14.03.2008 16:21
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AUSBLICK/TUI beugt sich womöglich dem Druck der Großaktionäre

Von Kirsten Bienk DOW JONES NEWSWIRES HANNOVER (Dow Jones)--Im Streit um die Zukunft der Schifffahrtssparte der TUI AG erhöht sich der Druck der Großaktionäre auf Vorstand und Aufsichtsrat des in Hannover beheimateten Tourismus- und Schifffahrtskonzerns. Aller Voraussicht nach wird der Aufsichtsrat der TUI AG das Management am Montag mit der Prüfung aller Optionen für Hapag-Lloyd beauftragen, was Analysten als Zeichen der ersten Niederlage des Konzernvorstandsvorsitzenden Michael Frenzel werten.

   "Es sieht so aus, als ob Frenzel dem Druck der Großaktionäre nachgibt und einer Spaltung des Konzerns jetzt offener gegenübersteht", sagte Hans-Peter Kuhlmann, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg. Er rechnet Montag aber noch nicht mit einer Entscheidung des Kontrollgremiums über das weitere Vorgehen, sondern lediglich mit einer Diskussion der verschiedenen Möglichkeiten und dem Auftrag an den Vorstand, diese im Detail zu prüfen.

   Diese Einschätzung teilt auch Analystin Martina Noß von der Nord/LB. Getreu dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" sei es durchaus sinnvoll, mit dem Aufsichtsrat im Vorfeld der Hauptversammlung im Mai schon jetzt alle strategischen Optionen zu diskutieren, sagte sie. Es sei aber davon auszugehen, dass Vorstand und Aufsichtsrat regelmäßig über die Zukunft von Hapag-Lloyd beraten haben. Insofern sei dies kein wirklich neues Thema. Es habe wegen der jüngsten Forderungen einiger Großaktionäre jedoch neue Brisanz erhalten.

   TUI selbst kommentiert derzeit keine Medienberichte zu diesem Thema und verweist auf die Aufsichtsratssitzung. Dort würden alle strategischen Optionen geprüft, sagte Sprecher Robin Zimmermann und bekräftigt bereits zuvor gemachte Angaben.

   Frenzel und sein Finanzvorstand Rainer Feuerhake dürften nach Einschätzung der meisten Beobachter am Montag die Einbringung der Schifffahrtsparte in ein Gemeinschaftsunternehmen als beste Lösung für alle Aktionäre empfehlen. Durch die Verschmelzung des Geschäfts mit einem Partner könnte Frenzel an der Sparte festhalten, würde aber zugleich die kritische Masse erreichen, um den fünftgrößten Reeder Hapag-Lloyd international noch weiter voranzubringen.

   Als Partner wurde in der Vergangenheit immer wieder Neptune Orient Lines (NOL) ins Spiel gebracht, doch auch die Reederei Hamburg-Süd der Familie Oetker könnte eine Variante sein, meinen Analysten. Hamburg-Süd wollte sich zu diesen Spekulationen nicht äußern, sagte aber, dass die Reederei kein Angebot für Hapag-Lloyd unterbreitet habe. NOL wollte zu den Berichten ebenfalls keine Stellung nehmen. Es würden generell keine Gerüchte kommentiert, hieß es am Freitag.

   Am Donnerstag hatte Dow Jones Newswires mit Verweis auf mit der Situation vertrauten Personen berichtet, dass NOL an einer Übernahme der TUI-Tochter interessiert und bereit sei, zwischen 6 Mrd und 7 Mrd USD zu bezahlen.

   Die Verschmelzung des Containergeschäftes mit der TUI Holding ist in den Augen von Analysten angesichts der jüngsten Diskussion vom Tisch. Frenzel hatte diesen Schritt vor einiger Zeit dem Aufsichtsrat vorgeschlagen und war mit der Prüfung beauftragt worden. Welche Vorteile eine solche Transaktion für alle TUI-Aktionäre haben würde, ist Analysten nicht klar. Diese habe das Unternehmen dem Kapitalmarkt bisher nicht ausreichend deutlich machen können, sagte Noß. Sie hält es deswegen für wahrscheinlicher, dass der Aufsichtsrat die von den Frenzel-Kritikern bevorzugten Verkaufs- und Abspaltungsoptionen ausführlich abwägen wird.

   Allein die öffentliche Diskussion über die mögliche Teilung des Touristik- und Schifffahrtskonzerns in seine beiden Sparten verläuft derzeit zum Vorteil aller Anteilseigner, denn der Kurs der Aktie steigt wieder an. Am Freitag notierte er nach Medienberichten, dass der TUI-Vorstandsvorsitzende auf die Linie seiner Kritiker einschwenken könnte, bis 16.14 Uhr mit 6,3% im Plus bei 17,94 EUR. Seit den ersten Berichten über einen möglichen Einstieg der in Singapur registrierten NOL-Gruppe Mitte Januar legte die Aktie um rund 2,6% zu, während der DAX im gleichen Zeitraum rund 16% verloren hat.

