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FOKUS: Argentinien lockt Automobilhersteller aus aller Welt
Dow Jones Newswires
BUENOS AIRES (Dow Jones)--Argentinien ist auf dem besten Weg, sich neben Mexiko und Brasilien als dritter großer Automobilhersteller in Lateinamerika zu positionieren. Mit einer jährlichen Kapazität von 800.000 Fahrzeugen liegt das Land zwar noch weit hinter den 3,5 Mio Fahrzeugen, die Nachbar Brasilien im Jahr vom Band laufen lassen kann, aber die Chancen stehen gut, dass sich der Abstand bald deutlich verringert.
Zwei der größten Automobilkonzerne der Welt, Volkswagen und General Motors (GM), erwägen umfangreiche Investitionen in Argentinien. Zum einen wollen die Konzerne ihre Position im lukrativen südamerikanischen Markt verbessern, zum anderen lockt das anhaltende argentinische Wirtschaftswachstum. Im Vergleich zu Brasilien sind zudem die Lohnkosten in Argentinien niedriger.
Volkswagen könnte bereits 2009 statt wie ursprünglich geplant 2010 in das Geschäft mit mittelgroßen Pickups einsteigen - und nach Aussagen von mit der Materie vertrauten Personen ist Argentinien im Gespräch, um dort eine Zweitproduktion aufzubauen. Hauptsächlich soll der "Robust Pickup" zwar in Deutschland gefertigt werden, aber daneben zieht es den größten europäischen Automobilkonzern nach Südamerika.
Die General Motors Corp (GM) wird bereits im kommenden Monat entscheiden, ob sie die Produktion eines Kleinwagen nach Argentinien verlagern will. Dabei muss sich das Land aber gegen die Konkurrenten Mexiko und Brasilien durchsetzen, die ebenfalls zur Auswahl stehen. Sollte Argentinien das Rennen gewinnen, will GM seine Kapazitäten dort mit 250 Mio USD ausweiten; geplant ist ein jährlicher Output von 110.000 Fahrzeugen.
Dies sind aber nur die jüngsten Beispiele für die Strategie der großen Automobilkonzerne, der stagnierenden Nachfrage in den stärker entwickelten Fahrzeugmärkten wie den USA und Westeuropa entgegenzuwirken und neue Einnahmequellen zu erschließen. Lateinamerika verhilft nicht zuletzt GM und dem US-Konkurrenten Ford Motor Co zu einem respektablen Gewinnfluss.
Im vergangenen Jahr wurden in Argentinien 15% mehr leichte Kfz abgesetzt als 2005, die Produktion stieg im gleichen Zeitraum um 35% auf 432.000 Einheiten. Im laufenden Jahr soll die Marke von 500.000 produzierten Pkw überschritten werden.
An der robusten Automobilbranche hängt - neben der Land- und Bauwirtschaft - der argentinische Aufschwung, so die Einschätzung der Volkswirte. In den vergangenen vier Jahren ist die argentinische Wirtschaft um jährlich mehr als 8% gewachsen, vor allem dank einer schwachen Währung und einer anhaltend starken Nachfrage nach Neuwagen sowohl in Argentinien als auch in Brasilien, dem Hauptimporteur argentinischer Fahrzeuge.
Die Nähe zu Brasilien dürfte sich auch dann als größter Vorteil für die Automobilindustrie des Landes erweisen, wenn sich das Wirtschaftswachstum wie erwartet abschwächen wird. Einige Automobilkonzerne wie Ford erwägen Brasilien als preiswerten Produktionsort für den nordamerikanischen Markt zu nutzen. Argentinien könnte von diesem Trend profitieren und die brasilianische Nachfrage befriedigen.
Als Mitglied des lateinamerikanischen Freihandelsblockes Mercosur entfallen für Exporte nach Brasilien Einfuhrzölle. Laut Adefa, dem argentinischen Verband der Automobilindustrie, entfallen mehr als 50% der Kfz-Exporte des Landes auf Brasilien.
