17.07.2008 12:03
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FOKUS: Dt Großbauprojekte verzögern sich wegen ausl Konkurrenz

Von Roman Kessler DOW JONES NEWSWIRES FRANKFURT (Dow Jones)--Große Bauprojekte in Deutschland kommen langsam voran, weil höherer Gewinnspannen die bedeutenden Unternehmen der Branche nach Russland, die Golfstaaten und Asien locken.

   Ein prominentes Opfer dieser Entwicklung ist die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt, deren Neubau im Volumen von 500 Mio EUR sich mindestens um ein Jahr verzögert.

   Die EZB wollte einen Generalunternehmer mit dem Bau des Wolkenkratzers beauftragen, der ein Wahrzeichen zur Frankfurter Skyline hinzufügen soll. Aber die öffentliche Ausschreibung vom August vergangenen Jahres "führte zu keinem zufriedenstellenden wirtschaftlichen Ergebnis, da das von der EZB vorgesehene Budget deutlich überschritten wurde", so die jüngste Stellungnahme der Bank. Die EZB prüft nun weitere Schritte.

   Währenddessen sind Ausschreibungen für andere Projekte wie Bahnhöfe oder den neuen Berliner Flughafen von ähnlichen Problemen betroffen. Nach einer Konsolidierungswelle in den vergangenen Jahren gibt es nur noch eine Hand voll europäischer Bauunternehmen, die Projekte dieser Größenordnung durchführen können.

   Darin liegt auch der Grund für die Schwierigkeiten. Denn die Kapazitäten der großen Bauunternehmen werden derzeit in aufstrebenden Volkswirtschaften stark nachgefragt, wo die Ausschreibungssummen höher und die Arbeitslöhne niedriger sind.

   Das Ergebnis: Konzerne wie die deutschen Hochtief AG und Bilfinger Berger AG oder die österreichische Strabag SE bezeichnen ihre Heimatmärkte als zunehmend als vergleichsweise unattraktiv. Hochtief zum Beispiel erzielt mittlerweile rund 85% ihres Umsatzes im Ausland.

   Die Konzentration der großen Branchenvertreter auf Projekte in Europa und darüber hinaus sorgt dafür, dass der Wettbewerb auf dem Heimatmarkt abnimmt. "Je größer das Projekt, desto weniger Bieter", sagt Ralf Kunkel, Sprecher der Berliner Flughäfen.

   Für den Neubau des Flughafens "Berlin Brandenburg International" vor den Toren Berlins wurden Angebote eingereicht, die 400 Mio EUR über der Budgetgrenze von 600 Mio EUR lagen.

   Gebote für große Aufträge im öffentlichen Bereich liegen derzeit häufig mit 60% über Plan, berichtet eine mit der Angelegenheit vertraute Person.

   Darunter fallen der Bau des Silberberg-Tunnels in Thüringen für eine Eisenbahnstrecke, die Erfurt mit Nürnberg verbinden soll und ein Schiffshebewerk im Finow-Kanal in der Nähe Berlins, das mit 285 Mio EUR budgetiert war. Gebote für zwei kleinere Kanalschleusen in Ostdeutschland lagen 20% über der Planung.

   "In Osteuropa ist das Wachstum höher und auch die Gewinnmargen", sagt Ralf Dörper, Analyst bei der WestLB. "Insbesondere aufwändige Aufträge wie Autobahnen, Brücken und Tunnel versprechen mehr Gewinn, während steigenden Löhne in Deutschland und die explodierenden Materialkosten die Marge auf dem Heimatmarkt manchmal auch auf 0% drücken." 2007 erwirtschaftete etwa die Strabag SE eine EBITA-Marge von 8% in Russland, 4% bis 5% in Polen und 3% in Ungarn.

   Die boomende Golfregion bietet noch verlockendere Möglichkeiten, besonders für Spezialisten, die große Einkaufszentren oder Wohnungsbauprojekte in einem engen Zeitrahmen errichten können.

   Im Gegensatz dazu erreichen die Gewinnmargen bei Großprojekten in Deutschland, zumeist nur 2% bis 3%, sagt Klaus Ulrich, Mitglied des Aufsichtsrats bei der zur Strabag gehörigen Ed. Züblin AG. "Wenn man das Geld zur Bank bringt, hat man mehr davon", sagt Ulrich.

   Die Heimkehr vieler osteuropäischer Bauarbeiter, die der wachsenden Nachfrage zu Hause folgen, ist eine zusätzliche Belastung. Das erhöht den Druck auf die Unternehmen höhere Löhne zu zahlen, weil die Lohnkonkurrenz in Deutschland abnimmt.

   Das Volumen des Gesamtmarkts in Deutschland liegt bei 240 Mrd EUR jährlich, sagt Hochtief. Das ist immer noch mehr als das Doppelte als im aufstrebenden Europa, allerdings wächst der Markt langsam und die Regulierung ist strenger.

   In Deutschland sind "die Kostenschätzungen und Budgetplanungen absolut unrealistisch und politisch beeinflusst", schimpft Henner Mahlstedt, CEO der Hochtief-Tochter Hochtief Construction AG, mit Blick auf Projekte wie den Frankfurter EZB-Neubau.

   Mit Hinweis auf den 50%-igen Preisanstieg für Stahlbeton in den vergangenen drei Monaten sagt Mahlstedt, dass die Gewinnmargen zu gering seien, um das Risiko steigender Projektkosten allein zu schultern. Zukünftig müssten Kunden bereit sein, flexiblere Verträge aufzusetzen, die Anpassungen im Fall steigender Materialkosten während eines Bauprojekts zuließen, so Mahlstedt.

   Ob das die Hinwendung zu den Märkten im Osten stoppen kann? "Ich glaube nicht, dass sich dieser Trend ändert, solange der Bauboom in Asien und anderswo anhält", sagt Mahlstedt.

Webseiten: http://www.hochtief.de http://www.bilfingerberger.de http://www.strabag.com

-Von Roman Kessler, Dow Jones Newswires, +49 (0) 69 29725 104; unternehmen.de@dowjones.com DJG/DJN/mmr/nas (END) Dow Jones Newswires

   July 17, 2008 06:00 ET (10:00 GMT)

   Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.- - 06 00 AM EDT 07-17-08



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