19.04.2008 10:45
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DaxVestor-Kolumne: „Heuschrecke“ steigt bei Hypo Real Estate ein

Langeweile kommt derzeit nicht auf an den Börsen. Jede Menge Unternehmensnews und dazu auch noch Konjunkturmeldungen und andere Nachrichten führen derzeit zu starken Kursbewegungen. Einer Revolution kommt beispielsweise der Einstieg des Finanzinvestors JC Flowers gleich. Erstmals übernimmt eine Heuschrecke bei einem DAX-Konzern ein großes Aktienpaket.

HRE-Aktie springt um 25 Prozent

Ausgerechnet bei der Skandalnudel Hypo Real Estate ist der US-Finanzinvestor JC Flowers mit einem Angebot von 22,50 Euro je Aktie eingestiegen. Der ehemalige Goldman Sachs Banker Flowers strebt einen Anteil von knapp 25 Prozent an und denkt angeblich nicht an eine Komplettübernahme. Seine Strategie ist allerdings noch nicht erkennbar. JC Flowers ist auch an der HSH Nordbank beteiligt und zeigte ebenfalls Interesse an der WestLB und der IKB. So oder so: Die HRE-Aktie, die deutlich unter dem Angebot notierte, sprang am Mittwoch um über 25 Prozent nach oben. Wir bleiben gegenüber dem Titel dennoch skeptisch, da das Management zuviel Porzellan zerdeppert hat und die Charttechnik weiterhin negativ erscheint. Um über zehn Prozent nach unten ging es dagegen mit der Nokia-Aktie. Der Handy-Konzern konnte zwar den Gewinn je Aktie auf 0,32 (0,25) Euro steigern, verfehlte jedoch die Erwartungen von 0,35 Euro deutlich. Noch mehr schockte jedoch der Ausblick die Märkte. Der Konzern sieht aufgrund des schwachen Dollars und der Konjunkturrisiken in den USA den Handymarkt schrumpfen. Zudem sieht Nokia bei den Handys sinkende Preise für die Geräte. Diese Aussichten, die quasi eine Gewinnwarnung für die gesamte Branche sind, schickten die Aktie auf Talfahrt.

Gute und schlechte Nachrichten aus den USA

Eine gemischte Bilanz lässt sich aus den jüngsten US-Daten ziehen. Während IBM die Märkte mit überraschend hohem Gewinn und Umsatz sowie einer Aufstockung der Gewinnprognose positiv überraschte, musste Merrill Lynch neue Milliardenverluste bekannt geben. Die Investmentbank meldete für das erste Quartal einen Verlust von 1,97 Mrd. USD und kündigte massive Stellenstreichungen an. 4.000 Mitarbeiter müssen gehen, was für das Unternehmen zunächst einmal Restrukturierungskosten in Höhe von 350 Mio. USD verursacht. Mit dem Verlust von 2,20 USD je Aktie liegt das Institut deutlich schlechter als von den Analysten erwartet: Die hatten im Schnitt mit einem Verlust von 1,90 USD gerechnet. Auch andere Finanzinstitute sind noch nicht aus dem Schneider, so dass mit weiteren negativen Überraschungen gerechnet werden muss. Dass dies nicht unbedingt für andere Branchen zutrifft, zeigt das Beispiel IBM. Das Unternehmen steht auch deshalb so gut da, weil man sich nicht auf den US-Markt allein fokussiert hat, sondern auch in Europa und Asien starke Standbeine besitzt.

Nachlassender Inflationsdruck in den USA

Für etwas Beruhigung sorgten die jüngsten Konjunkturdaten, die auf einen nachlassenden Inflationsdruck in den USA hinweisen. Die Verbraucherpreise sind im März um 0,3 Prozent und damit im Rahmen der Erwartungen gestiegen. Vor allem bei den Daten zur Kerninflation machte sich ein langsamerer Anstieg bemerkbar. Diese Entwicklung unterstützt die US-Notenbank Fed bei ihrem rigorosen Zinssenkungskurs. Schwach war der Geschäftsklimaindex für die Region Philadelphia, der Philly Fed Index. Er fiel im April überraschend stark von -17,4 auf -24,9 Punkte. Das ist der niedrigste Wert seit 2001. Der Index betrifft zwar nur den Notenbankdistrikt von Philadelphia, er gilt aber als guter voraus laufender Indikator für das gesamte verarbeitende Gewerbe in den USA.

DAX: Neuer Anlauf auf 6.800 Punkte

Wie erwartet zeigt sich der DAX angesichts der zu verarbeitenden Datenflut zwar launisch, insgesamt jedoch mit leicht aufwärts gerichteter Tendenz, zumal die kurzfristige Unterstützung bei 6.600 Punkten gehalten hat. Am Freitag konnte der Index den Widerstand bei 6.800 Zählern überwinden. Die Quartalssaison wird bis auf weiteres den Markt bestimmen. Wir gehen davon aus, dass die Tendenz insgesamt leicht nach oben gerichtet bleibt. Größere Kursschwankungen sind jedoch weiterhin jederzeit möglich.



Stefan Böhm (Diplom-Volkswirt) ist Chef-Redakteur des DaxVestor Börsenbriefs. Weitere Informationen finden Sie unter: www.dax-vestor.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die Smarthouse Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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