Börse Frankfurt Sentiment-Analyse zum TecDAX: TecDAX verführt zu Gewinnmitnahmen
19. November. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Rettungspaket für alle! Die Banken haben es schon, die deutsche GM-Tochter Opel will es gern und selbst der milliardenschwere Unternehmer Adolf Merckle hat sich nach einer Fehlspekulation in die Schlange der Bittsteller eingereiht. Wie wäre es da mit staatlicher Hilfe für die Unternehmen aus dem Sektor "Alternative Energien"? Schließlich haben die TecDAX-Mitglieder des Ökosektors innerhalb der letzten drei Monate allesamt zwischen 50 und 70 Prozent ihres Börsenwerts eingebüßt. Die Branche sendet jedoch widersprüchliche Signale: Manche stemmen sich tapfer gegen die Krise, wie einzelne gute Quartalsergebnisse belegen und Solarworld prescht gar mit einem fast bizarr anmutenden Übernahmeangebot für die deutschen Opel-Werke vor. Doch unzählige finanzierungsintensive Ökostrom-Projekte leiden gegenwärtig bereits unter den restriktiveren Kreditvergabepraktiken der Banken und zu allem Übel lässt der gefallene Ölpreis eine Investition in erneuerbare Energien längst nicht mehr so attraktiv dastehen, wie noch vor einigen Wochen.
Wer glaubt, dass die Investoren angesichts solch trüber Aussichten in Missmut verfallen, dem müssen wir indes eine klare Absage erteilen. Denn die von der Börse Frankfurt befragten Börsianer, vornehmlich jedoch die Profianleger, zeigen sich so gut gelaunt wie zuletzt vor drei Wochen. Eigentlich hatten es die Bären ja auf neue TecDAX-Jahrestiefs abgesehen, doch sie konnten offenbar der Verführung, Gewinne mitzunehmen, nicht länger widerstehen. Mehr noch: Weil der TecDAX nun in fast greifbarer Nähe zu seinem Oktobertief gehandelt wird, konnten sie deutsche Technologietitel zu gefühlten Schnäppchenpreisen ergattern. Die abtrünnigen Pessimisten ließen sich diese günstige Gelegenheit genauso wenig entgehen wie ein Gutteil der vormals neutral positionierten Institutionellen. Wie so oft haben die Privatanleger jedoch einen anderen Weg eingeschlagen. Sie dürften von den Kursverlusten und neuen mehrjährigen Tiefstständen an Amerikas Aktienbörsen verschreckt worden sein, so dass einige Optimisten der Vorwoche den Rückzug antraten. Unser Sentiment-Barometer, der Bull/Bear-Index®, wird derweil wieder auf das Ende Oktober markierte Niveau gehievt.
Die Kaufbemühungen der institutionellen Anleger haben den TecDAX nicht vor weiteren Verlusten bewahren können. Zu groß ist offenbar immer noch der Druck aus langfristigen Quellen, die nach wie vor über Wohl und Wehe des deutschen Technologieindex bestimmen. Die Aussichten haben sich nach den jüngsten Zukäufen aus dem mittelfristigen Lager nicht gerade verbessert. Denn nun, da das Gros der Akteure nicht mehr an ein neues Jahrestief glauben mag, ist selbiges wieder wahrscheinlicher geworden.
Christin Stock, cognitrend
Die Börse Frankfurt ist mit Abstand die größte und umsatzstärkste der sieben deutschen Wertpapierbörsen. Sie bietet für jede Investmentstrategie das optimale Produkt.
Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die Smarthouse Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.
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