09.07.2008 12:15
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APA ots news: Rehor: Banken haben gelernt mit der Krise zu leben

        Subprimekrise mehr als eine Fußnote der Wirtschaftsgeschichte

Wien (APA-ots) - "Ein Jahr nach ihren Anfängen ist die   Finanzmarktkrise nicht ausgestanden, die Märkte haben jedoch gelernt mit ihr zu leben", so sieht Gerhard Rehor, Finanzmarktvorstand der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien die aktuelle Situation in der Welt der Aktien und Anleihen. Er ist sich sicher: "Hier wurde Wirtschaftsgeschichte geschrieben. Die Subprimekrise ist mehr als eine historische Fußnote."

Mitte Juli jährt sich die Bekanntgabe des Kollaps zweier Hedge-Fonds der fünftgrößten US-Investmentbank Bear Stearns. Damit wird der Beginn der Subprimekrise markiert. Obwohl ein Platzen der Immobilienblase in den USA von Volkswirten bereits Monate zuvor angekündigt worden war, täuschten sich doch sämtliche Marktteilnehmer über Umfang und Dauer der Probleme. Für Gerhard Rehor handelt es sich um die schwerste Krise der Finanzmärkte seit den 1930er Jahren. Ihren Höhepunkt erreichte die Krise Ende März 2008 anlässlich der Übernahme der amerikanischen Investmentbank Bear Stearns durch JP Morgan. Sowohl in den USA als auch in Europa kamen selbst große Bankinstitute ins Gerede und konnten den Markt nur mit Mühe überzeugen, dass ihr Überleben gesichert ist.

Vertrauenskrise positioniert das Thema "Liquidität" neu

"Wegen der Vertrauenskrise unter den Banken ist ausreichende Liquidität nicht mehr selbstverständlich", so Rehor. "Damit trifft eine der entscheidendsten Auswirkungen die Banken ins Mark!"

Die Anstiege bei den Risikoaufschlägen auf Zinsen haben Auswirkungen auf Sparbücher und Kredite. Der wichtigste Geldmarktindikator, der 3-Monats-Euribor liegt beinahe 1 %-Punkt über dem EZB-Leitzinssatz. Durch Zinsgleitklauseln, die üblicherweise am 3-Monats-Euribor hängen, profitieren Sparer vom deutlichen Anstieg, während Kreditnehmer diese Veränderung negativ spüren.

In den Banken und Finanzinstituten kommt es zu einer Neubewertung   der Risikomesssysteme. Die statistische Analyse von Vergangenheitsdaten ohne Berücksichtigung von Systembrüchen gilt nicht mehr als ausreichende Risikomessmethode. In vielen Banken haben Risikomanager in der Vorstandsetage Platz genommen.

Nicht unberührt von der Diskussion bleiben auch die internationalen Ratingagenturen, deren externe Bonitätsbeurteilung in der Vergangenheit "Evangelienqualität" hatte. Heute werden Ratings im Markt durchaus kritisch hinterfragt, jedoch haben diese andererseits auch eine neue Bedeutung gewonnen. Rehor: "Wer sich am internationalen Markt refinanzieren möchte, kann dies überhaupt nicht mehr ohne ein externes Rating."

Als wirtschaftspolitische Reaktion erwartet Rehor, dass die Regulatorien für Banken und Bankinstitute schärfer werden. "Die Frage muss jedoch gestellt werden: Können zusätzliche Feuerwehren alle Brände verhindern?", zeigt er sich skeptisch, ob neue Bestimmungen auch neuen Krisen vorbeugen.

Veränderungen bei Eigentümerstrukturen und neue Dynamik am Markt

Bei wichtigen Banken ist es zu wesentlichen Veränderungen der Eigentümerstrukturen gekommen. Die Verluste großer Institute einerseits und die prall vollen Geldtaschen der v.a. rohstofforientierten Staatsfonds führten dazu, dass substantielle Anteile beispielsweise der UBS, Morgan Stanley bzw. Citigroup von Staatsfonds aus Singapur, China oder Abu Dhabi erworben wurden. Nicht zu vergessen sind dabei die russischen Fonds und der Rohstoffgigant Gazprom. "Die Staatsfonds sind auf Einkaufstour", so Rehor. Ihre vollen Kriegskassen generieren sie weltweit zu 2/3 aus den Einnahmen aus Rohstoffen, in erster Linie Öl.

Rohstoffpreis-Explosion - der neue Ölpreisschock?

Vergleicht man die Krise an den Rohstoffmärkten mit dem Erdölschock in den 70er Jahren, so lassen sich einige wesentliche Unterschiede erkennen:

Der heute heftig diskutierte Ölpreisanstieg, wird im historischen Rückblick auf die 1970er Jahre relativiert, analysiert Rehor. Denn damals ist der Ölpreis innerhalb einer Dekade auf das Zwölffache angestiegen, "nur" den sechsfachen Wert weist der aktuelle Ölpreis aber seit dem Jahr 2000 bis heute aus.

