FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Postbank-Aktien haben am Mittwoch ihre Gewinne nach einem Magazin-Bericht über eine Komplettübernahme der Bonner durch die Deutsche Bank deutlich ausgebaut. Bis 16.45 Uhr gewannen die Postbank-Titel 13,60 Prozent auf 16,96 Euro, während die der Deutschen Bank um 6,51 Prozent auf 21,915 Euro fielen und damit kaum auf den Bericht reagierten. Der DAX verlor zugleich 3,96 Prozent auf 4.398,32 Punkte. Das Magazin "Capital" berichtete, die Deutsche Bank arbeite nach ihrem 30-Prozent-Einstieg bei der Postbank an einer raschen Komplettübernahme des Bonner Instituts und wolle das aktuell günstige Kursniveau durch Optionsgeschäfte oder sonstige derivative Strukturen für die Akquisition sichern. Die Deutsche Bank wollte den Bericht nicht kommentieren.
Ein Händler sagte: "Es passt schon sehr gut, dass diese Spekulationen im Zuge der Kapitalerhöhung der Postbank fallen gelassen werden. Wenn man bedenkt, dass die jungen Aktien zu Kursen über 18 Euro angeboten werden, braucht es wohl noch ein paar konkretere Aussagen seitens der Deutschen Bank, um die Offerte attraktiv zu machen." Dass die Deutsche Bank so handele, sei konsequent, nachdem sie sich bei Kursen zu 29,75 Euro an der Postbank beteiligt und eine Übernahme nicht ausgeschlossen haben. "Dann ist das derzeitige Kursniveau mehr als verlockend." Die Frage aber für die Deutsche Bank laute, wo das Geld für die restlichen Anteile herkommen soll. Ein weiterer Börsianer meinte: "Es macht Sinn für die Deutsche Bank, bis auf 50 Prozent zuzukaufen, damit sie die Postbank in der Bilanz voll konsolidieren kann. Ansonsten gibt es wegen des aktuell niedrigen Preises der Postbank-Aktie eine Abschreibung auf den bisherigen Postbank-Anteil der Deutschen Bank."
"Dass die Deutsche Bank die Postbank übernehmen will, ist nicht überraschend, denn die Struktur des Transaktionsvorhabens ist darauf ausgerichtet, dass es zu einer vollständigen Übernahme kommt", sagte ein Analyst. Die Deutsche Bank sei aber recht clever, wenn sie darüber nachdenkt, über derivative Strukturen den aktuell niedrigen Kurs zu nutzen, ohne ein Übernahmeangebot machen zu müssen. "Dass so etwas möglich ist, zeigt ja das Vorgehen von Porsche bei VW oder von Schaeffler bei Conti", sagte er. Dadurch könne die Deutsche Bank womöglich den durchschnittlichen Übernahmepreis für die Postbank senken./ck/she