BÖRSEN-AUSBLICK/DAX mit Ausbruch nach oben - Weiteres Potenzial
FRANKFURT (Dow Jones)--Lange hat der DAX sich an dem Widerstandsbereich bei 7.100 Punkten abgearbeitet, doch am Freitag ist der Sprung über diese Marke dann endlich gelungen. Damit stehen die Zeichen für weitere Kursgewinne gut, denn mit den Gewinnen ist zugleich der Ausbruch aus einer mehrmonatigen Konsolidierung gelungen.
Mit dem nahenden Ende der Berichtssaison entfällt zudem in der kommenden Woche ein Faktor, der bisher entscheidend zur Zurückhaltung der Anleger beigetragen hat. Nachdem zwar nicht alle Unternehmen überzeugende Zahlen vorgelegt haben, in den allermeisten Fällen aber die Prognosen bestätigt worden sind, habe sich die Sorgen über die weitere konjunkturelle Entwicklung gelegt.
Dies gilt um so mehr, als die jüngsten Konjunkturdaten aus Deutschland eine erstaunlich robuste Lage zeigen. Das allen Widrigkeiten zum Trotz überraschend starke Wachstum der deutschen Wirtschaft im ersten Quartal, das mit 1,5% mehr als doppelt so stark ausgefallen ist wie erwartet, gibt Anlass zur Hoffnung. Sollte einer der großen Belastungsfaktoren wie Ölpreis, Euro-Stärke oder die Lage der US-Wirtschaft an Bedeutung verlieren, könnte dies nachgerade als Initialzündung wirken.
Denn dass der deutsche Aktienmarkt angesichts eines Ölpreises von rund 127 USD je Barrel, eines Euro bei 1,55 USD und einer gewaltigen Bankenkrise über 7.000 Punkte geklettert ist, spricht für die innere Stärke des Marktes, der nur auf einen Ausbruch nach oben hin zu warten scheint. Günstig ist vor diesem Hintergrund auch die abnehmende inflationäre Gefahr. Die jüngsten Preisdaten aus den USA, aber auch aus dem Euro-Raum signalisieren einen abnehmenden Druck von dieser Seite. Das Thema Stagflation hat damit an Relevanz verloren.
Für die Notenbanken ergibt sich damit wieder größerer Spielraum bei der Ausschöpfung ihrer Spielräume. Zwar dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Politik der ruhigen Hand noch über einen gewissen Zeitraum beibehalten, doch eine nachlassende Inflation würde die Möglichkeit eröffnen, bei sinkender Wachstumsdynamik im Euroraum in der zweiten Jahreshälfte eine Zinssenkung vorzunehmen.
Mit dem Ende der Berichtssaison erlangen die Konjunkturdaten wieder größere Bedeutung. Vor allem denjenigen Zahlen, die in Bezug zur Lage der US-Konsumenten stehen, kommt dabei hohe Relevanz zu. "Es wird in den nächsten Monaten vor allem vom amerikanischen Verbraucher abhängen, ob die US-Wirtschaft in eine tiefgreifende Rezession abrutscht oder noch einmal mit einem blauen Auge davonkommt", stellen die Experten der ING fest.
Obwohl eine harte Rezession in den USA derzeit nicht abzusehen sei, brauche die Stabilisierung der US-Wirtschaft vor allem Zeit. "Es dürfte lange dauern, bis die Wachstumsentwicklung wieder ein solides Niveau erreicht. Die Schuldenlast der amerikanischen Privathaushalte und eine Sparquote von nahezu Null könnten die Konsumausgaben noch auf lange Sicht hemmen", warnen die Volkswirte der ING vor ungerechtfertigtem Optimismus. Erst 2010 sei wieder mit überdurchschnittlichem, nachhaltigem Wachstum zu rechnen.
Auf deutscher Seite stehen am Dienstag mit den ZEW-Konjunkturerwartungen und am Mittwoch mit dem ifo-Geschäftsklimaindex zwei wichtige Stimmungsindikatoren an. Beim ifo wird im April mit einem Stand von 102 ein leichter Rückgang gegenüber den vorherigen 102,4 erwartet, während beim ZEW mit minus 37,0 nach minus 40,7 eine leichte Erholung prognostiziert wird. Damit würde der ZEW sich von dem "Rezessionsniveau" des Vormonats wieder entfernen.
Aus den USA steht zur Wochenmitte die Veröffentlichung des Protokolls der Sitzung der US-Notenbank vom 29./30. April an. Bereits am Dienstag werden die Erzeugerpreise mitgeteilt. Mit plus 0,4% nach 1,1% sollten sich diese im April etwas abgeschwächt haben, wobei die Kernrate mit einem Anstieg um 0,2% aber gleich bleiben dürfte. Am Donnerstag und Freitag gibt es dann noch neue Daten zum US-Immobilienmarkt in Form der Verkäufe bestehender Häuser und des OFHEO-Hauspreisindex.
Für einen weiteren Anstieg des Aktienmarktes spricht auch die technische Lage. Durch das Überschreiten der Marke von 7.100 Punkten ist eine Konsolidierung in Form einer Flagge nach oben hin aufgelöst worden. Damit ergebe sich Potential bis zunächst 7.350 Punkte, stellen die technischen Analysten der DZ Bank fest.
DJG/mif/mod/ros (END) Dow Jones NewswiresMay 16, 2008 08:46 ET (12:46 GMT)
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