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FOCUS: Allianz verkauft ungeliebte Tochter an Commerzbank
Von Ulrike Dauer und William Launder DOW JONES NEWSWIRES FRANKFURT (Dow Jones)--Die Allianz SE trennt sich nach sieben Jahren endgültig von ihrer unprofitablen Tochter Dresdner Bank und verkauft sie für 9,8 Mrd EUR an die Commerzbank. Zugleich hat der Versicherer erreicht, dass eine Vertriebspartnerschaft für die eigenen Versicherungs- und Vermögensverwaltungsprodukte gesichert ist. So geht die Fondstochter der Commerzbank, Cominvest, für etwa 700 Mio EUR an die Allianz.
Und die Kombination aus Commerzbank und Dresdner Bank wird künftig Versicherungen der Allianz anbieten. Die bisherige Zusammenarbeit der Commerzbank im Versicherungsbereich mit dem italienischen Assicurazioni Generali SpA wird nach dem Auslaufen des Vertrags nicht fortgesetzt. Darüber hinaus wird Allianz Global Investors der bevorzugte Partner des neuen Instituts im Asset Management.
Mit dem Verkauf der Dresdner Bank wird die Allianz jetzt ihr Engagement im Bankensektor deutlich reduzieren. Die Allianz hatte die Dresdner Bank 2001 für 24 Mrd EUR übernommen und trotz zahlreicher Restrukturierungsbemühungen seitdem unter der Tochter gelitten. Die Dresdner Bank, die 95% des Bankgeschäfts der Allianz ausmachte, hat zwar seit 2001 mehr als 17.000 Stellen abgebaut, allerdings gilt die Kostenstruktur als immer noch zu hoch im Vergleich zu den Einnahmen und den Wettbewerbern.
Vor allem die Investmentbanking-Sparte Dresdner Kleinwort erwirtschaftete immer wieder hohe Verluste. Zuletzt wurden die Probleme im Zuge der Finanzkrise noch größer. Im zweiten Quartal wies die Dresdner Bank einen operativen Verlust von 566 Mio EUR aus. Insgesamt belaufen sich die Belastungen durch die Finanzkrise auf rund 3 Mrd EUR. Anfang des Jahres hatte die Allianz eine Aufspaltung der Dresdner Bank in das Privat- und Firmenkundengeschäft sowie in die Investmentbank Dresdner Kleinwort beschlossen.
Mit dem Kauf der Dresdner Bank durch Commerzbank wird es nun zu einem umfassenden Stellenabbau kommen. Die Commerzbank hat dieselben Geschäftsschwerpunkte - Verkauf von Anlageprodukten an Privatkunden und das Ausreichen von Krediten an mittelständische Unternehmen - wie die Dresdner Bank. Entsprechend groß sind die Überschneidungen der beiden Banken. Zudem gibt es viele Überlappungen in den zentralen Verwaltungen der beiden Unternehmen.
Nach Angaben der Commerzbank sollen nun von den insgesamt 67.000 Arbeitsplätzen 9.000 Stellen abgebaut werden, davon 2.500 im Ausland. Dies soll sozialverträglich und bis 2011 ohne betriebsbedingte Kündigungen geschehen. Dresdner und Commerzbank kommen im Inland zusammen auf rund 1.500 Filialen. Geplant sei eine Reduzierung auf 1.200, hieß es. Die Marke Dresdner Bank soll voraussichtlich verschwinden.
Mit dem Verkauf der Dresdner Bank habe die Allianz eine Chance, sich nun stärker auf die Herausforderungen im Versicherungsgeschäft und in der Vermögensverwaltung zu konzentrieren, sagte Michael Huttner, Analyst bei JP Morgan. So seien auf der Versicherungsseite die Einsparungen nicht erreicht worden und auch einige der jüngsten Zukäufe hätten sich als wenig erfolgreich gezeigt. "Vielleicht sollte sich die Allianz aufs Kerngeschäft konzentrieren und die Expansion lassen", so Huttner weiter.
Dass die Allianz verstärkt ihre Produkte über die Bankschalter der fusionierten Commerzbank/Dresdner Bank verkauft, ist erst mit dem Auslaufen der bestehenden Vertriebsvereinbarung von Commerzbank und Generali möglich. Vor der Transaktion hielt Generali zudem eine Beteiligung von 8,8% an der Commerzbank.
Der Kauf der Dresdner Bank durch die Commerzbank ist die größte Bankenfusion seit dem Kauf der HypoVereinsbank durch Unicredit. Der letzte vergleichbare innerdeutsche Bankenzusammenschluss war jener der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank AG mit der Bayerischen Vereinsbank AG. Die neue fusionierte Bank aus Commerzbank und Dresdner Bank wird klar die Nummer zwei in Deutschland sein. Sie kommt auf eine Bilanzsumme von über 1,1 Bill EUR und 12 Millionen Privatkunden.
Nach Aussage von Analysten ist die Konsolidierung der deutschen Bankenbranche mit dem Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank einen großen Schritt weiter gekommen und wird wahrscheinlich anhalten. Noch steht aller Voraussicht nach die Deutsche Postbank AG zum Verkauf. Und die Deutsche Bank habe einige Runden bei den Merger & Acquisitions ausgelassen, so ein Analyst.
Webseiten: http://www.commerzbank.de http://www.allianz.com http://www.dresdnerbank.de
-Von Ulrike Dauer, Dow Jones Newswires, +49 (0) 69 29 725 108, unternehmen.de@dowjones.com DJG/cbr/smh (END) Dow Jones Newswires
September 01, 2008 02:52 ET (06:52 GMT)
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