20.08.2008 07:12
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FOCUS: Späterer Postbank-Verkauf positiv für Deutsche Post

Von Ulrike Dauer DOW JONES NEWSWIRES

FRANKFURT (Dow Jones)--Eine Verschiebung des Verkaufs der Deutschen Postbank wäre - sollte es so kommen - unter Umständen von Vorteil für die Deutsche Post. Wenn sich die Finanzmärkte erholen und die Bewertung von Finanzaktien steigt, werde die Deutsche Post einen Nutzen aus einer Verschiebung ziehen können, sagen Analysten. Die Deutsche Post hält eine Beteiligung von 50% plus eine Aktie an der Postbank. Einem Medienbericht vom Dienstag zufolge sollen die Verhandlungen der Deutschen Post mit potenziellen Interessenten für ihre Tochter Deutschen Postbank zum Erliegen gekommen sein. Bei den Preisvorstellungen hätten beide Seiten zu weit auseinander gelegen. Die Deutsche Post, die Postbank und einige der möglichen Kaufinteressenten wollten zu dem Thema keine Stellung nehmen. Auch die Deutsche Bank, der ein Interesse an der Postbank nachgesagt wird, wollte keinen Kommentar abgeben.

   Einige Beobachter sind der Auffassung, die Deutsche Post sollte und müsste auf jeden Fall einen besseren Moment für den Anteilsverkauf abwarten. "Es gibt keinen schlechteren Zeitpunkt zum Verkauf einer Bank als in der gegenwärtigen Krise, sagte Dirk Becker von der Landsbanki Kepler.

   "Sie sollten die Verhandlungen für ein Jahr auf Eis legen und dann wieder aufnehmen, wenn alle Risiken im Zusammenhang mit der Finanzkrise beseitigt sind", sagte der Analyst weiter. Ein weiterer Analyst fügte an: "Die Deutsche Post, die zufriedenstellende operative Ergebnisse ausweist, steht nicht unter Druck, die Postbank zu verkaufen".

   Die Aktie der Deutschen Postbank reagierte am Dienstag mit einem Kursverlust auf den Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, wonach die Verhandlungen der Deutschen Post mit den Interessenten zum Stillstand gekommen sind. Die Postbank-Aktie verlor 6,5% auf 40,01 EUR. Die Postbank wird an der Börse damit nur noch mit 6,6 Mrd EUR bewertet.

   Einige informierte Personen sagten Dow Jones Newswires, der Verkaufsprozess liege brach. Eine andere informierte Person sagte aber, der Eindruck sei, dass die Verhandlungen weder abgebrochen noch beendet seien. Die "Financial Times Deutschland" schreibt wiederum in ihrer Mittwochausgabe, eine Entscheidung über einen Verkauf solle spätestens Anfang Oktober erfolgen, ein denkbarer Zeitpunkt sei auch ein Führungskräftetreffen der Postbank am 17. und 18. September. Ein Post-Sprecher wollte hierzu am Mittwoch keine Stellung nehmen.

   Am Wochenende hatte der Post-Vorstandsvorsitzende Frank Appel der Zeitung "Generalanzeiger" gesagt, die Deutsche Post werde sich nicht durch Nennung eines Verkaufstermins unter Zeitdruck setzen. Er rechne mit einer Entscheidung in absehbarer Zeit. Der Prozess werde "nicht mehr ewig dauern", hatte der Manager weiter gesagt.

   Beim Verkauf der Banktochter müsse allerdings das Angebot stimmen. "Das Problem ist, dass es wegen der Finanzkrise derzeit sehr wenige gibt, die sich die Postbank leisten können", hatte Appel gesagt und ergänzt, dass die Post ihre Tochter auch behalten könne.

   Ein Analyst sagte, in der gegenwärtigen Marktsituation, in der die Bewertungen der Banken unter Druck stehen, sei es wahrscheinlich schwer, einen Konsens über den Preis zu erzielen". "Zudem dürfte der Käufer es schwer haben, vor seinen Aktionären zu rechtfertigen, warum man ein Unternehmen übernimmt, dass eine höhere Bewertung als man selbst hat", sagte der Analyst weiter.

   Im Aktienkurs der Deutschen Postbank ist ein Übernahmeaufschlag enthalten, seit der frühere Post-Vorstandsvorsitzende Klaus Zumwinkel einen Verkauf der Tochter ins Spiel gebracht hatte. Nach seinen Äußerungen hatte die Aktie deutlich zugelegt, und die Marktbewertung der Bank kletterte zeitweise auf bis zu 10 Mrd EUR.

   Analyst Dirk Becker sagte, von einem politischen Standpunkt aus betrachtet wäre ein Postbank-Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt wohl besser als später. Der Käufer dürfte bei der Postbank Stellen abbauen, was Druck für die 2009 anstehenden Bundestagswahlen bedeuten könnte. Zudem laufe das Vetorecht der Regierung zum möglichen Käufer im Januar aus. Die Bundesregierung hält einen Anteil von rund 31% an der Deutschen Post über die KfW.

   Allerdings könnte eine Verschiebung des Verkaufs der Postbank Zeit geben, um ihre Hausaufgaben im Zusammenhang mit der Finanzkrise zu machen, so Becker weiter. Sie könnte dann, wenn die Krise vorbei sei, mit einer sauberen Bilanz wieder neu erscheinen. Er rechnet allerdings damit, dass die Krise noch einige Quartale dauern wird. "Definitiv bis 2009", fügte der Analyst hinzu.

   Höchstwahrscheinlich müsse die Bank noch 1 Mrd EUR auf ihr 5,7 Mrd EUR schweres Portfolio von CDOs und strukturierte Finanzprodukte wertberichtigen, erwartet der Experte. Die Frage sei auch, ob die Bank ausreichend kapitalisiert sei. Bislang habe die Bank deutlich weniger wertberichtigt als ihre Wettbewerber, und es würde ihn überraschen, wenn die Postbank geschickter investiert habe als die anderen.

   "Wenn die Deutsche Post die Bank verkauft hätte, dann hätte sie das Problem auf eine elegante Weise gelöst", sagte Becker weiter. Die Deutsche Postbank hat seit vergangenen Sommer rund 429 Mio EUR an Wertberichtigungen auf ihre Vermögenswerte im Zusammenhang mit der Finanzkrise ausgewiesen. Zum Vergleich haben die allerdings größeren Wettbewerber Citigroup, Merrill Lynch und UBS hier bislang jeweils mehr als 35 Mrd USD berichtet.

Webseiten: http://www.postbank.com http://www.dpwn.com

-Von Ulrike Dauer, Dow Jones Newswires,+49 (0)69 - 29725 108, unternehmen.de@dowjones.com DJG/DJG/cbr/jhe (END) Dow Jones Newswires

   August 20, 2008 01:10 ET (05:10 GMT)

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