KAPITALSCHUTZ-ZERTIFIKATE

 
 

Was sind Kapitalschutz-Zertifikate?

 
Kapitalschutz-Zertifikate weisen von allen Zertifikategattungen das höchste Marktvolumen auf und wurden von den Financial Engineering-Abteilungen der Banken auf den großen Kundenwunsch hin nach attraktiver Rendite bei hoher Sicherheit kreiert. Eine Reihe an Anlegern würde beispielsweise gern am Aktienmarkt partizipieren wollen, scheut jedoch das Risiko vor einem Verlust. Mithilfe von Kapitalschutz-Zertifikaten können Anleger an den internationalen Kapitalmärkten auf die Wertentwicklung verschiedenster Underlyings setzen, ohne dabei allzu große Risiken eingehen zu müssen. Hierfür bieten die Emittenten unterschiedliche Ausstattungen bei den Kapitalschutz-Zertifikaten an, die Anleger vor einer Investition aufmerksam studieren sollten.
 

Wer gibt Kapitalschutz-Zertifikate heraus?

 
Kapitalschutz-Zertifikate werden von großen Banken herausgegeben. Rein rechtlich verbirgt sich hinter dem Kapitalschutz-Zertifikat eine Inhaberschuldverschreibung und für die Konstruktion erwirbt der Emittent eine Nullkuponanleihe sowie eine Call-Option auf einen Basiswert. Üblicherweise werden Kapitalschutz-Zertifikate auf einen bestimmten Basiswert (z.B. Aktienindex, eine Einzelaktie, einen Rohstoff etc.) herausgegeben und mit einem Emissionspreis, ggf. einem Ausgabeaufschlag/Aufgeld und einem konkreten Fälligkeitsdatum versehen. Daneben sind die Kapitalschutz-Zertifikate je nach Ausstattung mit einer Partizipationsrate sowie mit oder ohne Cap versehen.
 
 

Wie funktionieren Kapitalschutz-Zertifikate?

 

Die Funktionsweise von Kapitalschutz-Zertifikaten hängt maßgeblich an der individuellen Ausgestaltung des jeweiligen Zertifikats. Bei einem typischen Kapitalschutz-Zertifikat mit hundertprozentiger Sicherheit des eingesetzten Geldes können Anleger beispielshalber an der Wertentwicklung eines Aktienindex partizipieren, erhalten im Falle eines Verlustes jedoch am Laufzeitende des Zertifikats ihr eingezahltes Geld zurück. Diese Sicherheit kostet jedoch Rendite. Der Anleger partizipiert nicht im vollen Umfang an der Entwicklung des Aktienindex – sondern nur in Höhe eines bestimmten Prozentsatzes. Beträgt die Partizipationsrate z.B. nur 50 Prozent, so würde ein Anleger bei einem 25prozentigen Anstieg des Index bis zum Laufzeitende nur mit 12,5 Prozent am Anstieg teilhaben. Fällt der Index jedoch bis zum Ende der Laufzeit, so erhält der Anleger sein eingesetztes Kapital voll zurück (Kapitalschutz) und erleidet vor ggf. anfallenden Kosten (z.B. Aufgeld oder Ausgabeaufschlag, Zeichnungs-, Bank- oder Börsengebühren) keinen Verlust. Anleger sollten bei derartigen Zertifikaten auch beachten, dass es die Geld-zurück-Garantie auch nur am Ende der Laufzeit gibt. Zwischenzeitlich können Kapitalschutz-Zertifikate erheblich im Wert schwanken. Möchte ein Anleger sein Zertifikat somit vor dem Fälligkeitstermin veräußern, so könnten Verluste drohen – Kapitalschutz adé.

Eine andere Variante eines Kapitalschutz-Zertifikates wäre die nur teilweise Geld-zurück-Garantie. Hierbei sind die Zertifikate nicht mit einem hundertprozentigen Kapitalschutz ausgestattet, sondern beispielsweise nur mit 80 Prozent. Andere Kapitalschutz-Zertifikate bieten zwar wieder eine hundertprozentige Rückzahlung am Laufzeitende, sind jedoch vielleicht mit einem Cap ausgestattet, der den Maximalgewinn festlegt. Steigt z.B. eine Aktie von 100 auf 180 Euro, der Cap liegt jedoch bei 140 Euro, dann partizipiert der Anleger mit einem Kapitalschutz-Zertifikat mit diesem Cap anstatt bis 180 eben nur bis 140 Euro mit.

Rein technisch werden Kapitalschutz-Zertifikate über den Kauf einer Nullkuponanleihe und einen Call auf den Basiswert konstruiert. Das eingenommene Geld aus der Emission des Kapitalschutz-Zertifikates investiert der Emittent in eine Nullkuponanleihe, die den garantierten Rückzahlungsbetrag für das Laufzeitende absichern soll und mithilfe des Calls wird die Partizipation an der positiven Wertentwicklung des Basiswertes gewährleistet. Sollte sich der Basiswert nicht positiv entwickeln, so würde der Call am Ende verfallen und es bliebe der Betrag aus der Nullkuponanleihe, der dann zur Rückzahlung verwendet wird. Beispielsweise wird ein vom Kunden durch die Emission des Zertifikates eingenommener Betrag von 1.000 Euro zu 90 Prozent in eine bei einem Kurs von 90 Prozent notierende Nullkuponanleihe und zu 10 Prozent in einen Call investiert. Verfällt der Call am Laufzeitende, so bleiben dennoch 1.000 Euro aus der Nullkuponanleihe, da diese als abgezinstes Papier einst für 900 Euro erworben wurde und am Laufzeitende zu 1.000 zurückgezahlt wird. Das nachfolgende Beispiel soll die Funktionsweise eines typischen Kapitalschutz-Zertifikates nochmals deutlicher erläutern.

