längerfristig 4 Prozent, so würde die reale Rendite mit -2 Prozent negativ werden. Ferner würde es aufgrund der angezogenen Teuerung tendenziell auch zu einem Anstieg des Marktzinsniveaus kommen, wodurch somit auch der Kurs der Anleihe purzeln sollte. Ein Anstieg der Inflation ist somit pures Gift für jeden Anleger, der Anleihen mit längerfristiger Laufzeit und fester Verzinsung hält. Bei variabel verzinsten Anleihen ist das Inflationsrisiko eher weniger problematisch, da hier die Zinssätze regelmäßig angepasst werden. Bei einer anziehenden Inflation sollte für gewöhnlich auch der Zins tendenziell mitansteigen.

Im Falle einer Anleihemission in Fremdwährung, trägt der Anleger natürlich auch das Wechselkursrisiko. Somit können sowohl die Zinszahlungen als auch der Rückzahlungsbetrag am Laufzeitende deutlich von dem erhofften Betrag in Euro abweichen. Bei einem Euro/US-Dollar-Wechselkurs von 1 und einer Investition von beispielsweise 10.000 Euro in festverzinslichen US-Dollar-Anleihen mit einjähriger Restlaufzeit bei einem Anleihekurs von 100 Prozent, die mit 3 Prozent jährlich verzinst sind, würde der Anleger am Fälligkeits- und Zinszahlungstag bei einer Abwertung des US-Dollars und einem neuen Wechselkurs von 1,20 US-Dollar für 1 Euro nach einem Jahr der Anlage lediglich 8.333,33 Euro nominal sowie 250 Euro Zinsen erhalten. Kein gutes Investment wegen der Dollarschwäche. Hätte der US-Dollar hingegen aufwerten können, so wäre ein Wechselkursgewinn möglich gewesen. Bei einer Investition in Gläubigerpapiere in Fremdwährung ist somit auch die zukünftige Entwicklung des Wechselkurses von enormer Wichtigkeit.

Ein letztes hier erläutertes Risiko für Anleger stellt das Kündigungs- und daraus resultierende Wiederanlagerisiko dar. Ist in den Anleihebedingungen ein Schuldnerkündigungsrecht vereinbart und nimmt der Emittent sein Recht auf vorzeitige Rückzahlung des Nennbetrags in Anspruch, so erhält der Anleger bereits vor dem Laufzeitende sein eingesetztes Kapital zurück. Dadurch geht dem Anleger womöglich Rendite verloren, da mit einer Kündigung durch den Emittenten wohl eher dann gerechnet werden kann, wenn das Marktzinsniveau gefallen und sich der Emittent durch Ausgabe neuer Anleihen günstiger Kapital beschaffen kann. Ist das Marktzinsniveau jedoch gefallen, so kann der ausbezahlte Anleger bei gleichem Risiko wie zuvor jedoch nur noch niedriger rentierende Anlagen am Markt für die Wiederanlage finden.
 

Die Chancen von Inhaberschuldverschreibungen

 

Ein großer Vorteil von Inhaberschuldverschreibungen ist die einfache Übertragbarkeit durch Einigung und Übergabe. Letztlich entscheidet der bloße Besitz der Inhaberschuldverschreibung, wer in den Genuss der Rechte (z.B. Verzinsung) kommt. Daneben weisen viele Inhaberschuldverschreibungen eine attraktive Verzinsung auf und werden oft von Emittenten ausgegeben, die ein hohes Maß an Sicherheit versprechen, so z.B. von Sparkassen. Sparkassen-Inhaberschuldverschreibungen gelten auch als mündelsichere Papiere und sind somit äußerst sicher, da die Zinsen und Kapitalrückzahlung am Laufzeitende durch die Institutssicherung des regionalen Stützungsfonds und den Haftungsverbund der deutschen Sparkassen-Finanzgruppe abgesichert sind.

Der Anleger hat bei Inhaberschuldverschreibungen auch die Wahl zwischen fester und variabler Verzinsung. Bei festen Zinsen ist eine fest kalkulierbare Rendite erzielbar sowie Kursgewinne, insofern das Marktzinsniveau fällt. Bei variabler Verzinsung können steigende Zinsen den Ertrag des Anlegers erhöhen.

Sollte die Inhaberschuldverschreibung an der Börse notieren, so können die Anleger börsentäglich und bei ausreichend Volumen ihre Papiere zu Geld machen. Hierdurch weisen börsengehandelte Inhaberschuldverschreibungen einen liquiden Charakter auf.
 

Inhaberschuldverschreibungen in Kürze

 
Eine Investition in Inhaberschuldverschreibungen ist eine Möglichkeit für potenzielle Anleger, um längerfristig rentable Anlagen am Rentenmarkt zu tätigen. Dabei haben Anleger die Wahl zwischen variabel oder fest verzinslichen Anleihen und erhalten abhängig vom Marktzinsniveau und der Bonität des Emittenten einen variablen oder festen Zins in unterschiedlicher Höhe. Die Gläubigerpapiere von guten und soliden Schuldnern bieten normalerweise mehr Sicherheit aber im Gegensatz zu weniger guten Schuldnern eben weniger Rendite. Jedem Anleger in Inhaberschuldverschreibungen muss klar sein, dass mehr Rendite zumeist auch mit einem höheren Risiko verbunden sein kann. Bei einem Markzinsniveau von 0,5 Prozent für 10-jährige Staatsanleihen von Emittentenseite eine Rendite von beispielsweise 7,5 Prozent zu offerieren kann darauf hindeuten, dass der Emittent es aufgrund seiner Bonität nicht fertigbringt, sich am Markt für 0,5 Prozent plus etwas zu refinanzieren, sondern so viel Zins zahlen muss, um überhaupt Geld zu erhalten. Die Wahrscheinlichkeit für einen möglichen Ausfall des Emittenten – das heißt keine oder nur teilweise Zahlung von Zins und Tilgung leisten zu können – spiegelt sich ebenfalls in den Ratings der Schuldner wider. Die Finanzindustrie sowie die großen Ratingagenturen haben ihre ganz eigenen Statistiken zu dem Thema Ausfallwahrscheinlichkeit erstellt, wobei gilt: Umso schlechter das Rating, umso eher wahrscheinlich ist ein zukünftiger Ausfall.
 

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