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Geldanlage-Report-Kolumne: First Solar - Wie teuer darf eine Aktie sein!? – Teil 2
Kann man mit einer solchen Aktie wirklich Geld verdienen. Schauen wir uns die Statistik an. Die Referenz heißt hier James P. O`Shaughnessy, der über einen Zeitraum von 50 Jahren und mehr untersucht hat, wie sich fundamentale Bewertungskennzahlen auf die künftige Performance von Aktien auswirken.
Er hat hierzu alle börsennotierten Aktien im betreffenden Jahr - abgestuft nach der Bewertung - in Dezilen aufgeteilt. Das heißt: Die 10 Prozent aller Aktien mit der niedrigsten Bewertungskennzahl kamen in Dezile 1, die mit der nächsthöheren Bewertung in Dezile 2 etc. Der irisch-stämmige Wissenschaftler und erfolgreiche Fondsmanager hat sich dabei nicht auf Prognosen verlassen, sondern nur tatsächlich im letzten Jahr erzielte Gewinne und Umsätze verwendet.
Die Ergebnisse sind frappierend: Wer immer die Aktien mit niedrigen Bewertungskennzahlen kauft, fährt um ein Vielfaches besser als der, der auf Aktien mit hoher Bewertung setzt. Oder anders ausgedrückt: Fakten sind wichtiger als Wachstumsfantasie.
Dabei gilt diese Grundregel quer durch die verschiedenen fundamentalen Bewertungskennzahlen, also für die besprochenen KGV und KUV aber auch für das Kurs-Cash-Flow-Verhältnis (KCV) und das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV).
Die Ergebnisse von O`Shaughnessy sind dabei äußerst signifikant. Beispiel KGV: Nicht nur ist die durchschnittlich erzielbare Rendite bei den 10 Prozent aller Aktien mit dem niedrigsten KGV deutlich höher als bei den teuersten 10 Prozent aller Aktien (15,36 Prozent kumulierter Ertrag per anno gegenüber 8,93 Prozent per anno). Die Rendite nimmt vom günstigsten bis zum teuersten Dezil konstant ab. Das erste Dezil ist besser als das Zweite besser als das Dritte besser als das Vierte etc.
Beim KUV sind die Renditeunterschiede sogar noch größer (17,46 Prozent kumulierter Ertrag per anno in der ersten Dezile gegenüber 3,12 Prozent per anno in der niedrigsten). Auch hier nimmt die erzielbare Rendite von Dezile zu Dezile konstant ab. Auch hier sind die Ergebnisse statistisch hoch signifikant.
Platisch wird das, wenn man das Ganze mal für den ganzen Studienzeitraum durchrechnet. Beispiel KUV: Wer am 1.1.1951 50 Aktien aus der Dezile mit dem damals niedrigsten KUV gekauft, ein Jahr gehalten und dann zu Beginn des Folgejahres das Ganze wiederholt hat, der hat aus einer Anfangsinvestition von 10.000 US-Dollar bis zum Jahr 2003 43 Millionen US-Dollar gemacht.
Wären dagegen jeweils am Jahresbeginn 50 Aktien aus der Dezile mit den höchsten KUVs erworben worden, wären 53 Jahre später aus 10.000 US-Dollar nur enttäuschende 49.482 US-Dollar geworden.
Bei der riesigen Differenz in absoluten Zahlen spielt natürlich der Zinseszins-Effekt eine wichtige Rolle. Trotzdem wird schön deutlich wie extrem die Performance-Unterschiede auf Dauer sind.
Das heißt im Ergebnis: Mittel- und langfristig ausgerichtete Anleger sollten Aktien wie First Solar eigentlich immer meiden!
*Warum teure Aktien sich auf Dauer schlecht entwickeln
Woran aber liegt es, dass sehr teure Aktien mittel- und langfristig so schlecht performen?
Hier gibt es einen ganzen Strauß von Gründen. Mit der wichtigste: Anleger machen den Fehler, das aktuelle Wachstum quasi unbeschränkt in die Zukunft fortzuschreiben und lassen sich von einer guten "Story" blenden.
Zurück zu First Solar. Auch wenn die Aussichten vordergründig glänzend sind, lauern hier verschiedene Risiken - branchenspezifisch und unternehmensspezifisch.
Die Gewinnmargen in der Branche selbst werden künftig unter Druck kommen, weil die Herstellungskosten immer weiter sinken und damit der mögliche Ertrag je produzierter Zelle oder produziertem Modul sinken. Auch die Preismacht von First Solar schrumpft damit.
Nach wie vor ist die Branche von Subventionen abhängig. Nach Deutschland hat nun auch Spanien eine deutliche Kürzung der staatlichen Unterstützung beschlossen. In den USA scheiterte im Parlament jüngst auch der siebte Versuch größere Steuergutschriften für Solar- und Windaktien durchzusetzen. Dies könnte das Wachstum im Sektor deutlich verlangsamen.
Hinzu kommt: Die technologische Weiterentwicklung im Solarsektor geht rasend schnell vonstatten. Noch gilt die Cadmium-Tellurid-Herstellungsmethode von First Solar als das Maß der Dinge. Aber am Horizont zeigen sich bereits interessante Weiterentwicklungen. First Solar dampft seine Dünnschicht immer noch auf herkömmliches dickes Glas auf, das zu schwer für Hausdächer ist.