Angenommen ein Emittent gibt ein Kapitalschutz-Zertifikat auf den DAX heraus. Der Partizipationsfaktor beträgt 0,7. Die Emission erfolgt bei einem DAX-Stand von 11.000 Punkten und der Emissionskurs des Zertifikats beträgt 103 Euro, wobei hierin neben 100 Euro Nominalbetrag noch 3 Euro Aufgeld enthalten sind. Ein Anleger zeichnet das Zertifikat und zahlt 103 Euro. Im ersten Szenario steigt der DAX bis zum Laufzeitende des Zertifikats auf 15.000 Punkte, was einen Anstieg um 36,36 Prozent entspräche. Durch den Partizipationsfaktor in Höhe von 0,7 würde das Zertifikat dann einen Wert von 125,45 Euro [(100 Euro Nominalwert) + (prozentualer Indexanstieg x Partizipationsfaktor von 0,7)] aufweisen. Der Anleger hätte dadurch sein Aufgeld verdient und einen guten Gewinn gemacht. Wäre der Index in einem zweiten Szenario hingegen um 50 Prozent gefallen, so hätte das Zertifikat am Laufzeitende einen Wert von 100 Euro. Der Anleger verliert somit nur das bezahlte Aufgeld von 3 Euro pro Zertifikat.
 
Quelle: DDV
 

Die Vorteile von Kapitalschutz-Zertifikaten für Anleger

 
Der große Vorteil eines Kapitalschutz-Zertifikates ist die mögliche Partizipation des Anlegers am Kapitalmarkt bei niedrigem oder gar keinem Kapitalrisiko (zumindest vor Kosten), insofern auch eine mögliche Insolvenz des Emittenten ausgeschlossen ist. Ferner bieten Kapitalschutz-Zertifikate auch unter Liquiditätsgesichtspunkten einen Vorteil, da sie börsentäglich handelbar sind.
 

Die Nachteile von Kapitalschutz-Zertifikaten für Anleger

 

Als Nachteil lassen sich niedrige Partizipationsraten oder Maximalertragschancen (Caps) finden sowie die spezielle Ausgestaltung, dass klassische Kapitalschutz-Zertifikate nur zum Laufzeitende den versprochenen Schutz bieten. Daneben sind Kapitalschutz-Zertifikate in der Regel mit einem Aufgeld oder Ausgabeaufschlag versehen, welches erst einmal wieder verdient werden müsste. Ferner existiert ein Emittentenrisiko. Sollte der Emittent insolvent gehen, würde wohl auch das Geld des Anlegers weg sein. Daher sollten Anleger auf die Bonität des Zertifikateherausgebers achten, insbesondere wenn das Geld längerfristig investiert wird.

Nochmal: Im Falle der Insolvenz des Emittenten gibt es keinen Kapitalschutz. Das investierte Geld ist in der Regel futsch. Ferner besteht ein Inflationsrisiko. Hierunter ist zu verstehen, dass der Rückzahlungsbetrag am Ende der Laufzeit aufgrund der Teuerung real weniger Wert sein kann, als der einstige Anlagebetrag. Das Risiko der Inflation ist insbesondere bei langen Laufzeiten zu beachten.
 

Wie und wo können Kapitalschutz-Zertifikate gehandelt werden?

 
Für Anleger mit Interesse an Kapitalschutz-Zertifikaten kann der börsliche oder außerbörsliche Handel gewählt werden, um solche Zertifikate zu erwerben oder zu veräußern. Beim Börsenhandel fallen neben den zu zahlenden Bankgebühren auch Börsengebühren an. Insbesondere bei den Bankgebühren kann gespart werden, wenn der Handel über eine günstige Direktbank abgewickelt wird. Im außerbörslichen Handel fallen die Börsengebühren hingen weg.
 

Kapitalschutz-Zertifikate in Kürze

 
Mithilfe von Kapitalschutz-Zertifikaten können sicherheitsbewusste Anleger an der positiven Entwicklung des Kapitalmarktes teilhaben und sind zum Laufzeitende des Zertifikats nach unten hin vollständig (Kapitalschutz-Zertifikat) oder zumindest teilweise (TeilKapitalschutz-Zertifikat) abgesichert – abhängig von der genauen Ausgestaltung des Zertifikats. Die Partizipation an einer positiven Entwicklung des Basiswertes hängt am Partizipationsfaktor. Umso höher der Partizipationsfaktor, umso höher auch die Teilhabe an einer positiven Entwicklung des Underlyings. Besonders vorteilhafte Emissionskonditionen sollten Kapitalschutz-Zertifikate in Zeiten hoher Zinsen und niedriger Volatilitäten aufweisen können. Hohe Zinsen bedeuten stärkere Abzinsungen, d.h. es bleibt mehr Geld für die Ertragskomponente der Call-Option übrig. Niedrige Volatilitäten machen daneben die Call-Option billiger.
 
 
 

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