01.10.2008 11:03
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FOKUS: Spotmarktpreise bleiben Risiko für Wacker Chemie

Von Heide Oberhauser-Aslan

   Dow Jones Newswires

FRANKFURT (Dow Jones)--Die weltweite Knappheit und die hohe Nachfrage nach dem für die Photovoltaik-Branche wichtigen Grundstoff Silizium haben der Wacker Chemie AG bislang hohe Gewinnmargen in der Elektroniksparte Siltronic beschert. Einige Analysten erwarten aber ein Ende der Hochpreisphase für Silizium auf den Spotmärkten und rechnen damit, dass der Münchner MDAX-Konzern auf mittlere und lange Sicht mit sinkenden Margen in seinen Elektroniksparten rechnen muss.

   "Ich erwarte, dass sich die Spotmarktpreise für Silizium im Zeitablauf deutlich verringern werden", schätzt etwa Analyst Oliver Schwarz von equinet. Ein solcher Preisrückgang schlüge bei Wacker Chemie direkt auf die Gewinnreihen durch, urteilt ein weiterer Analyst, der namentlich nicht genannt werden will: "Sobald die Spotmarktpreise einbrechen, brechen auch die Gewinne ein".

   Zahlreiche Analysten haben daher in den vergangenen Wochen bereits ihre Wacker-Kursziele reduziert, andere überprüfen sie noch. So reduzierte zum Beispiel die WestLB am vor zwei Wochen ihr Kursziel auf 135 von 160 EUR, behielt aber ihre Empfehlung "Add" bei. Equinet senkte das Kursziel wenige Tage später auf 113 von 137 EUR.

   Bereits in den vergangenen Monaten hat die Wacker-Aktie stark an Wert verloren. Während sie nach dem Börsengang vor zwei Jahren einen Höhenflug bis auf fast 200 EUR absolvierte, hat sich ihr Wert seit Beginn dieses Jahres beinahe halbiert. Das Papier notierte am Mittwochmorgen bei 103 EUR.

   Der Wacker-Konzern mach den überwiegenden Teil seines Geschäfts mit der Elektroniksparte. Das Chemiegeschäft steuerte nur etwa 30% zum Halbjahres-EBITDA von 609 Mio EUR bei.

   Bislang profitierte Wacker beim Silizium von einer Sonderentwicklung: Der Grundstoff ist wichtig bei der Herstellung so genannter Wafern für die Halbleiterindustrie. Sie ist einer der wichtigsten Kunden des Konzerns. Siliziumwafer sind aus monokristallinem Reinstsilizium gewonnene hauchdünne Scheiben - das Ausgangsprodukt für Mikrochips.

   Zwar leidet die kostenintensive Halbleiterbranche unter einer anhaltenden Nachfrageschwäche, doch konnte sich Wacker der bislang dadurch entziehen, dass der Grundstoff Silizium auch in einer anderen, zurzeit boomenden Industrie noch eine entscheidende Rolle spielt: Der Solarindustrie.

   Diese Branche benötigt Siliziumbarren, so genannte Ingots, für die Herstellung ihrer Solarpanels. Die hohe Nachfrage und die noch begrenzten Produktionskapazitäten haben den Preis für Silizium exorbitant in die Höhe getrieben. Aktuell schätzt equinet-Analyst Schwarz, dass am Spotmarkt zwischen 450 USD und 500 USD je Kilogramm Polysilizium gezahlt werden. Wacker vereinbart nach seinen Schätzungen in seinen längerfristigen Verträgen mit der Solarindustrie Preise zwischen 100 und 120 USD je Kilogramm.

   Der Preis der Ingots ist dabei eng gekoppelt an den Preis für Polysilizium. Angesichts solch attraktiver Renditen hat Wacker Chemie die in der Halbleiterbranche nicht benötigten Kapazitäten einfach auf die besser zahlende Solarindustrie umgelenkt und damit die eigenen Margen gestärkt.

   So konnte der Spezialchemiekonzern seine wichtigste Renditekennzieffer, das Verhältnis von operativem Gewinn zu Umsatz, in den ersten sechs Monaten in der Sparte Siltronic bei stolzen 32,4% behaupten. Einige Experten bezweifeln, dass diese Marge nachhaltig sein kann. Sie erwarten zwar in diesem Jahr noch hohe Spotmarktpreise befürchten aber 2009 bereits eine Preisreduzierung.

   Analyst Schwarz etwa rechnet nächstes Jahr mit einem Rückgang der Spotmarktpreise für Polysilizium und Siliziumbarren um etwa 20%. Da von der Halbleitersparte keine wesentliche Nachfragebelebung ausgehen dürfte, könnte Wackers Siltronic-Marge bereits 2009 sinken. Mittel- bis langfristig sieht Schwarz die Spotmarktpreise sogar auf das Niveau der Kontraktpreise sinken - mit entsprechenden Folgen für die Margenentwicklung bei Wacker.

   Doch nicht alle Analysten sind so pessimistisch. Lars Hettche vom Bankhaus Metzler etwa bezeichnete es als extrem schwierig, eine Aussage zur langfristigen Margenentwicklung zu treffen. Hettche rechnet dennoch eher mit stabilen Margen und empfiehlt die Aktie zum Kauf, nennt aber derzeit kein Kursziel.

   Wacker selbst sieht die Ursachen für die jüngste Kursschwäche eher im schwachen Aktienmarkt selbst. "Nach dem, was wir vom Markt hören, steht der Kursrückgang in engem Zusammenhang mit den aktuellen Turbulenzen an den Finanzmärkten, einer niedrigen Bewertung von Peerunternehmen und dem Liquiditätsbedarf verschiedener Hedgefonds", sagte ein Sprecher auf Anfrage.

   Das Unternehmen wollte auch keine Preisprognose abgeben. "Zur Entwicklung der Spotmarktpreise können wir leider keine Aussagen treffen, da wir nur mit geringen Mengen am Spotgeschäft teilnehmen", sagte ein Sprecher. Den genauen Anteil des Solargeschäfts am Siltronic-Umsatz beziffert das Unternehmen ebenfalls nicht. "Wir haben in unserem letzten Conference Call gesagt, dass der Anteil des Solargeschäfts am Siltronic-Umsatz im Gesamtjahr 2007 bei 15% lag und wir in diesem Jahr einen höheren Wert erwarten", erkläuterte Sprecher Christof Bachmair lediglich.

   Vor dem Hintergrund der nach wie vor hohen Spotmarktpreise für Polysilizium und in Erwartung einer hohen Nachfrage auch 2009 empfehlen viele Analysten, darunter die von Citigroup, UBS oder Credit Suisse die Aktie zwar immer noch zum Kauf. Doch mehren sich kritische Stimmen, die kaum noch Kursfanatsie für den Titel sehen.

   So haben Analysten von Cheuvreux unlängst das Papier von "outperform" auf "underperform" zurückgestuft und ihr Kursziel auf 117 von zuvor 195 EUR gesenkt. Wegen der eingetrübten Aussichten in der Halbleiterindustrie rechnen sie mit sinkenden Gewinnmargen im Siliziumbereich bis in das Jahr 2010 hinein. Die wahrscheinlich gute Entwicklung im Polysiliziumgeschäft sehen sie im aktuellen Aktienkurs schon "ausreichend abgebildet".

Webseite: http://www.wacker.com/

-Von Heide Oberhauser-Aslan, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29 725 113, heide.oberhauser@dowjones.com DJG/hoa/kgb/rio (END) Dow Jones Newswires

   October 01, 2008 05:00 ET (09:00 GMT)

   Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.- - 05 00 AM EDT 10-01-08



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