15.08.2008 13:57
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Fokus: Stada-Übernahme durch Teva zeitlich eher ungünstig

Von Heide Oberhauser-Aslan Dow Jones Newswires FRANKFURT (Dow Jones)--Erneute Übernahmegerüchte um den Bad Vilbeler Hersteller von Nachahmermedikamenten Stada haben der Aktie des Unternehmens am Freitag zu einem Höhenflug verholfen. Nach einem unbestätigten Bericht der israelischen Tageszeitung "Globes" soll der israelische Generikahersteller Teva Pharmaceuticals Interesse an einer Übernahme des deutschen MDAX-Konzerns haben. Analysten halten diese Spekulationen für durchaus sinnvoll, verweisen aber auf den für Teva eher ungünstigen Zeitpunkt und den vermutlich sehr hohen Preis.

   Strategisch mache ein Zukauf in Deutschland für Teva durchaus Sinn, erklärten die Beobachter. "Teva hat stets bekundet, am europäischen Markt weiter wachsen zu wollen", sagte Analystin Leslie Iltgen vom Bankhaus Lampe. "Wenn Teva in Europa weiter wachsen will, werden sie um den deutschen Markt nicht umhinkommen". Die Spekulationen hält die Analystin daher nicht für völlig abwegig.

   Stada wollte den Zeitungsbericht am Freitag nicht kommentieren. Teva war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

   Von Vorteil für Teva sei auch, dass Stada mittlerweile deutlich billiger geworden sei. Für Teva und andere Wettbewerber sei eine Übernahme von Stada daher derzeit attraktiver geworden.

   Die Stada-Aktie hatte in den vergangenen Monaten stark an Wert eingebüßt. Das Papier, das in der Spitze im Juli noch bei rund 48 EUR notierte, hatte nach einer Gewinnwarnung am 28. Juli etwa ein Viertel seines Wertes verloren. Am Freitag zog der Titel in Folge der Gerüchte wieder deutlich an. Das Papier notierte um 13:15 Uhr mit 10,5% im Plus bei 35,35 EUR. Auf diesem Niveau ist das Bad Vilbeler Unternehmen an der Börse zurzeit mit etwa 2,08 Mrd EUR bewertet.

   Der weltweit größte Generikahersteller Teva erzeit allerdings noch mit der Übernahme des US-Unternehmens Barr Pharmaceuticals beschäftigt. Teva will den Generikakonzern für 7,5 Mrd USD kaufen. Einschließlich Schulden hat die Transaktion ein Volumen von knapp 9 Mrd USD. Eine Übernahme von Stada, dem nach Teva/Barr, Sandoz, Mylan und Ratiopharm fünftgrößten Generikaunternehmen weltweit, dürfte nach Einschätzung von Analysten auch nicht billig werden.

   Unter Zugrundelegung der Multiples bei den zuletzt getätigen Übernahmen im Generikabereich schätzt Analystin Iltgen den Kaufpreis auf mindestens 4,5 Mrd EUR. Zuletzt seien bei Transaktionen etwa 2,5 bis 3 Mal Umsatz und 11 bis 14 Mal EBITDA gezahlt worden. 2007 hatte Stada einen Konzernumsatz von 1,57 Mrd EUR und ein EBITDA von 289,5 Mio EUR erzielt.

   Ob Teva in so kurzem Abstand bereit und in der Lage sein könnte, erneut eine große Übernahme zu stemmen, sei ungewiss, meinte sie. Der Zukauf von Barr sei finanziell ein großer Brocken für Teva und erfordere auch Managementkapazitäten, um das Geschäft zu integrieren. "Daher denke ich, dass sowohl die Finanz- als auch Managementkapazitäten jetzt zunächst einmal gebunden sind", meinte sie.

   Auch Sal.-Oppenheim-Analyst Marcus Konstanti sieht einen mögliche Zukauf durch Teva zum derzeitige Zeitpunkt eher kritisch. "Obwohl Teva eine zweite Übernahme wohl finanziell stemmen könnte, wäre es sinnvoller, zunächst Barr zu integrieren und erst danach abermals zuzuschlagen", erklärte der Analyst.

   Iltgen rechnet eher damit, dass Stada, falls die Eigenständigkeit nicht erhalten werden könne, einen Merger anstreben könnte. Stada ist derzeit selbst auf der Suche nach weiteren Akquisitionszielen. Das hat auch diese Woche erst wieder Vorstandsvorsitzender Hartmut Retzlaff auf der Halbjahrespressekonferenz erklärt.

   "Dieses Ziel wird Stada sicherlich weiterverfolgen", sagte die Analystin. Sie geht davon aus, dass Unternehmen wie Richter Gedeon in Ungarn oder Actavis in Deutschland dabei in den Fokus von Stada geraten könnten. Auch Zentiva sei sicherlich für Stada interessant, sollte die Übernahme durch Sanofi nicht zu Stande kommen, meinte sie.

   Grundsätzlich rechnen Analysten mit einer Fortsetzung des Konsolidierungsprozesses in der Generikabranche. Zuletzt hatte unter anderem der japanische Pharmakonzern Daiichi Sankyo mit der geplanten Übernahme des indischen Generikaherstellers Ranbaxy für Aufsehen gesorgt.

   Stada gilt sei Jahren als attraktiver Übernahmekandidat am deutschen Markt. Stada-Lenker Retzlaff hatte in dieser Woche erneut keinen Zweifel daran gelassen, dass das Unternehmen weiter seine Selbstständigkeit erhalten will. "Wir sehen der Konsolidierung der Branche sehr gelassen entgegen", hatte der Manager erklärt. Das Unternehmen werde auch weiterhin zukaufen und alles tun, um die Selbstständigkeit zu wahren.

Webseiten: http://www.stada.de

-Von Heide Oberhauser-Aslan, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29 725 113, heide.oberhauser@dowjones.com

DJG/hoa/kgb/mim (END) Dow Jones Newswires

   August 15, 2008 07:56 ET (11:56 GMT)

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