Für Argentinien spricht zudem, dass die derzeitigen Kapazitäten von 800.000 Fahrzeugen jährlich nur zu rund 60% ausgelastet sind, während die brasilianischen Werke bei einer Kapazität von 3,5 Mio Fahrzeugen auf eine Auslastung von 75% kommen. Mit 1,8 Mio verkauften Kfz im Jahr weist der brasilianische Markt die vierfache Größe des argentinischen auf.
"Viele Automobilhersteller befinden sich in einer Situation, in der sie in Brasilien über keine Kapazitäten mehr verfügen, wohl aber in Argentinien", sagt Juliano Alquati, Automobilanalyst bei CSM Worldwide. Seiner Ansicht nach schützt eine Ausweitung der argentinischen Produktion auch vor dem teuren brasilianischen Real.
"Die strategischen Entscheidungen in Argentinien werden in Abstimmung mit Brasilien getroffen", sagte Felipe Rovers, Leiter des Argentiniengeschäfts von GM, in einem Interview. GM werde innerhalb des kommenden Monats eine Entscheidung fällen, wo in Lateinamerika das neue Modell gebaut werde.
Im vergangenen Jahr hat GM in Lateinamerika, Afrika und dem Nahen Osten 500 Mio USD verdient, wobei der größte Teil des Gewinns aus Lateinamerika stammt. In Argentinien wird bislang bereits der Chevrolet Corsa hergestellt, zudem der Suzuki Grand Vitara SUV für Argentinien und Lateinamerika.
Dabei erholt sich das Land noch von dem Wirtschaftskollaps der Jahre 2001 und 2002. Zwar hat Argentinien seitdem bereits einen weiten Weg der Erholung hinter sich gebracht, doch sehen Volkswirte unverändert Risiken für den Aufschwung. So erhebt Argentinien eine fünfprozentige Steuer auf Kfz-Exporte.
Zudem machen sich die Volkswirte über die Versuche der Regierung in Buenos Aires Sorgen, die Inflation über Preiskontrollen in den Griff zu kriegen. Das begrenzt die Gewinnmöglichkeiten für Unternehmen; zudem behindern die Preiskontrollen dringend nötige Infrastruktur- und Energieinvestitionen. Bislang scheinen die Vorteile die Risiken aber noch zu überwiegen.
So hat die chinesische Chery mit der argentinischen Gruppe Socma ein JV zur Montage von SUVs und Kleinwagen für Lateinamerika gegründet. Und Fiat und Renault sind dabei, ihre Produktion auszuweiten. Renault-CEO Carlos Ghosn sagte kürzlich bei einem Besuch in Buenos Aires: "Argentinien ist wieder ein wichtiger Markt für Renault."
Der französische Automobilkonzern kündigte an, bis 2009 rund 100 Mio USD in Argentinien investieren zu wollen. Und Nissan, der japanische Partner von Renault, erwägt ebenfalls einen Einstieg, sagte Ghosn weiter.
Fiat hat zu Jahresbeginn eine Allianz mit der indischen Tata Motors geschlossen. Die Vereinbarung sieht vor, dass in die bisher stillgelegte Fabrik im argentinischen Cordoba im kommenden Jahr 80 Mio USD investiert wird, um dort Fiat Pickups zu produzieren, deren Design von Tata stammt. Fiat und auch Volkswagen fordern damit Toyota und Ford im Markt für Pickups heraus. Und das ist das Segment in Lateinamerika, das die Gewinne sprudeln lässt.
-Von Serena Saitto und Christoph Rauwald, Dow Jones Newswires,
+49 (0)69 29 725 108, unternehmen.de@dowjones.com
DJG/DJN/mim/smh
(END) Dow Jones Newswires
May 26, 2007 03:30 ET (07:30 GMT)
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| 12.06.2008 | Volkswagen halten | Hamburger Sparkasse AG (Haspa) | |
| 30.05.2008 | Volkswagen halten | Hamburger Sparkasse AG (Haspa) | |
| 05.03.2008 | Volkswagen halten | Hamburger Sparkasse AG (Haspa) |
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| Renault | 14,7 | -3,4% | |
| Fiat | 5,0 | +4,6% | |
| Toyota Motor 1 | 47,4 | -0,1% | |
| Ford Motor | 1,1 | -15,2% | |
| General Motors | 2,2 | -7,5% |
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