Laut einer Studie von Zeal Intelligence(www.zeallI.com/financial.htm) stand der Ölpreis 1980 inflationsbereinigt 25% über dem aktuellen Preisniveau. Aussagen über Ölpreisentwicklung ohne Berücksichtigung der Inflation sind folglich sehr irreführend. "Öl ist teuer, aber die Situation war schon schlimmer!", so Rehor zusammenfassend.

In den 1970er Jahren war die "künstliche" Verknappung des Angebotes durch die OPEC preistreibend. Heute ist die Veränderung in der weltweiten Nachfrage entscheidend. Insbesonders in den "Schwellenländern" (Brasilien, Indien, China) ist  steigender Bedarf an Rohstoffen zu erwarten.Der Faktor Spekulation führt zu einer weiteren Zuspitzung an den internationalen Rohstoffmärkten.

Der schwache USD federte die Preisentwicklung in Europa etwas ab. 2007 und 2008 explodierten neben Energiewerten auch andere Rohstoffe, insbesonders Lebensmittel. Die Inflationsrate erreichte mit 4 % in Europa den höchsten Stand seit 1992. In den USA beträgt die Inflationsrate aktuell 4,1% - zum Vergleich 4,4% im Jänner 2008 und   4,1% im Juni 2006.

Gold, Sparbuch und Staatsanleihen - die Gewinner in der Krise

Im Rückblick auf zwölf Monate Entwicklung der Finanzmärkte gehen, so Rehor,  Sparbuch und Staatsanleihen neben Rohstoffen als Gewinner aus der Krise hervor. Aus 1000 angelegten Euro wurden bei österreichischen Bundesanleihen 1.048 Euro, beim Sparbuch gab es einen Zuwachs von 35 Euro, bei Gold ein Plus von 216 Euro.

Alle anderen Anlageformen zeigen in der Entwicklung von 1.7. 2007 bis 30.6. 2008 ein negatives Ergebnis (siehe Tabelle).

Empfehlungen für Privatanleger

Seitens der Privatanleger ist angesichts der verstärkten Risken eine fortgesetzte, intensive Renaissance des Sparbuches zu beobachten. Für Rehor ist diese Reaktion mehr als verständlich. Die Zinssätze für kurzfristige Spareinlagen sind angesichts der inversen Zinskurve höher als die Renditen bei länger gebundenen Anleihen.

Attraktiv für Rehor sind auch kurzfristige Anleihen, mit einer Laufzeit von 18 Monaten  die einen Kupon von 5,25% aufweisen. Nicht nur die Geldmarktzinsen im Allgemeinen sondern auch die Risikoaufschläge, die Banken auf ihre Anleihenzinsen zahlen müssen, haben ein Rekordniveau und damit höchste Attraktivität für den Anleger gewonnen.

Interessante Niveaus bieten daher Bankenfloater. Ein 3-jähriges RZB Papier liefert 3-Monats-Euribor  +45 Basispunkte, ein 5-jähriger RZB-Floater 3-Monats-Euribor +50 Basispunkte.Noch attraktiver wird es bei Bankenfloatern, die als Ergänzungskapital begeben werden, diese liefern einen Kupon in der Höhe von 6,40%.

Flaue Aktienmärkte

Zu den Verlierern der letzten 12 Monate gehören die Aktionäre. Schlechte Ergebniszahlen von Banken, geringere Liquidität und zuletzt die hohe Inflationserwartung zogen v.a. die Finanzbranche und später die gesamten Märkte nach unten. Einzig rohstofforientierte Branchen und Börsen konnten Steigerungen verbuchen.

Seit Beginn der Subprimekrise weist der Welt-Aktienindex auf Eurobasis ein Minus von 26,4% aus. Der ATX lag mit Minus 23,4% im Mittelfeld der Weltbörsen - abermals begünstigt durch die CEE-Schwerpunkte österreichischer Unternehmen.

Inflationsgeschützte Geldanlagen

Für die aktuelle Marktlage hat die RLB ein Musterportfolio für Anleger zusammengestellt: Dieses Musterportfolio mit Inflationsschutz zeigt eine attraktive Veranlagungsstrategie im aktuell schwierigen Marktumfeld (Stagflation und Nachwirkungen der Kreditkrise).Die wesentlichen Bausteine sind eine kurzfristige geldmarktnahe Veranlagung, ein mittel- bis längerfristig gebundener Teil mit Inflationsschutz,  sowie zwei Investments im Rohstoffbereich: den Raiffeisen Energie-Aktienfonds und Gold-Zertifikate.

Rückfragehinweis:    Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien    Pressestelle    Mag.(FH) Katharina Wallner,      Tel.: 051700/93005    mailto:Katharina.wallner@raiffeisenbank.at

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

OTS0132    2008-07-09/12:07

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