Bundesbank erwartet im 4. Quartal empfindliche Konjunkturdämpfung
Von Hans Bentzien DOW JONES NEWSWIRES FRANKFURT (Dow Jones)--Die Deutsche Bundesbank rechnet für das vierte Quartal angesichts einer schwachen Exportnachfrage und ausbleibender binnenwirtschaftlicher Impulse mit einer weiteren Konjunkturabschwächung in Deutschland. Wie die Bundesbank in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht mitteilte, sieht sie jedoch gewisse Hoffnungszeichen für die Wirtschaft im Rückgang der Inflationsrate, dem bis zuletzt robusten Arbeitsmarkt und den staatlichen Programmen zur Stabilisierung der Finanzsektoren bei wichtigen Handelspartnern Deutschlands.
Die Bundesbank konstatiert für das abgelaufene dritte Quartal eine schwache Entwicklung besonders im verarbeitende Gewerbe, schätzt jedoch ein: "Über alle Sektoren betrachtet, dürfte das Aktivitätsniveau aber noch im Bereich der Normalauslastung geblieben sein. Allerdings zeichnet sich für das Schlussquartal erneut ein empfindlicher Dämpfer ab."
Laut Bundesbank ist in Deutschland bisher keine restriktivere Kreditvergabe erkennbar, vielmehr treffe die Finanzkrise die Realwirtschaft vor allem über ein schwächeres außenwirtschaftliches Umfeld und das belastete Vertrauensklima. Die Nachfrage in ihren wichtigsten Absatzregionen werde die deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten "nicht ohne einen empfindlichen Rückschlag wegstecken können, zumal nennenswerte positive binnenwirtschaftliche Impulse kurzfristig nicht zu erwarten sind", prognostiziert die Bundesbank.
Nach ihrer Berechnung sind die Importe im dritten Quartal in realer Rechnung gegenüber dem Vorquartal um 3-1/2% gestiegen, die Importe jedoch um 3/4% gesunken.
Dem privaten Konsum attestiert die Bundesbank für das dritte Quartal eine "wahrscheinlich noch gut behauptete" Entwicklung, geht aber angesichts der schwachen Grundtendenz der realen Verbrauchsausgaben und der niedrigen Anschaffungsneigung davon aus, "dass das Konsumklima in Deutschland nach wie vor gestört ist".
Positiv könnte sich nach Aussage der Bundesbank bemerkbar machen, dass in einer Reihe der am stärksten von der Finanzkrise betroffenen Länder staatliche Stützungsmaßnahmen für Finanzinstitute ergriffen wurden und dass die Energie- und Rohstoffpreise massiv gesunken seien. "Schließlich lässt die bis zuletzt recht robuste Arbeitsmarktlage mit Blick in das kommende Jahr hinein hoffen, dass die gegenwärtige konjunkturelle Abkühlung der deutschen Wirtschaft nicht in eine sich selbst verstärkende hartnäckige Abschwungphase einmündet", heißt es in dem Monatsbericht.
Hinsichtlich der öffentlichen Finanzen geht die Bundesbank davon aus, dass das Budgetdefizit 2009 eine spürbare Größenordnung erreichen könnte. Dies gelte für ein Basisszenario unter Einschluss der jüngsten Regierungsbeschlüsse und eines erheblichen Rückgang der gewinnabhängigen Steuern. Allerdings bezieht dieses Szenario noch nicht mögliche Mehrausgaben im Zusammenhang mit Stützungsmaßnahmen für Finanzinstitute ein.
Abschließend lobt die Bundesbank die Maßnahmen der Finanzpolitik zur Finanzmarktstabilisierung als "erheblichen Stabilisierungsbeitrag, der einer systemischen Finanzkrise in Deutschland vorbeugt, ohne dass dies in den üblichen Indikatoren zur Messung des Expansionsgrades der Finanzpolitik aufscheint". Hinsichtlich der parallel geplanten Maßnahmen zur Konjunkturstützung warnt die Bundesbank allerdings davor, deren Einfluss überzubewerten.
Deutschland hat aus Sicht der Bundesbank wegen der jüngsten Haushaltskonsolidierung einen gewissen Spielraum für Ausgaben, ohne dabei die Einhaltung der Defizitobergrenze von 3% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu gefährden. Vor diesem Hintergrund hält sie weitere staatliche Stützungsmaßnahmen unter bestimmen Umständen für angemessen:
"Umfangreichere zusätzliche finanzpolitische Stabilisierungsprogramme ließen sich rechtfertigen, wenn eine außergewöhnliche Rezession für wahrscheinlich gehalten wird", heißt es im Monatsbericht. Allerdings sollten weitere, nicht gegenfinanzierte konjunkturstützende Maßnahmen nur sehr vorübergehenden Charakter haben.
-Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 297 25 313, Hans.Bentzien@dowjones.com DJG/hab/apo (END) Dow Jones Newswires
November 20, 2008 06:00 ET (11:00 GMT)
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