Bayerische Hypo- und Vereinsbank Aktie [WKN: 802200 / ISIN: DE0008022005]

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15.07.2008 20:04
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FOKUS: Citibank-Verkauf fordert Deutsche Bank heraus

Von Ulrike Dauer und William Launder

   DOW JONES NEWSWIRES

FRANKFURT (Dow Jones)--Der Verkauf des deutschen Privatkundengeschäfts der Citigroup Inc an die französische Credit Mutuel macht es nach Einschätzung von Beobachtern wahrscheinlicher, dass sich die Deutsche Bank AG nun stärker um die Deutsche Postbank AG bemüht. Der Branchenprimus werde wohlnachdrücklichereinen Kauf der Postbank angehen und dabei auch einen höheren Preis akzeptieren, da die Zahl der inländischen Akquisitionsmöglichkeiten nun reduziert ist.

   Vergangene Woche hatte die Citigroup den Verkauf ihrer Citibank Privatkunden AG & Co KGaA an die französische Genossenschaftsbank Credit Mutuel für rund 4,9 Mrd EUR vereinbart. Damit stehen mit der Postbank und der Dresdner Bank AG, Tochter der Allianz SE, nur nochzwei bedeutende Bankenwerte in Deutschland zum Verkauf.

   "In der Position der Deutschen Bank wird man sich jetzt beeilen",sich die Postbank vor dem Zugriff anderer "zu sichern", sagtDavid Williams, Analyst bei Fox-Pitt, Kelton. Williams hält mit anderen Analysten einen Kaufpreis für die Postbank von mehr als 10 Mrd EUR für möglich, nachdem vorherige Schätzungen näher bei 9 Mrd EUR lagen. "Das ist die letzte Möglichkeit für die Deutsche Bank, ihr Privatkundengeschäft auf dem Heimatmarkt zu stärken", sagte Sebastian Reuter, Analyst bei der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Er fügte hinzu, dass die Deutsche Bank dennoch ein übertrieben hohes Angebot wahrscheinlich vermeiden werde.

   Sprecher von Deutsche Bank, Dresdner Bank und Postbank wollten die Aussagen nicht kommentieren. Auch die Deutsche Post AG, die ihren 50%-Anteil an der Postbank verkauft, gab keinen Kommentar ab.

   Die Übernahme durch Credit Mutuel gibt den Franzosen einen zweiten wichtigen Heimatmarkt in Europa. Das erhöht den Druck auf Deutsche Bank, Commerzbank, Postbank und Dresdner Bank, bei der Konsolidierung in Deutschland aktiv zu werden, wenn sie nicht von einem anderen ausländischen Konkurrenten rechts überholt werden wollen.

   Dirk Hoffmann-Becking, Analyst bei Sanford C. Bernstein, rechnet mit der Möglichkeit der Einflussnahme durch die deutsche Politik bei der Auswahl eines Käufers der Postbank. Die deutsche Regierung hat ein Vetorecht bei der Transaktion, welches Anfang Januar ausläuft und kann bis dahin mitentscheiden, wer zum Zuge kommen kann.

   "Das deutsche Bankwesen ist teilweise eine politische Angelegenheit und die deutsche Regierung wird sicher ein Interesse daran haben, einen Käufer zu finden, der ihren Absichten entgegenkommt", sagte Hoffmann-Becking. "Ich denke aber nicht, dass dadurch ein ausländischer Käufer ausgeschlossen ist", fährt er fort und weist darauf hin, dass "der Kauf der HypoVereinsbank AG (durch die italienische UniCredit SpA) von deutscher Seite begrüßt wurde".

   "Es wäre sehr schwer für den deutschen Staat, ein Angebot aus dem EU-Raum per Veto zu blockieren", sagt David Williams. Bei einigen Verkaufsverhandlungen in der Vergangenheit habe "die italienische Zentralbank das versucht und dafür Ärger bekommen".

   Commerzbank und Dresdner Bank sind bei Gesprächen über einen Zusammenschluss weit fortgeschritten, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen zu Dow Jones Newswires sagten. Beiden wird ebenfalls Interesse an einem gemeinsamen Gebot für die Postbank nachgesagt. Schließen sich beide zusammen, dann bleibt nur noch die Postbank im Angebot.

