Sprint Nextel Aktie [WKN: 857165 / ISIN: US8520611000]

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13.04.2008 09:00
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Ausbruch aus der Hölle (EuramS)

Der US-Mobilfunker Sprint Nextel gilt als Paradebeispiel für eine total verkorkste Fusion. Potenzielle Aufkäufer beäugen die Arbeit des neuen Chefs mit wachsendem Interesse.

von Stephan Bauer

Es war ein deutliches Lebenszeichen: "Hallo, wir sind noch da!", hätte Dan Hesse, Chef des US-Mobilfunkers Sprint Nextel, vor wenigen Tagen auf der größten Branchenmesse in Las Vegas genauso gut rufen können. Hesse, 54 Jahre alt und ein Leben lang in der amerikanischen Mobilfunkindustrie, kündigte stattdessen lautstark ein Konkurrenzprodukt zu Apples erfolgreichem iPhone an. "Instinct" heißt das Handy, das der koreanische Hersteller Samsung exklusiv an Sprint liefert und das vor allem der gut betuchten Geschäftsklientel wieder Appetit auf Verträge beim gebeutelten US-Mobilfunker machen soll.

Dass das Instinct dem iPhone tatsächlich den Rang als beliebtester Handschmeichler der besser verdienenden US-Kunden ablaufen kann, damit rechnet ernsthaft zwar kaum jemand. Doch dem alten Hasen Hesse ging es bei seinem lautstarken Auftritt um etwas ganz anderes: Der Sprint-Chef signalisierte der Branche trotzig, dass sie mit der Nummer 3 noch rechnen muss.

Seit einer missglückten Fusion vor gut drei Jahren gilt Sprint Nextel als größter Sorgenfall im US-Mobilfunk. Ein namhafter Ökonom nannte die Verbindung der ehemaligen Konkurrenten Sprint und Nextel unlängst "a deal from hell", zu Deutsch: ein Geschäft aus der Hölle. Wahrhaft teuflisch: Aus zwei leistungsstarken Unternehmen wurde ein Moloch voller interner Machtkämpfe, geprägt von hohen Kosten und schlechtem Service, dem die Kunden scharenweise davonlaufen.

Im Dezember trat Hesse, der zuvor die Mobilfunksparte von AT&T auf Effizienz trimmte, seinen Job als Cerberus an – und machte gleich reinen Tisch. Eine Abschreibung von knapp 30 Milliarden Dollar stellte klar, dass die Fusion bislang nichts als ein Scherbenhaufen war. Die Konsequenz: Bis Mitte des Jahres sollen 4.000 Mitarbeiter gehen.

Zugleich bändigt der harte Sanierer die wuchernde Konzernbürokratie. Beinahe schon als Revolution gilt die Entscheidung, endlich die zwei Unternehmenszentralen zusammenzuführen. Denn seit dem Zusammenschluss arbeiten zwei Führungsstäbe – einer in Reston, Virginia, und einer in Overland Park, Kansas.

Den Kundenexodus zu stoppen ist jedoch das drängendste Anliegen des Vorstands. Allein im Weihnachtsquartal verlor Sprint 700.000 Klienten. Businesskunden lockt Hesse deshalb neuerdings mit einem für US-Verhältnisse äußerst attraktiven Pauschalangebot. Für knapp hundert Dollar im Monat sind unbegrenzt Gespräche und erstmals im US-Markt auch mobiles Internet inklusive.

Zudem zeigt sich der Mobilfunker viel kulanter. Bis vor Kurzem trieb man die Kunden schon mal mit Tricks zur Vertragsverlängerung. Jetzt darf jeder jederzeit den Tarif wechseln, ohne dass sich heimlich der Vertrag verlängert. "Hesse tut das Richtige", lobt Julie Ask von US-Marktforscher Jupiter Research.

Nicht nur Mobilfunkexperten beobachten den neuen Lebenswillen im Konzern mit Interesse. Die geringe Marktkapitalisierung weckt Begehrlichkeiten: Der Kurs der Aktie hat sich seit der Fusion geviertelt. Allein die landesweiten Mobilfunklizenzen, die Sprint besitzt, sind nach Schätzungen von Experten über 18 Milliarden Dollar wert und damit in etwa so viel wie der gesamte Börsenwert des Unternehmens. Hinzu kommen die hochwertigen landesweiten Netze, weit über 50 Millionen Mobilfunkkunden sowie eine landesweit bekannte Marke.

Bereits im Herbst wollten Finanzinvestoren um die US-Firma Providence Equity mit der südkoreanischen SK Telekom mit fünf Milliarden Dollar bei Sprint einsteigen. Wegen persönlicher Differenzen mit dem alten Management kam das Geschäft nicht zustande. Die Lust könnte wieder aufflammen. Denn auch ausländische Telekoms sind am Ball. So wird etwa dem mexikanischen Multimilliardär Carlos Slim Helu nachgesagt, ein Auge auf den Konzern geworfen zu haben. Erfolgreich hat der Telekom-Tycoon seine Mobilfunkgesellschaft America Moviles in Mittel- und Südamerika etabliert. Die US-Klientel wäre für den expansionshungrigen und kapitalstarken Unternehmer eine große Versuchung, zumal es keine kartellrechtlichen Einwände geben dürfte. Sprint wäre das ideale Sprungbrett in den Markt. Dessen ungeachtet hält Dan Hesse unbeirrt Turnaround-Kurs. "Wir werden das Ruder herumreißen", rief der neue Sprint-Chef unlängst Investoren zu. Am Willen zum Ausbruch aus der Fusionshölle mangelt es dem gewieften Mobilfunkmanager gewiss nicht.

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