Europas Börsen dank Rettungspaketen mit Kursfeuerwerk
FRANKFURT (Dow Jones)--Mit einem Kursfeuerwerk haben die europäischen Börsen am Montag die nationalen Rettungspakete der Eurogruppe gefeiert. Der Euro-Stoxx-50 sprang um 11% oder 267 auf 2.688 Punkte, der Stoxx-50 legte um 10,8% oder 225 auf 2.320 Zähler zu. Nahezu alle europäischen Index-Aktien schlossen deutlich im Plus; bei den Länderbörsen ragten Wien mit fast 13% Kursgewinn hervor. Massive Kursgewinne von bis zu 16% zeigten Versorger, Automobil, Bau und Rohstoff-Werte. Hier nahm die Sorge vor einem Konjunktureinbruch ab.
Vor allem die Rettunspakete aus England, Frankreich und Deutschland wurden im Handel gelobt. In England greift der Staat zu einer Teilverstaatlichung der Banken, Frankreich stellt bis zu 360 Mrd EUR für den Finanzsektor bereit und Deutschland sogar 480 Mrd EUR. "Damit sind die Markterwartungen an die Krisensitzungen vom Wochenende weit übertroffen worden", erklärte ein Pariser Händler.
Angesichts des zuvor "freien Falls" an den globalen Finanzmärkten glauben die Analysten der UBS nun, dass sich die Krise mit der massiven Rekapitalisierung des Bankensektors durch den Staat schnell ihrem "Finale" nähert. Die teilweise Nationalisierung des Bankensektors, mit dem die Solvenz sichergestellt und das Vertrauen zurückkehren soll, sei der entscheidende Moment für den "Anfang vom Ende der Finanzkrise", heißt es. Aus historischer Sicht sei die staatlich gesponsorte Rekapitalisierung stets der Katalysator für eine nachhaltige Neubewertung des Bankensektors gewesen. Aus charttechnischer Sicht trifft der Euro-Stoxx-50-Index nun bei 2.860 Punkten auf Widerstand. Unterstützt ist das Kursbarometer der Standardwerte aus dem Euroraum bei 2.375 Zählern.
Banken mit kräftiger Rally, aber gemischten Vorzeichen
Banktitel reagierten mit einer kräftigen Rally auf die Rettungspakete; der Sektor-Index stieg um 8,1%. Für zusätzlichen Optimismus im Markt sorgte der Vollzug des Einstiegs von Mitsubishi UFJ bei Morgan Stanley. "Zuletzt war doch immer wieder Unsicherheit aufgekommen, ob der Deal nicht doch platzt", sagte ein Händler. Credit Suisse stiegen um 27,9% auf 43,82 CHF, Intesa um knapp 16% auf 3,36 EUR und Banco Santander um 12,4% auf 10,19 EUR. Bei den Versicherern, die im Schnitt um 11,8% zulegten, ragten ING Groep mit plus 27% auf 13,26 EUR hervor. Auch Swiss Re sprangen um 21,6% auf 45,80 CHF.
Mit negativen Vorzeichen schlossen hingegen die Papiere von HBOS, Lloyds und Royal Bank of Scotland (RBS). Die Institute wollen erwartungsgemäß zur Stärkung der Kapitalausstattung eine Kapitalerhöhung durchführen. Großbritannien wird die Finanzhäuser im Gegenzug für die finanzielle Unterstützung teilweise unter seine Kontrolle nehmen. HBOS verloren knapp 28%, Lloyds 14,5% und RBS 8,4%. Barclays verzichteten hingegen auf staatliche Hilfe und legten um 3,8% zu auf 215 p. "Das ist ein Zeichen von Stärke und wird jetzt vom Markt honoriert", so ein Händler.
