GOLDINVEST-Kolumne: Sojabohnen im Aufwärtstrend beflügelt durch China und den US-Dollar - Agrarrohstoffe gewinnen zunehmend an Attraktivität als Anlageklasse
Sojabohnen erreichen im Verlauf des gestrigen Handelstages den höchsten Preis seit 1973
Gestern erreichte der Kontrakt auf Sojabohnen zur Lieferung im Januar an der Chicago Board of Trade bei 11,14 US-Dollar pro Scheffel den höchsten Preis seit Juli 1973. Das entspricht einem Preisanstieg von über 16 % seit Anfang Oktober. Die Gründe für den Preisanstieg sind vielfältig, vor allem auf den Faktor China aber auch auf die US-Dollar-Schwäche und die damit verbundenen spekulativen Faktoren zurückzuführen.
Bereits im Oktober stiegen die Sojabohnenpreise in China massiv an. Eine extreme Trockenheit im Nordosten Chinas führte dazu, dass die "China National Grains and Oil Information Center" am 8. Oktober ihre Ernteprognose um ganze 10 % zurücknehmen musste. Eine rekordschlechte Ernte von 14,4 Millionen Tonnen an Sojabohnen war das Resultat! An der Dalian Commodity Exchange stiegen daraufhin die Sojabohnenpreise auf neue Rekordstände. Das chinesische Kaufinteresse ist dementsprechend gegenwärtig sehr hoch. Im Oktober waren Chinas Sojabohnenimporte um 27 % gegenüber dem Vorjahr auf 2,8 Millionen Tonnen gestiegen. Davon profitieren auch die US-Sojabohnen. Allein in der vergangenen Woche kaufte China 66 % der US-Exporte auf.
Doch der springende Punkt ist das Sojaöl
Denn in China ist es den Lebensmittelproduzenten gesetzlich untersagt für die Herstellung der Grundnahrungsmittel wie Tofu oder Sojamilch genetisch veränderte Sojabohnen, wie US-Sojabohnen zu nutzen. Doch China ist auch die größte Importnation von Ölsaaten weltweit. Aufgrund der hohen Palmölpreise substituiert China aber zunehmend seinen Bedarf durch Sojaöl. Kein Wunder, dass seit Beginn des Jahres Chinas Sojaölimporte sogar um ganze 87 % gestiegen sind. Der Dezember-Sojaöl-Kontrakt an der CBOT notiert mit über 19 % Preisgewinn seit Anfang Oktober.
Spekulative Faktoren für die starke Preisentwicklung
Zwar ist die physische Nachfrage durch China greifbar, dennoch ist auch ein wesentlicher spekulativer Faktor mit am Werk. Der US-Dollar notierte gestern bei 1,4850 USD gegenüber dem Euro. Die gegenwärtige US-Dollar-Schwäche, welche den Kauf von in USD gehandelten Rohstoffen für ausländische Importeure günstiger macht ist ein Faktor der verstärkt im Markt eingepreist wird. Doch Unterstützung erhält der Sojakomplex gegenwärtig auch durch die steigenden Rohölpreise, welche die Spekulation auf eine künftig stärkere Nachfrage nach Alternativen wie den vegetabilen Ölen, auch durch China, anheizt.
Gerade auch die Preisentwicklung der anderen Getreide wie Mais und Weizen zeigt, dass der spekulative Faktor bei den Getreidesorten zunimmt und Agrarrohstoffe grundsätzlich verstärkt als Anlageklasse wahr genommen werden. Mais zur Lieferung im Dezember an der CBOT notiert gegenwärtig mit einem Preisanstieg von über 13 % seit Anfang Oktober und auch Weizen befindet sich seit der Korrektur wieder in einem neuen Aufwärtstrend. Die fundamentalen Faktoren rechtfertigen diese Preisentwicklung nur mäßig. Auch hierfür sind vor allem die US-Dollar-Schwäche, eine zunehmende Attraktivität der Anlageklasse und die Korrelation zu den Rohölpreisen mit ausschlaggebend.
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