ÖL-ZERTIFIKATE

 
 

Investitionen in Öl

 
Bei einer beabsichtigten Investition in Öl zu einem günstigen Zeitpunkt haben Anleger prinzipiell die Möglichkeit, gefüllte physische Ölfässer oder Öltanks zu erwerben. Dann braucht nur noch abgewartet werden, bis der Ölpreis steigt und es kann mit Gewinn an einen zahlenden Abnehmer verkauft werden. Die Sache bei einer physischen Investition sind jedoch die hohen Kosten, z.B. für Transport, Lagerung, bauliche Umweltauflagen, Versicherung etc. Wenn nicht hohe Geldsummen in ein solches physisches Ölengagement investiert werden sollen, dürfte sich das Geschäft tendenziell wenig lohnen. Um kostengünstiger am Ölpreis zu partizipieren, bieten sich beispielsweise Öl-Zertifikate auf den Ölpreis an. Hiermit haben Anleger die Möglichkeit sowohl auf steigende als auch auf fallende Ölpreise zu setzen.
 

Wer gibt Öl-Zertifikate heraus?

 
Um mithilfe von Zertifikaten am Ölpreis partizipieren zu können, bieten eine Reihe von Emittenten (z.B. Banken) verschiedene Zertifikate auf die beiden Hauptölsorten West Texas Intermediate (WTI) sowie die Nordseesorte Brent an. Beide Ölsorten werden an den Future-Märkten gehandelt und stellen eine geeignete Basis für Zertifikate auf den Ölpreis dar. Die potentiellen Käufer haben bei Zertifikaten eine große Auswahlpalette. So gibt es beispielsweise reine 1:1 Partizipationszertifikate, Faktorzertifikate oder Knock-outs mit hoher Hebelwirkung. Die rechtliche Verpackung eines Öl-Zertifikates ist dabei die Inhaberschuldverschreibung. Je nach Emittent und Zertifikatetyp kann die konkrete Ausgestaltung der Zertifikate vielfältig sein.
 
 

Wie funktionieren Öl-Partizipationszertifikate?

 

Die Funktionsweise von 1:1 Partizipationszertifikaten auf den Ölpreis ähnelt sich stark der Funktionsweise von anderen Partizipationszertifikaten, z.B. auf Aktienindizes. Theoretisch sollte ein 1:1 Partizipationszertifikat den Ölpreis 1:1 abbilden, doch es gibt einen für Anleger wichtigen Haken. Bei Öl-Zertifikaten muss beachtet werden, dass die Basiswerte (WTI- oder Brent-Öl) Futures sind und an den Terminbörsen gehandelte Futures aufgrund des Verfalldatums vom Zertifikateemittenten immer wieder gerollt werden müssen. Gerollt bedeutet in diesem Zusammenhang zunächst einmal, dass der Future kurz vor Ende der Laufzeit verkauft werden muss, um nicht die physische Abwicklung zu riskieren. Kaum ein Emittent eines Zertifikats auf Öl dürfte an einer physischen Abwicklung interessiert sein. Ferner ist das vereinnahmte Geld in den nächsten Future zu investieren, um weiterhin am Ölpreis zu partizipieren. Da zeitlich weiter entferntere Öl-Futures jedoch zumeist preislich höher notieren als der alte Future, entstehen häufig Rollverluste für den Anleger. In Fachkreisen wird diese Situation Contango genannt. Dies kann sogar dazu führen, dass trotz eines steigenden Ölpreises, das Zertifikat im Preis nicht steigt, weil die Rollverluste die Gewinne aufzehren.

Hierbei kommt es zu der eher unüblichen Situation, dass weiter entferntere Futures preislich niedriger notieren als früher auslaufende Kontrakte. Dadurch wird beim Rollen Geld gespart, was dem Zertifikateanleger zugutekommen sollte. Zu einer Backwardation-Situation könnte es beispielshalber kommen, wenn plötzlich eine wichtige Schiffroute für Öltanker unpassierbar gemacht wird (z.B. militärische Seeblockade der Straße von Hormus im Persischen Golf) und die aktuelle Öl-Nachfrage das aktuelle Öl-Angebot übersteigt. Dann könnte der zeitlich am nächsten liegende Öl-Future (deutlich) im Preis höher notieren als weiter entferntere Öl-Futures, da sich viele Marktteilnehmer jetzt sofort noch Öl sichern wollen, bis es vielleicht länger keines mehr in ausreichender Menge gibt oder die Preise weiter anziehen und Öl somit teurer und teurer wird.
 
Quelle: DDV
 

Wie funktionieren Öl-Knock-out-Zertifikate?