   Der TUI-Vorstand wird sich nach Einschätzung der Analysten mit aller Macht gegen die Option aussprechen, die Schifffahrtssparte direkt zu verkaufen. Angesichts des derzeitigen Kapitalmarktumfelds würde TUI keinen "attraktiven" Preis dafür erzielen können, prognostizierte Analyst Kuhlmann. Er würde es daher befürworten, wenn TUI zunächst einmal die organisatorischen Rahmenbedingungen schaffen und den Konzern in seine zwei Sparten trennen würde.

   Weitere Schritte sollte der Vorstand erst einleiten, wenn die Zeiten wieder besser werden. Wann dies der Fall sein wird, vermag Kuhlmann allerdings nicht zu sagen. "TUI sollte kurzfristig aber nichts über das Knie brechen".

   Damit spricht der Analyst dem TUI-Vorstandsvorsitzenden offenbar aus dem Herzen: Frenzel hatte der Hauptversammlung bereits im Mai 2006 empfohlen, nicht zu diesem Zeitpunkt über eine Aufspaltung des Konzerns nachzudenken, sondern noch zu warten. Damals gab es bereits Forderungen seitens großer Fonds nach einer Aufspaltung des DAX-Konzerns.

   Frenzel hatte damals entgegnet, dass er sich dem Thema zwar generell nicht verschließe, wenn der Großteil der Aktionäre dies wünsche, er den Zeitpunkt aber für sehr ungünstig halte. Er begründete dies mit der erst kurz zuvor getätigten Übernahme der Reederei CP Ships. Die daraus entstehenden Synergien würden nämlich erst in einigen Jahren realisierbar, sagte er.

   Ein Börsengang von Hapag-Lloyd ist nach Einschätzung von Analysten derzeit ebenfalls keine gute Lösung. Das Börsenumfeld sei aktuell nicht so günstig, als dass TUI einen fairen Wert bekommen würde, sagte Noß. Außerdem seien die operativen Ergebnisse der Sparte noch verbesserungswürdig. Mit Blick auf das ungünstige Kapitalmarktumfeld hätten TUI-Aufsichtsrat und -Vorstand diese Pläne vor einigen Jahren schon einmal verworfen.

   Für einen direkten Verkauf von Hapag-Lloyd hat sich zuletzt Großaktionär John Fredriksen ausgesprochen, der Medienberichten zufolge weitere Aktionäre auf seine Seite ziehen konnte. Er hatte am Montag über seinen Vertrauten Tor Olav Troim mitteilen lassen, dass er weitere Verbündete für seine Aufspaltungsideen gefunden habe und es sehr wahrscheinlich sei, dass er zur Hauptversammlung die nötige Mehrheit von 75% auf sich vereinen könnte. Außerdem habe er selbst weitere Aktien zugekauft. Letzten Pflichtveröffentlichungen zufolge ist der Reeder über Greenwich Holdings mit 5,1% an TUI beteiligt.

   Analysten können sich durchaus vorstellen, dass der norwegische Milliardär im Gegensatz anderen Kritikern wie Fonds und dem US-Investor Guy Wyser-Pratte mit seinen Vorschlägen eine Mehrheit hinter sich bekommen könnte. Fredriksen sei kein reiner Finanzinvestor, sondern habe ein strategisches Interesse an TUI, hatte ein Analyst, der namentlich nicht genannt werden wollte, am Montag gesagt. Fredriksen kenne sich sehr gut in der Schifffahrt aus und habe klare strategische Vorstellungen. An der Touristik habe er indes keinerlei Interesse.

   Die Kritiker des TUI-Konzerns sind sich aber in einem Punkt einig: Die beiden Sparten Touristik und Schifffahrt haben in ihren Augen keine Gemeinsamkeiten und würden sich deswegen getrennt voneinander besser entwickeln. Zudem sei bei einer Aufspaltung des Konzerns der Wert der einzelnen Teile erstens besser zu erkennen und zweitens in der Summe auch höher als im gegenwärtigen Konglomerat.

   Frenzel hat indes immer wieder ins Feld geführt, dass der Konzern sehr wohl von dieser Konstruktion profitiert, weil sich beiden Sparten mit ihren zeitlich unterschiedlich gelagerten Zyklen sehr gut ausgleichen würden.

   Eine Entscheidung über die Zukunft des Konzerns wird am Montag wohl nicht fallen, darin sind sich die Beobachter einig. Allerdings würden Vorstand und Aufsichtsrat alle Optionen eingehend prüfen, um den Aktionären Rede und Antwort stehen können, meint Analystin Noß.

Webseite: http://www.tui-group.com -Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires, +49 (0)40 3574 3116, kirsten.bienk@dowjones.com DJG/kib/brb (END) Dow Jones Newswires

   March 14, 2008 11:17 ET (15:17 GMT)

   Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.- - 11 17 AM EDT 03-14-08

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