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FOKUS: Experten rechnen bei DHL mit Teilrückzug aus US-Geschäft
"Aus Wettbewerbsgründen scheint mir eine Kooperation mit FedEx zweifelhaft", sagte Paul Needham, Chefredakteur des internationalen Branchendienstes CEP-Research zu Dow Jones Newswires. Für den Analysten Nils Machemehl von der BHF Bank käme ein Scheitern nicht unerwartet. Bei einer Kooperation wäre der Vorteil für DHL in den USA größer gewesen als für FedEx in Europa. Ende Januar hatte die "Financial Times Deutschland" berichtet, bis Mai solle das inneramerikanische Paket- und Expressgeschäft an FedEx abgegeben werden.
Der neue Vorstandsvorsitzende der Post, Frank Appel, habe bereits darauf hingewiesen, dass der Konzern die Probleme alleine lösen könne, sagte Machemehl. Damit habe Appel den Markt auf ein Scheitern der Verhandlungen vorbereitet.
ING-Analyst Axel Funhoff schrieb in der vergangenen Woche in einer Studie unter Berufung auf Quellen aus dem Unternehmensumfeld, die Gespräche mit FedEx über eine Kooperation seien im Sande verlaufen. Die Gespräche seien mühsam gewesen, sagte er Dow Jones Newswires. Er vermute, dass FedEx glaube, das Unternehmen werde in den USA weitere Marktanteile gewinnen und habe es deshalb nicht nötig, mit einem schwächeren Kandidaten zusammenzuarbeiten.
Angesichts der wirtschaftlichen Abkühlung in den USA, rechnet Funhoff trotz angelaufener Restrukturierungen mit rund 500 Mio EUR Verlust, den die Post-Tochter DHL mit dem US-Expressgeschäft in diesem Jahr verbuchen muss: "Sollte sich die Deutsche Post einfach nur vornehmen, aus eigener Kraft zu wachsen, werden die Verluste erheblich bleiben und 300 Mio bis 400 Mio EUR kaum unterschreiten", schätzt er.
"DHL hat keine große Auswahl bei der Suche nach Partnern in den USA", urteilt Paul Needham. Als Partner könnte USPS interessant sein, der zunehmend Wachstumschancen im Express- und Paketgeschäft sieht. "USPS steht kaum in direkter Konkurrenz zu DHL und könnte mit einem landesweiten Netz als neutraler Abholer und Zusteller von DHL-Sendungen fungieren", sagte er.
Über Kooperationsabkommen arbeitet USPS, der inzwischen verstärkt auf das Auslandsgeschäft setzt, bereits mit zahlreichen Konkurrenten zusammen. So bietet USPS gemeinsam mit FedEx das internationale Premiumprodukt Global Express Guaranteed an. Bis 2013 läuft zudem ein Vertrag mit FedEX über den inneramerikanischen Lufttransport. Bei Paketen für private US-Haushalte gibt es zudem bereits eine Kooperation mit DHL.
Die Zusammenarbeit mit FedEx schließe eine Kooperation mit anderen Dienstleister nicht aus, sagte eine USPS-Sprecherin. Zu möglichen Verhandlungen mit der Post wollte sie sich nicht äußern.
Die Deutsche Post verzichtete auf eine Stellungnahme. Bei der Prüfung aller möglichen Optionen liege man im Zeitplan, hieß es lediglich. Bei der Bilanzvorlage hatte Vorstandsvorsitzender Appel gesagt: "In den USA haben wir Ergebnisprobleme in nicht akzeptabler Höhe." Zuvor hatte Finanzvorstand Murray Allan deutlich gemacht: "Uns ist wichtig, eine starke Präsenz im US-Markt zu behalten, da dieser Markt von strategischer Bedeutung ist."
Als Alternative zu einer Zusammenarbeit mit USPS sieht Needham ein Modell, dass andere Postkonkurrenten weltweit bereits erfolgreich praktizieren: Die Ausgliederung von Abholung und Zustellung am Boden an kleinere regionale Partner, während DHL sich auf die großen US-Wirtschaftszentren konzentriert. "So könnte DHL die internen Kosten deutlich reduzieren ohne ihr Geschäft, und vor allem die Kunden, aus der Hand zu geben", sagte der Branchenexperte.
Für Analyst Markus Hesse von Sal. Oppenheim ist vor allem wichtig, dass für Express Americas eine Lösung präsentiert wird, die die Verluste drastisch reduziere. Bei einer Teilausgliederung der Zustellung könnte sich DHL in den USA auf die 20 größten Städte konzentrieren, in denen die eigenen Fahrzeuge und Verteilzentren ausreichend ausgelastet seien. Der Rest würde an Subunternehmer abgegeben.
Weitere Spielarten seien denkbar, vermutete Hesse. So könnte DHL auch mit einen Spediteur mit breitflächigem Netz kooperieren, sofern dieser bereit sei, mit der Übernahme von DHL-Anlagen und Personal sein Geschäft auszubauen. Selbst wenn die Post als Incentive mehrere hundert Mio EUR zuzahle, habe sich die Trennung von unrentablen Anlagen bei 600 bis 700 Mio EUR Jahresverlust und eingesparten Investitionen binnen Jahresfrist armortisiert, sagte der Analyst.
Eine "Lösung auf Knopfdruck" werde es für den gemessen am Umsatz weltgrößten Logistikkonzern wohl nicht geben, vermutet Hesse. Er rechnet damit, dass die Lösung, die die Post im Mai präsentieren will, bis zu drei Jahre benötigen könnte. "Der Kapitalmarkt wartet auf eine Lösung, die die Kosten um 70% bis 80% senkt." Lege der Vorstand keine detailliertes und mit Zahlen untermauertes Konzept vor, werde dies der Kapitalmarkt abstrafen. "Anderenfalls wird die Reaktion sehr positiv sein", so seine Prognose.
Die Post erwartet 2008 im Expressbereich ein operatives Ergebnis von 500 Mio EUR. Insgesamt will der Konzern zwischen 4,2 Mrd und 4,7 Mrd EUR Gewinn vor Steuern und Zinsen verbuchen. 2007 hatte die Post auf Express Americas 594 Mio EUR abgeschrieben. Als Folge verbuchte sie für ihre Gesamtsparte Express bei 13,87 Mrd EUR Umsatz 174 Mio EUR operativen Verlust.
Webseiten: http://www.dpwn.de http://www.usps.gov http://www.ups.com http://www.fedex.com -Von Rüdiger Schoß, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 117, ruediger.schoss@dowjones.com DJG/rso/mim/nas (END) Dow Jones NewswiresApril 20, 2008 04:00 ET (08:00 GMT)
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