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FOKUS: Vor allem die Landesbanken könnten Rettungsplan nutzen
DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Das Rettungspaket der Bundesregierung für die Finanzbranche wird nach Einschätzung von Experten wohl eher von den Landesbanken als von den großen Geldinstituten wie Deutsche Bank AG oder Commerzbank AG genutzt werden. Auch kleinere Banken könnten in einer weniger komfortablen Situation sein und somit auf die Bundeshilfe angewiesen sein, sagten Analysten zu Dow Jones Newswires. Jedoch könnten auch Großbanken zu einem solchen Schritt gezwungen werden, um möglichen Wettbewerbsnachteilen zu entgehen."Ich sehe bei keiner der Geschäftsbanken, die wir analysieren, dass akut auf der Agenda die Notwendigkeit einer Kapitalspritze des Staates steht," sagte UniCredit-Analyst Andreas Weese. "Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass es für einige Landesbanken nötig ist, die nicht die stärksten Kernkapitalquoten haben."
"Einige Landesbanken könnten eine kräftige Kapitalspritze nötig haben", sagte Banken-Analyst Andreas Pläsier von MM Warburg. Individuelle Probleme müssten noch beseitigt werden, es könnten weitere Wertberichtigungen nötig werden oder sie könnten das Geld benötigen, "um weiteres Geschäft to generieren."
Banken-Analyst Michael Seufert von der Nord/LB befürchtet jedoch, dass ein möglicher Wettbewerbsnachteil auch die anderen Banken zum Antrag auf staatliche Hilfe zwingen könnte: Möglicherweise steige nämlich die Bonität einer angeschlagenen Bank, wenn der Staat - wie in Großbritannien geschehen - in hohem Maß zur Stützung bei einer Bank einsteige. "Ist der Staat wie bei RBOS Großaktionär, müsste man eigentlich davon ausgehen, dass er bei weiteren Schwierigkeiten auch in Zukunft hilft. Dann steht zwar zum Beispiel die Deutsche Bank auf eigenen Füßen. Aber für die Bonität ihrer Anleihe ist das nicht so schön", sagte Seufert.
Die Ratingagentur Standard & Poor's berücksichtigt bei der Bonität spezielle Maßnahmen wie eine staatliche Beteiligung positiv, sofern diese nicht branchenweit gelten. Die Ratings solcher Banken werden jedoch kaum auf das Niveau eines Länderratings steigen, weil sie kommerzielle Unternehmen ohne politische Funktion sind und langfristig nicht im Besitz der Regierung bleiben sollen, stellte die Ratingagentur klar.
Über die Namen von Not leidenden Banken wollte Seufert nicht spekulieren. Für eine fundierte Prognose gebe es zu viele Variablen. Möglicherweise sei es den Banken gelungen, sich in den vergangenen Wochen zu refinanzieren. "Die Refinanzierung darf man nicht außer Acht lassen, denn niemand nutzt die Bundeshilfe gern, weil damit immer bestimmte Maßgaben der Regierung verbunden sind."
Mit Staatsbürgschaften und Bankenbeteiligungen über bis zu 500 Mrd EUR will die Bundesregierung die Auswirkungen der Finanzmarktkrise in Deutschland eindämmen. Einen entsprechenden Sonderfonds hatte das Kabinett zum Wochenauftakt beschlossen. Laut Entwurf sind Auflagen in der geschäftspolitischen Ausrichtung, gedeckelte Managervergütungen, Vorgaben für Dividendenausschüttungen oder für Kreditvergaben an kleine und mittlere Unternehmen vorgesehen. Die vorgesehenen Maßnahmen sind bis 31. Dezember 2009 befristet.