 

Im Gegensatz zu 1:1 Partizipationszertifikaten auf den Ölpreis besitzen Knock-out-Zertifikate auf Öl einen Hebel, der in Abhängigkeit vom aktuellen Börsenpreis des Öls, des Basispreises und dem gegebenenfalls berechneten Aufgeld höher oder niedriger ausfallen kann. Anleger können aufgrund der Hebelwirkung überproportional an der Ölpreisentwicklung teilhaben. Bei einem Hebel von beispielsweise 50 kann ein Turbo Long-Zertifikat auf den Ölpreis um rund 50 Prozent zulegen, wenn der Ölpreis um lediglich 1 Prozent steigt. Sollte sich der Ölpreis jedoch in die falsche Richtung bewegen, so sind auch die Verluste gehebelt. Ein Rückgang des Ölpreises um 1 Prozent würde somit ungefähr 50 Prozent Verlust im Turbo Long-Zertifikat bedeuten. Zum besseren Verständnis von Knock-outs sei an dieser Stelle auf den Beitrag zu Knock-out Zertifikaten verwiesen, der ebenfalls auf den Internetseiten von finanzen.net erschienen ist.

Aufgrund der bereits bei 1:1 Partizipationszertifikaten angesprochenen Rollproblematik sei im Zusammenhang von Knock-outs auf Öl noch erwähnt, dass die Emittenten Rollverluste und Rollgewinne z.B. über die Anpassung der Basispreise des Zertifikats oder der Bezugsverhältnisse verrechnen können. Bei einem Open End Turbo Long könnte somit beispielsweise bei Rollverlusten während einer Contango-Situation das Bezugsverhältnis sinken oder der Basispreis steigen. In einer Backwardation-Situation mit Rollgewinnen könnte der Emittent hingegen z.B. den Basispreis senken.
 

Wie und wo können Öl-Zertifikate gehandelt werden?

 
Öl-Zertifikate können sowohl an Börsen als auch im außerbörslichen Handel direkt beim Emittenten gehandelt werden. Im Gegensatz zum börslichen Handel – wo Gebühren und Courtage anfallen, sind im Direkthandel über den Emittenten lediglich Gebühren für den An- und Verkauf zu entrichten, die in Abhängigkeit vom gewählten Broker höher oder niedriger ausfallen können. Manche Broker kooperieren auch mit ganz bestimmten Zertifikateemittenten und dort ist gegebenenfalls der Handel bestimmter Zertifikatetypen bei Erreichen eines Mindestvolumens in Geld oder Stück kostenfrei. Bei der Orderaufgabe im Zertifikatehandel ist auch darauf zu achten, dass limitierte Orders gesetzt werden. Dies kann allzu große Überraschungen auf dem Abrechnungskonto verhindern helfen, da limitierte Orders einen Höchstpreis beim Kauf und einen Mindestpreis beim Verkauf angeben, an denen sich die Broker halten müssen.
 

Vorteile von Öl-Zertifikaten für Anleger

 
Mithilfe von Zertifikaten auf den Ölpreis haben Anleger mit einer bestimmten Marktmeinung die Chance, kostengünstig im Vergleich zum physischen Engagement am Ölpreis zu partizipieren. Aufgrund der Möglichkeit sowohl auf steigende als auch auf fallende Ölpreise zu spekulieren, können Öl-Zertifikate als Spekulations- aber auch als Absicherungsinstrumente zum Einsatz kommen. Die Wahl des konkreten Zertifikats hängt dabei von der individuellen Strategie und Risikoneigung des Anlegers ab.
 

Vorteile von Öl-Zertifikaten

 
Die Emittenten stellen jedenfalls einen bunten Strauß an Zertifikaten bereit. Neben den typischen Risiken, die jeder einzelne Zertifikatetyp beherbergt, sei an dieser Stelle nochmals auf das Rollrisiko hingewiesen, was insbesondere bei nicht rolloptimierten Öl-Zertifikaten besteht. Daneben ist das Währungsrisiko zu beachten, da Öl an den Terminbörsen in US-Dollar, das Zertifikat jedoch in Euro gehandelt wird. Weitere Risiken sind den Produktbroschüren der jeweiligen Emittenten zu entnehmen.
 

Öl-Zertifikate in Kürze

 
Mithilfe von Öl-Zertifikaten können Anleger auf einen der wichtigsten Industrierohstoffe spekulieren oder bestehende Öl-Positionen absichern. In Abhängigkeit von der Marktmeinung und Anlagestrategie sowie je nach individuellem Risikoappetit des Anlegers stehen verschiedene Zertifikatetypen zur Verfügung, die ganz spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. Ein gutes Wissen über die Funktionsweise des ausgewählten Zertifikats ist das A und O, um die Chancen des Ölmarktes wahrnehmen zu können.
 
 
 

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