Ein von der Story interessanter und relativ exotischer Börsengang findet in dieser Woche im Frankfurter Marktsegment Entry Standard statt. So können Anleger erstmals in einen börsennotierten, landwirtschaftlichen Betrieb aus Deutschland investieren. Die Hamburger KTG Agrar (WKN: A0DN1J) beackert rund 14.000 ha, wovon 15 Prozent der Gesellschaft selbst gehören. Die Zeichnungsfrist für die 1,8 Mio. Aktien (Greenshoe: 230.000) in einer Preisspanne von 16,00 bis 17,70 Euro endet am 13. November, die Erstnotiz soll am 15. November erfolgen.
Das Image der Branche Landwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Seit kurzem werden Landwirte weniger als Empfänger staatlicher Subventionen, sondern als Produzenten wichtiger Agrarstoffe wahrgenommen. Neben dem starken, globalen Bevölkerungswachstum und der positiven Einkommensentwicklung bevölkerungsreicher Schwellenländer sorgt auch der Sektor Erneuerbare Energien für Fantasie. Biogas, Bio-Nahrungsmittel, Biodiesel und Bio-Ethanol lassen das Anlegerherz deutlich höher schlagen. Doch sollte man deshalb sein Geld auf "Haus und Hof" der KTG Agrar setzen? Wir meinen nein, denn die fehlende Diversifikation stellt eines von mehreren schwer kalkulierbaren Risiken dar. Zwar profitieren Landwirte gegenwärtig sehr stark von den deutlich anziehenden Preisen ihrer Produkte, doch es sollten dabei einige negative Faktoren nicht vergessen werden. So leidet die Landwirtschaft auch unter steigenden Kosten, nicht nur beim Diesel für den obligatorischen Trecker. Auch das Wetter kann Landwirten immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen, schließlich gehen viele Experten im Zuge des Klimawandels von einer Häufung geschäftsschädlicher Wetterextreme in der Zukunft aus. Diese könnten zwar dazu führen, dass die Preise für landwirtschaftliche Produkte noch stärker als bislang steigen werden, wer jedoch wetterbedingte Missernten einfahren muss, dürfte an den gestiegenen Preisen wenig Freude haben.
Den Abonnenten von 1a-boersentipps.de haben wir aus den oben erwähnten Gründen bereits im Januar 2006 ein Bonuszertifikat von Goldman Sachs auf den GSCI Agriculture-Index (WKN: GS0CF0) vorgestellt. Bei dem bis März 2011 laufenden Papier haben sich bislang steuerfreie Kursgewinne in Höhe von sieben Prozent angesammelt. Auch auf dem gegenwärtigen Kursniveau ist das Zertifikat mit unbegrenztem Gewinnpotenzial weiterhin interessant, schließlich bietet es bei einem Risikopuffer von rund 37 Prozent die Chance auf eine Bonusrendite in Höhe von 6,1 Prozent p. a. Um diese Mindestrendite zu realisieren, muss der GSCI Agriculture Index während der verbleibenden Restlaufzeit stets über der Barriere von 46,24 Punkten notieren. Weiterer Vorteil: Das Währungsrisiko zwischen USD und Euro ist durch die so genannte Quanto-Funktion ausgeschlossen worden. Insgesamt weist das Bonuszertifikat bei attraktiven Renditechancen deutlich weniger Risiko als die Newcomer-Aktie KTG Agrar auf. Bei aufkommenden Börsengewittern dürften die Inhaber des Zertifikats wahrscheinlich deutlich besser schlafen als die KTG-Aktionäre.
Rentable Geschäfte wünscht Ihnen Jörg Bernhard (1a-boersentipps.de)
Jörg Bernhard arbeitet als Freier Wirtschaftsjournalist und betreibt die Börsen-Website 1a-boersentipps.de. Außerdem ist er Chefredakteur des gleichnamigen Börsenbriefs. Mehr Infos unter www.1a-boersentipps.de.
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