Societe Generale schlossen 2% tiefer bei 49 EUR glatt, erholten sich damit aber von einem zwischenzeitlichen Minus von 15%. Hier hatten Marktgerüchte über Verluste mit Derivaten und eine bevorstehende staatliche Intervention bzw Kapitalerhöhung belastet. Das Institut dementierte umgehend und forderte zudem von der französischen Börsenaufsicht AMF eine Untersuchung, wer die Gerüchte in Umlauf gebracht habe. "Die Reaktion zeigte einfach, wie nervös die Märkte noch sind", so ein Teilnehmer.
Rezessionsangst lässt nach - Kursfeuerwerk bei Konjunktur-Werten
Nachlassende Rezessionsängste sorgten für kräftige Kursgewinne bei Auto-, Bau und Rohstoffwerten. "Die Rezessionsängste waren bei den Autos nach den Minenwerten am stärksten", sagte ein Händler. Einige Titel wie Daimler und Fiat schlossen bis zu 16% im Plus, Renault und Peugeot-Citroen sprangen um 16% bzw 14%. Auch die Bauwerte Saint-Gobain und Vinci stiegen um über 18% an. Selbst die zuvor gebeutelten Versorger erholten sich von den Refinanzierungs-Ängsten. Unter anderem stiegen Suez um fast 21% auf 27,49 EUR und Enel um 18,4% auf 5,45 EUR.
Zu den wenigen Verlierern zählten Philips. Das Zahlenwerk des niederländischen Elektronikkonzerns wies zwar einen leicht höheren Nettogewinn aus, jedoch zeigten sich Umsatzeinbrüche in den Schwellenländern. Philips verloren 3,2% auf 15,28 EUR.
Bei den Tech-Werten stiegen Infineon um 14,4% auf 3,14 EUR. Hier beflügelte die Nachricht vom Verkauf des Qimonda Joint-Ventures Inotera an Micron. "Damit hat sich Qimonda Liquidität gesichert, die den Druck von Infineon nimmt, trotz gegenteiliger Zusagen doch noch Mittel in den Quartal für Quartal Bargeld verbrennenden DRAM-Hersteller zu schießen", sagte Eerik Budarz, Analyst beim Bankhaus Metzler, mit Blick auf die Einnahmen von 400 Mio USD. Auch die anderen Halbleiter-Hersteller legten deutlich zu. So gewannen ASM Holding 4,3% und ST Micro stiegen um 7,2%.
Europäische Schlussindizes am Montag, den 13. Oktober: === Index Schluss- Veränd. Veränd. Veränd. stand abs. in % seit Jahresbeginn DJ Europe EuroSTOXX50 2688,32 266,45 11,00 -38,90 STOXX 50 2319,85 225,35 10,76 -37,03 STOXX 600 225,36 20,23 9,86 -38,20 London FTSE 100 4256,90 324,80 8,26 -34,07 Frankfurt Xetra DAX 5062,45 518,14 11,40 -37,25 Paris CAC40 3531,50 355,01 11,18 -37,10 Amsterdam AEX 285,27 27,22 10,55 -44,69 Athen ASE 2506,45 134,36 5,66 -51,60 Brüssel BEL-20 2324,80 201,36 9,48 -43,67 Kopenhagen KFX 308,63 27,96 9,96 -33,50 Dublin ISEQ 2942,47 71,22 2,48 -57,57 Helsinki HEX 6193,69 394,26 6,80 -46,60 Istanbul IMKB-100 28961,94 466,01 1,64 -47,85 Lissabon PSI General 2272,65 211,00 10,23 -44,89 Madrid IBEX 35 9955,70 958,00 10,65 -34,43 Mailand S&P/MIB 22642 2333 11,49 -41,27 Oslo OBX Stock 304,43 16,69 5,80 -46,59 Prag PX 981,50 93,00 10,47 -45,93 Moskau RTS 791,20 -53,55 -6,34 -65,46 Wien ATX 2257,78 255,73 12,77 -49,97 Zürich SMI 5956,32 609,10 11,39 -29,80 === DJG/mod/ros (END) Dow Jones Newswires
October 13, 2008 12:32 ET (16:32 GMT)
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