Biotech-Kolumne: Axonyx - Aufstieg oder Fall?
Mit der Unterzeichnung eines mehrjährigen Arrangements mit der Consulting-Firma der Pharmaceutical Special Projects Group, LLC (PSPG), scheint sich Axonyx bereits auf eine erfolgreiche Vermarktung seines Alzheimer-Medikamentes Phenserine vorzubereiten. Phenserine, das der Alzheimer Krankheit schon bald etwas von ihrem Schrecken nehmen soll, konnte in allen bisherigen Studien mit ungewöhnlich positiven Ergebnissen abschneiden. Das PSPG, ein Konsortium aus unabhängigen Experten aus der Pharmaindustrie, wird von Lawrence T. Friedhoff, einem ausgewiesenen Spezialisten bei der Entwicklung von Medikamenten gegen zentralnervöse Störungen, geleitet. So war Dr. Friedhoff etwa Leiter des Teams zur Entwicklung von Aricept, dem weltweit meistverkauften Cholinesterase-Inhibitor zur Behandlung von Morbus Alzheimer.
Wenn es nach Axonyx geht, dann soll sein experimenteller Wirkstoff schon bald den Platz von Aricept einnehmen. Ein großer Wunsch, doch sollte Phenserine auch die letzte Hürde ohne zu stürzen nehmen, dann spricht tatsächlich eine Menge für das neue Medikament. Das PSPG hat Axonyx zwar auch bereits während des Entwicklungsprozesses von Phenserine tatkräftig unterstützt, doch nun hat Axonyx die Partnerschaft auch vertraglich fixiert. Aus gutem Grunde, denn die Experten des PSPGs haben nicht nur Entwicklungserfahrung, sondern sind auch firm, wenn es um die Erstellung von Zulassungsanträgen geht. Und einen solchen will Axonyx ja möglichst bald an die Zulassungsbehörden überstellen.
Ab sofort wird also das Konsortium sämtliche Rohdaten aus den laufenden Studien in allgemeinverständliche Daten konvertieren. Jetzt bleibt also nur noch zu hoffen, dass auch die letzten Phase III Studien den gewünschten Erfolg bringen. Bisher hält sich Axonyx zwar noch bedeckt im Hinblick auf die finalen Daten, doch noch in diesem Quartal soll der Vorhang gelüftet werden. Phenserine ist besonders deswegen interessant, weil es gleich zwei Wirkungsweisen besitzen soll. So soll Phenserine auch auf beta-APP hemmend wirkt, welches mit der Entstehung und dem Fortschreiten der Erkrankung in Verbindung gebracht wird. Damit unterscheidet sich Phenserine von allen bisherigen Therapien gegen die Alzheimer Krankheit. Sollte Phenserine in den USA den Sprung auf den Markt tatsächlich schaffen, dann warten rund 4,5 Millionen Erkrankte auf das neue Medikament.
In den letzten zwei Jahren ist die Aktie von Axonyx hauptsächlich wegen des Potenzials von Phenserine um fast 500 Prozent gestiegen. Ob Axonyx diese Kurssteigerung tatsächlich wert ist, dass wird sich schon in den nächsten zwei Monaten zeigen, dann werden nämlich erste ausgewertete Daten aus den Mitte 2003 initiieren Studien vorliegen. Axonyx-Investoren, oder solche, die es vielleicht noch werden wollen, sollten sich aber nicht Blind auf einen positiven Ausgang verlassen, sondern den täglichen Kursverlauf der Aktie genauestens beobachten. Bei ungewöhnlichen Kursabschlägen sollte zur Gewinnsicherung ein Verkauf der Aktie in Erwägung gezogen werden. Denn wie so oft, weisen Kursbewegungen ohne einen entsprechenden News Flow auf Insidertransaktionen hin. Ungewöhnliche Kursverluste über einen längeren Zeitraum hinweg sind meist ein Hinweis auf das Durchsickern negativer Daten.
Sollten die anstehenden Phase III Daten nämlich gegen Phenserine sprechen, dann dürfte Axonyx wohl wieder auf Pennystock-Niveau fallen. Im Falle des positive Abschneidens von Phenserine wäre dann wohl mit dem gegenteiligen Szenario zu rechnen. Bei Axonyx gilt also Sieg oder Niederlage, was in Bezug auf die Aktie eine Kursexplosion oder aber einen gigantischen Kurssturz bedeuten dürfte. Noch spricht nichts gegen oder für das eine oder andere Szenario, doch Wachsamkeit ist angebracht, will man eine ähnliche Katastrophe wie im Falle von Genta vermeiden.
Der Kurssturz Genta’s wird vielen Anlegern noch deutlich im Gedächtnis sein, Die Aktie war damals nach einem negativen Votum eines FDA-Beratergremiums für den Hoffnungsträger Genasense abgetaucht und konnte sich seither nicht mehr erholen. Axonyx-Anleger sollten sich den täglichen Blick ins Depot also zu einer Routineaufgabe machen, um möglichst frühzeitig auf erste Anzeichen eines möglichen Absturzes reagieren zu können.
Frau Hörrlein war sechs Jahre in der medizinischen Forschung in den Bereichen Humangenetik, Molekularbiologie, Zellbiologie, Proteinchemie und Pharmakologie tätig. Infos: www.biotech-experte.de. Ein Service der BörseGo GmbH.
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