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FOKUS: Die Luft für einen Postbank-Verkauf wird immer dünner
DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Luft für einen Verkauf der Postbank AG wird immer dünner. Als letzter deutscher Interessent ist laut einer mit der Materie vertrauten Person nur noch die Deutsche Bank im Boot. Gleichwohl herrsche zwischen der Posttochter und der Deutschen Bank schon länger Funkstille. Beide Parteien, so wird in Frankfurter Finanzkreisen kolportiert, könnten sich nicht auf einen Preis einigen.Auch mit einem Überraschungscoup von ausländischer Seite rechnen Analysten nicht. Die Synergien mit der Postbank für ausländische Banken seien "sehr begrenzt", erklärt Analyst David Williams von Fox-Pitt, Kelton. Analyst Dirk Becker von Landsbanki Kepler erwartet aus diesem Grund ebenfalls kein Gebot von einer ausländischen Bank. "Die größten Synergien ergeben sich durch die Integration des Filialnetzes und Back Office. Dies würde bei einer ausländischen Bank, die nicht in Deutschland positioniert ist, wegfallen." Die Citibank habe Crédit Mutuel mit einer starken Kundschaft überzeugen können. "Dagegen wirkt die behördenartige Struktur der Postbank für ausländische Bieter abschreckend." Die Postbank beschäftigt weltweit 21.500 Vollzeitmitarbeiter. Davon sind 7.448 verbeamtet.
Sowohl Citibank und als auch die Dresdner Bank haben beim Preis eine hohe Messlatte gelegt. Für beide wurden nach Einschätzung des Analysten Williams Premium-Preise gezahlt. "Dagegen scheint die Deutsche Bank nicht in der Stimmung zu sein, tief in die Tasche zu greifen", sagte er zu Dow Jones Newswires.
"Gerade die negative Markreaktion bei der Commerzbank wird jede Bank zweimal überlegen lassen, bevor sie sich für einen Kauf entscheidet", sagte auch Analyst Matthew Clark von KBW. Die Commerzbank-Aktie hatte am Tag der Bekanntgabe der Übernahme der Dresdner Bank zeitweise 10% verloren. Vor allem die für die Finanzierung der Übernahme erforderliche Kapitalerhöhung hatte dem Markt nicht geschmeckt.
"In dem jetzigen Marktumfeld ist ein Verkauf der Postbank schwieriger geworden", erklärt Analyst Andreas Weese von Unicredit. "Der Aktienmarkt sieht meiner Einschätzung nach derzeit eine Wahrscheinlichkeit des Verkaufs von unter 50%. Das sollte weitgehend im Kurs bereits berücksichtigt sein."
Marktbeobachter erwarten nun eine Entscheidung der Post gegen den Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt. Gelegenheit, das mitzuteilen, hat Post-Vorstandsvorsitzender Frank Appel bei der nächsten Aufsichtsratsitzung. Diese findet am 12. September statt. Die Post wollte den Termin nicht bestätigen.
Aus Sicht der Börse hätte Appel bei einer Absage oder Verschiebung des Verkaufs nicht viel zu verlieren. "In dem jetzigen Marktumfeld würde es niemand der Post übel nehmen, sich gegen einen Verkauf zu entscheiden, zumal der Markt schon eine Absage an einen Verkauf eingepreist hat", sagte eine informierte Person, die namentlich nicht genannt werden möchte.
In den vergangenen Monaten ist der Wert der Postbank-Aktie bereits um rund ein Drittel geschrumpft. Die Marktkapitalisierung ist auf 7 Mrd EUR geschmolzen. Institutionelle Investoren scheinen nicht mehr an einen Verkauf der Postbank zu glauben und haben sich aus der Aktie zurückgezogen. "Wir sind schon längst aus dem Papier herausgegangen", sagte ein Londoner Hedge-Fondsmanager zu Dow Jones Newswires.
Zankapfel bei den Verhandlungen scheint in erster Linie der Kaufpreis zu sein. Appel, davon gehen Analysten aus, will trotz der inzwischen stark geschmolzenen Marktkapitalisierung einen Kaufpreis in einer Spanne von 9 Mrd bis 10 Mrd EUR erzielen. Das ist ein Preis, der Finanzkreisen zufolge für die Deutsche Bank zu hoch sein könnte. Auch ausländische Bieter dürften nach Einschätzung von Analyst Williams nicht bereit sein, diesen Preis zu zahlen. Ob die angeblich interessierten ausländischen Banken ING Groep und Santander noch im Rennen sind oder jemals waren, ist im Dunkeln. Beide Banken wollten sich dazu nicht äußern.
Auch die Angaben von der Deutschen Bank geben keine klare Richtung vor. Zwar will Josef Ackermann bei einer Bankenkonsolidierung in Deutschland nicht abseits stehen; gleichwohl verweist er in einem jüngeren Interview auf das schwierige Marktumfeld. In diesem Umfeld die Aktionäre von dem Mehrwert eines Deals zu überzeugen, dürfte schwierig sein. Auf Nachfrage von Dow Jones, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank: "Für uns hat sich durch das Zusammengehen von Dresdner Bank und Commerzbank nichts geändert." Inwieweit die Bank aktuell noch an der Postbank interessiert sei, wollte der Sprecher nicht kommentieren.
Einen weiteren Kursrutsch kann sich die Deutsche Bank nicht erlauben: Im vergangenen Jahr hatte das Papier in der Spitze noch knapp 118 EUR gekostet. Heute ist die Aktie für 59 EUR zu haben.
Die Bewertungen von Finanzinstituten sind durch die Bank weg wegen der Subprime-Krise stark unter Druck geraten. Daher könne eine interessierte Bank, deren eigener Wert gesunken ist, einen vergleichsweise hohen Preis für die Postbank schwerer vor ihren Aktionären rechtfertigen, erklärt Analyst Weese.
Doch was jetzt nicht ist, könnte in der Zukunft doch noch etwas werden: In einem Jahr, so ist sich Analyst Williams sicher, werden Banken eher bereit sein, einen Deal abzuschließen. Aus Finanzkreisen heißt es, Appel sei bereit, dann wieder über einen Verkauf der Postbank nachzudenken, wenn sich die Wogen an den Finanzmärkten geglättet haben.
Zudem steht die Post nicht unter einem starken Verkaufsdruck. "Appel muss die Bank nicht verkaufen", sagte ein Analyst. "Denn die Postbank verdient trotz des schwierigen Marktumfeldes immer noch Geld und ist im Privatkundengeschäft stark aufgestellt."
Webseiten: http://www.postbank.de http://www.db.com http://www.commerzbank.de http://www.dresdner-bank.de http://www.deutschepost.de
- Von Madeleine Winkler und William Launder, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 - 29725 115, madeleine.winkler@dowjones.com
DJG/maw/kla (END) Dow Jones Newswires
September 04, 2008 10:04 ET (14:04 GMT)
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