Nach Kapitalerhöhungen sollte eine zu dünne Finanzdecke deshalb kein Grund für die Deutsche Bank und die Commerzbank sein, den Staat um Hilfe zu bitten und so die Kernkapitalquote zu verbessern. "Ich sehe kurzfristig keine Notwendigkeit für die Deutsche Bank," Bundesmittel anzuzapfen, "solange hohe Verluste nicht das Eigenkapital schmälern, die Kernkapitalquote unter 8% sinkt und damit das Rating gefährdet", sagte Andreas Pläsier. Großbanken wie Deutsche Bank oder Commerzbank wurden zudem versuchen, den Einfluss des Bundes über eine Kapitalspritze zu vermeiden, weil dieser Entscheidungsprozesse verlangsame und das unternehmerische Handeln einschränke.
Zur Stärkung ihrer Kapitalbasis hatte der deutsche Marktführer in der Vorwoche zwei Tier-2-Anleihen mit zusammen rund 2 Mrd EUR Volumen ihrem Kernkapital (Tier 1) zugeschlagen. Zum Ende des dritten Quartals 2008 betrug die BIZ-Kernkapitalquote (Tier-1) rund 10%. Trotz der geplanten Übernahme von 29,75% an der Deutschen Postbank AG hatte Vorstandsvorsitzender Josef Ackermann diesen Wert zur Wochenmitte als neue Zielmarke genannt. Bislang hatte der deutsche Marktführer, der wegen der Postbank-Übernahme sein Kapital um 2,2 Mrd EUR angehoben hatte, 8% bis 9% als Ziel angegeben.
Analyst Pläsier verwies zudem darauf, dass die Kapitalerhöhung der Commerzbank um 1,1 Mrd EUR die Kernkapitalquote der Geschäftsbank ebenfalls verbessert habe. Sie betrug Ende Juni 7,4%. Vorstandsvorsitzender Martin Blessing hatte in der Vorwoche gesagt, er sehe die Kernkapitalquote zwischen 7% und 8% und damit im Rahmen der Planung.
Dem Analysten zufolge habe selbst Hypo Real Estate Holding, der bereits zur Rettung Mittel der Finanzbranche und des Bundes über 50 Mrd EUR zugesagt wurden, "eher ein Liquiditäts- als ein Kapitalisierungs-Problem". Auch der Hypothekenfinanzierer wäre deshalb kein Kandidat für eine Geldspritze der Regierung.
Einen Bedarf für eine Kapitalerhöhung unterstellt Analyst Andreas Weese von der Unicredt der Deutschen Postbank AG. Diese würde sich jedoch dafür an den Kapitalmarkt wenden und sich nicht um eine Kapitalspritze der Bundesregierung bemühen, so seine Prognose. "Für die Postbank, die ein relativ geringes Tier-1-Ratio hat, halten wir eine Rekapitalisierung über den privaten Sektor für sehr wahrscheinlich", schrieb Weese in einer Studie. Die Bank hatte Ende Juni eine Kernkapitalquote von 6,3% ausgewiesen. Jedoch zieht die Postbank dabei negative Bestandteile der Neubewertungsrücklage ab. Auf vergleichbarer Basis hätte der Wert bei 8,0% gelegen.
Die deutschen Geldinstitute werden nach Ansicht von Andreas Pläsier wohl in einem deutlich geringeren Umfang auf Bundesmittel angewiesen sein, als ihre britischen Konkurrenten: "Britische Banken haben eine deutlich geringere Kernkapitalquote. Sie beträgt rund 5%." Deutsche Banken würden mit Ausnahme der Postbank hingegen Kernkapitalquoten von mehr als 7% vorweisen.
Ein wichtiger Faktor bei der Frage ob eine Bank Bundeshilfe beanspruchen werde, sei zudem die Änderung der bisherigen "Fair Value"-Bewertungsvorschriften durch den IASB, sagt Analyst Seufert voraus. Daran hänge, ob einige Banken um Abschreibungen herumkämen. "Ich weiß deshalb nicht, ob es auf das Angebot hin zu einem Run kommen wird, wie in Großbritannien."
- Von Rüdiger Schoß, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 117, ruediger.schoss@dowjones.com DJG/rso/kla (END) Dow Jones Newswires
October 13, 2008 13:26 ET (17:26 GMT)
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