12.10.2008 14:36
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GM erwägt angeblich Kauf von Chrysler - Fusion mit Ford sondiert

        NEW YORK (dpa-AFX) - Der größte amerikanische Autokonzern General Motors (GM)   erwägt laut US-Medienberichten einen Kauf des Konkurrenten Chrysler. Bei einem Zusammengehen des Opel-Mutterkonzerns GM mit der ehemaligen Daimler-Tochter würde der mit Abstand weltgrößte Autokonzern und ein mächtiger Spieler auf dem schwächelnden US-Markt entstehen. Ob das Geschäft zustande kommt, ist laut Informationen aus Verhandlungskreisen aber noch offen.

    Zugleich berichtete das "Wall Street Journal", General Motors habe in den vergangenen Monaten bereits eine Fusion mit dem Konkurrenten Ford Motor sondiert. Ford, der zweitgrößte amerikanische Autobauer, habe die Gespräche jedoch bereits in einem sehr frühen Stadium abgebrochen.

WIDERSPRÜCHLICHE ANGABEN ÜBER VERHANDLUNGSSTAND

    Über den Stand der Verhandlungen mit Chrysler gab es widersprüchliche Angaben. Die "New York Times" berichtete am Samstag, die Chancen für einen Deal stünden bei 50 Prozent. Im "Wall Street Journal" hieß es, die Gespräche ruhten derzeit wegen der ausufernden Finanzkrise, könnten aber rasch wieder aufgenommen werden, weil beide Seiten an einer Transaktion interessiert seien.

    Der aktuelle Chrysler-Eigentümer, der Finanzinvestor Cerberus, hatte bereits 2006 für 14 Milliarden Dollar 51 Prozent an der GM- Finanzierungssparte GMAC erworben. Dem "Wall Street Journal" zufolge schlägt der Finanzinvestor nun einen Tausch vor: GM übernimmt das Autogeschäft von Chrysler und gibt Cerberus im Gegenzug den Rest von GMAC. Die Finanzsparten - einst eine verlässliche Gewinnquelle der Autokonzerne - sind für sie in den aktuellen Turbulenzen eher zu einer Belastung geworden.

US-AUTOINDUSTRIE STECKT IN EINER ÜBERAUS SCHWEREN KRISE

    Ein Verkauf von Chrysler könnte auch als Eingeständnis gewertet werden, dass dem Finanzinvestor Cerberus die Probleme des drittgrößten US-Autobauers über den Kopf gewachsen sind. Cerberus hatte vor gut einem Jahr etwas mehr als 80 Prozent von Chrysler übernommen. Zuletzt wurden Gespräche über die restlichen knapp 20 Prozent bekannt, die noch bei der ehemaligen Mutter Daimler liegen.

    Die US-Autoindustrie steckt in einer überaus schweren Krise. Wegen der hohen Benzinpreise verkaufen sich ihre einstigen Profitbringer - die großen, schweren Geländewagen und Pickups - deutlich schlechter. Die Spritschlucker machen aber nach wie vor einen großen Teil der Modellpaletten aus. Hinzu kam der massive Abschwung des Automarktes wegen der Finanzkrise, vom dem alle Hersteller betroffen sind.

ZEHNTAUSENDE ARBEITSPLÄTZE GESTRICHEN

    Der GM-Absatz in Heimatmarkt fiel nach den ersten neun Monaten um 18 Prozent auf 2,43 Millionen Fahrzeuge. Chrysler büßte von Januar bis September 25 Prozent auf 1,18 Millionen Fahrzeuge ein. Zusammen hätten sie im US-Automarkt immer noch einen Anteil von 35 Prozent. Statt drei gäbe es dann nur noch zwei große amerikanische Autobauer.

    Die amerikanischen Autokonzerne strichen in den vergangenen Jahren zehntausende Arbeitsplätze, schlossen Fabriken und verbuchten gigantische Milliardenverluste. Immer wieder tauchen Insolvenzgerüchte auf. GM schreckte allein im zweiten Quartal 2008 mit einem Minus von 15,5 Milliarden Dollar die Märkte auf. Chrysler soll seit Jahresbeginn rund 400 Millionen Dollar Verlust gemacht haben. Der drittgrößte US-Hersteller muss als nicht börsennotiertes Unternehmen im Privatbesitz keine Quartalszahlen vorlegen.

GM ’VERBRENNT’ NACH BRANCHENSCHÄTZUNGEN ETWA EINE MILLIARDE DOLLAR IM MONAT

    General Motors "verbrennt" nach Branchenschätzungen etwa eine Milliarde Dollar im Monat. In der Finanzkrise befürchten Investoren, dass dem Konzern schlichtweg das Geld ausgehen könnte. Angesichts einer drohenden Abstufung des Kreditratings ließen die Anleger die GM-Aktie am Donnerstag um 31 Prozent fallen. Nach der Erklärung, dass eine Insolvenz keine Option sei, legte der Kurs am Freitag dann leicht zu.

    Sollten die Verhandlungen mit GM scheitern, würde sich Cerberus wahrscheinlich an Nissan   und Renault   wenden, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf Verhandlungskreise. Renault und Nissan befinden sich bereits in einer Allianz und werden beide von Carlos Ghosn geführt. Er hatte vor einigen Jahren auch über eine Partnerschaft mit GM verhandelt, der US-Riese entschied sich jedoch schließlich dagegen./so/DP/he



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