Start-Up CSG Solar entwickelt eine Technologie bei der eine dünne Schicht amorphes Silizium direkt auf Glas aufgebracht wird. Wafer könnte so überflüssig werden. Das wäre revolutionär.
Ascent Solar und Miasole experimentieren mit einer Kupfer-Indium-Gallium-Dieslenid (CIGS)-Mischung bei der Herstellung von Solarzellen. Ist diese am Ende besser als das von First Solar verwendete Cadmium-Telluride?
Noch interessanter: Nano-Solar, das bereits zweistellige Millionensummen an Venture-Capital-Geldern erhalten hat, entwickelt eine Technologie mit der die CIGS-Mischung mit Hilfe von Nano-Tinte auf extrem stark leitende Folien aufgedruckt wird. Die Gründer von Google haben hier über ihre Firma beispielsweise in dieses Unternehmen investiert.
Last but not least wird momentan mit sogenannten Konzentratoren experimentiert. Dabei handelt es sich um Linsen, die die Strahlung der Sonne um das 100-fache vergrößern können und damit nie zuvor erreichte Wirkungsgrade aufweisen.
Auch wenn es momentan gar nicht danach aussieht: Vielleicht wird eine der beschriebenen Weiterentwicklungen die Technologie von First Solar irgendwann komplett obsolet machen. Vielleicht arbeitet auch irgendwo im Verborgenen ein Konkurrent an einer revolutionären Technologie, die heute noch gar nicht im Gespräch ist.
Derartige Möglichkeiten werden von den glühenden Verfechtern von Aktien wie First Solar meist gar nicht in Betracht gezogen. Aus Begeisterung über die tolle Entwicklung des "eigenen" Unternehmens werden externe Bedrohungen schlicht ignoriert. Das ist gefährlich.
*First Solar verkaufen?
Sollten Aktionäre die Aktie aber deswegen umgehend verkaufen? Nein, das sollten Sie nicht, und hier kommen wir wieder auf die eingangs gestellte Problemstellung zurück:
Auch wenn die Aktie bewertungstechnisch enorm teuer ist, die Statistik gegen das Papier spricht und in der Zukunft Gefahren durch neue Konkurrenz drohen dann kann die Aktie trotzdem kurzfristig weiter steigen.
Noch ist von einer Verlangsamung des Wachstums nichts zu erkennen. Noch werden die Prognosen der Analysten übererfüllt, noch wird die Umsatz- und Gewinnprognose regelmäßig erhöht. Noch notiert die Aktie in der Nähe ihrer Allzeit-Hochs. Wenn weitere gute News kommen, dürfte das Allzeit-Hoch bei 317 US-Dollar bald geknackt werden, was wiederum ein neues charttechnisches Kaufsignal nach sich zöge und damit weiteres Kaufinteresse von Tradern und Spekulanten.
Es ist auch nicht auszuschließen, dass die Aktie tatsächlich die neuen Kursziele der Analysten von bis zu 450 US-Dollar erreichen wird - und das womöglich in relativ kurzer Zeit.
Wichtig ist nur, dass Anleger wissen, was Sie tun! Das heißt, wenn Sie eine solche Rakete im Depot haben, sollten Sie auch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen beachten: Sie sollten wissen, dass Sie eine schlechte Langfrist-Prognose mit einer Aktie haben, die so teuer ist wie First Solar und entsprechend mit relativ engen Stopps operieren. Reiten Sie den Bullen solange wie Sie sich im Sattel halten können. Aber ziehen Sie die Konsequenzen wenn Sie abgeworfen werden.
Ich erinnere mich mit Schaudern an Forumsbeiträge von CMGI-Aktionären, die im Freudentaumel über die damaligen Kursgewinne schrieben, Sie wollen die Aktie zehn Jahre und länger halten.
Inzwischen hat der einstige Internet-Darling von seinen Hochs 99 Prozent an Wert verloren. Legendär ist auch der Ausruf eines Fondsmanagers mit Kursziel 1.000 Euro für die Morphosys-Aktie mitten im Biotech-Hype nach der Jahrtausendwende. Der aktuelle Kurs des Papiers: 47,40 Euro.
MEIN FAZIT:
- Die Bäume wachsen nicht in den Himmel - auch wenn es bei manchen Aktien kurzfristig so aussehen mag.
- Sehr hoch bewertete Aktien entwickeln sich mittel- und langfristig meist sehr schlecht.
- Kurzfristig können Sie jedoch hohe Gewinne mit solchen Papieren einfahren.
- Voraussetzung ist, dass Sie wissen, was Sie tun, die richtigen Einstiegssignale beachten, ein sinnvolles Positionsmanagement betreiben und konsequent verkaufen, wenn der Stopp-Loss erreicht ist.
Armin Brack ist Chefredakteur des Geldanlage-Reports. Gratis anmelden unter: www.geldanlage-report.de.
Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die Smarthouse Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.
| 19.11.2008 | First Solar market perform | Friedman, Billings, Ramsey Group, Inc. | |
| 18.11.2008 | First Solar overweight | JP Morgan Chase & Co. | |
| 17.11.2008 | First Solar besser abwarten | Euro am Sonntag | |
| 14.11.2008 | First Solar neues Kursziel | Barclays Capital | |
| 31.10.2008 | First Solar sell | Goldman Sachs Group Inc. |
Aktien in diesem Artikel
| First Solar | 70,4 | -4,7% |
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