   Jüngst erschienene Berichte haben auch die französische BNP Paribas SA als potenzielle Interessentin für eine deutsche Bank ins Gespräch gebracht. Sie ergänzt damit den Kreis möglicher ausländischer Bieter für die Postbank, zu dem auch die spanische Banco Santander SA und die niederländische ING Groep NV gehören. Die Spanier hatten jedoch erst am Montag den Kauf der Alliance & Leicester plc in Großbritannien für 1,26 Mrd GBP in Aktien gemeldet, was ein gleichzeitiges Angebot für die Postbank unwahrscheinlich macht.

   Ein Käufer des Postbank-Anteilsder Deutschen Post müsste den anderen Aktionären ein Übernahmeangebot machen. Die derzeitige Marktkapitalisierung der Postbank beträgt mehr als 8 Mrd EUR. Mit einem Aufschlag von 25% könnte der Kaufpreis bis zu 10 Mrd EUR erreichen, schätzt Sebastian Reuter von Hauck & Aufhäuser.

   In einigen deutschen Medien war die Deutsche Bank als Verliererin im Kampf um das Citibank-Privatkundengeschäft bezeichnet worden. Analysten begrüßten jedoch,dass das Institut nicht bereit war, einen so hohen Preis wie Credit Mutuel zu bezahlen, der am oberen Ende der erwarteten Spanne von 3 Mrd bis 5 Mrd EUR lag. In der Tat könnte sich die Deutsche Bank bei der deutschen Citibank mit Blick auf ihr eigentliches Ziel, die Postbank, zurückgehalten haben, meint David Williams. "Citi war eine interessante Möglichkeit, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Deutsche Bank im Vorfeld des Postbank-Verkaufs zu aggressiv auftreten wollte. Die Postbank stand auf ihrer Liste immer ganz oben", so Williams weiter.

   Eine Kombination von Postbank und Deutscher Bank, der größten deutschen Bank nach Marktkapitalisierung mit einem starken Investment-Bereich und einer kleinen Privatkunden-Sparte - inklusive Norisbank und Berliner Bank -, würde Vorteile und Herausforderungen bringen, sagen Analysten.

   Dirk Hoffmann-Becking von Bernstein hält die Hebung von Synergien in einer solchen Kombination allerdings für schwierig. "Ich würde es bevorzugen, wenn sie (die Deutsche Bank) die Postbank gar nicht anfassen würde",so Hoffmann-Becking. Ein Kauf in zweistelliger Milliardenhöhe würde den Gewinn der Bank bis 2011 um 4% verwässern.

   Sebastian Reuter sieht dagegen substanzielle Einsparpotenziale durch Kostensenkungen und einen Schub auf der Ertragsseite. "Da es eine nationale Übernahme wäre, ist erhebliches Kostensenkungspotential vorhanden," sagt Reuter im Hinblick auf Überlappungen in der Verwaltung. Noch bedeutender sind die Synergien auf der Ertragsseite, da die Deutsche Bank die Filialen der Postbank und der Deutschen Post zum Ausbau ihres Kundenstammes nutzen könnte, meint Reuter.

   "Aus der Perspektive der Postbank könnte eine neue Verkaufsstrategie die nicht-aktiven Kunden aktivieren", so Reuter weiter und verweist darauf, dass bisher nur 6 Millionen bis 7 Millionen der rund 15 Millionen Postbank-Kunden auch andere Dienstleistungen der Postbank, wie Kredite, in Anspruch nehmen.

   Eine Dreierkombination aus Postbank, Dresdner Bank und Commerzbank würde nach Meinung Reuters zu mehr Stellenstreichungen führen als eine Zweierkombination Deutsche-Bank-Postbank, was für die übernehmende Seite mit einem schlechteren Bild in der Öffentlichkeit und politischem Widerstand verbunden sein könnte, so Reuter.

   Bei einer Zweierkombination Deutsche Bank-Postbank könnte der Stellenabbau durch Ausnutzen der natürlichen Fluktuation einfacher über einen längeren Zeitraum gestreckt werden, so Reuter. In einer Dreierkombination mit einer stärkeren Überlappung sei eine solche zeitliche Streckung schwerer zu realisieren.

Webseiten: http://www.deutsche-bank.de http://www.deutschepost.de http://www.postbank.de http://www.commerzbank.de http://www.dresdner-bank.de http://www.allianz.de http://www.inggroup.com http://www.santander.com http://bnpparibas.com

-Von Ulrike Dauer und William Launder, Dow Jones Newswires; +49 (0) 69 29725 104; unternehmen.de@dowjones.com DJG/DJN/mmr/jhe (END) Dow Jones Newswires

   July 15, 2008 14:00 ET (18:00 GMT)

   Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.- - 02 00 PM EDT 07-15-08



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