29.08.2008 08:43
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Geldanlage-Report-Kolumne: IKB - Rettung mit vielen Fragezeichen

Wiederholt habe ich hier in der Vergangenheit kritisch über die IKB berichtet. Was sich jetzt zeigt, zurecht. Der jetzt erfolgte Verkauf an den Finanzinvestor Lonestar zeigt ein letztes Mal wie schlecht es um die einst stolze Mittelstandsbank bestellt ist.

Mindestens 800 Millionen Euro wollten die Verantwortlichen erzielen, gerade mal rund 150 Millionen Euro bekommen sie jetzt. Mehr wollte keiner der beiden übrig gebliebenen Interessenten bezahlen. Die Betonung liegt wohl auf wollte, denn die Verhandlungsposition des bisherigen Großaktionärs KfW war massiv geschwächt.

Nach den bisherigen Milliardenzuschüssen hätte nach offizieller Lesart weitere Zahlungen die KfW selbst in ihrer Existenz gefährdet. Letztlich ist das aber zweitrangig, denn der Geschröpfte ist wieder mal der Steuerzahler. Von den 10,7 Milliarden(!) Euro, die die Rettungsaktion insgesamt gekostet hat, tragen 9,2 Millionen Euro die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW und der Bund, letztlich also der Steuerzahler. Damit wurde jeder Bundesbürger im Schnitt ungefragt zur Zahlung von 125 Euro verdonnert. Ein echter Skandal!

Jeder Arbeitsplatz bei der IKB wurde so mit mehreren Millionen Euro subventioniert. Die anderen Privatbanken sind dagegen mit relativ geringen Zahlungen fein raus.

Wie berichtet, hat das alte Management keinerlei Sanktionen zu befürchten. Hier war rechtzeitig mit einer Manager-Haftpflichtversicherung ohne Eigenbehalt vorgesorgt worden. Vielleicht haben ja die Verantwortlichen zumindest geahnt, dass sie im Verhältnis zur Größe der Bank völlig überzogene Risiken eingegangen sind.

*Analysten raten weiter zum Verkauf

Wer glaubt die Aktie sei mit der aktuellen Bewertung von 265 Millionen Euro und dem optisch niedrigen Kurs von 2,74 Euro ein Schnäppchen, der irrt.

Die anstehende riesige Kapitalerhöhung, die noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der EU-Kommission zum Verkauf steht, wird die Zahl der ausstehenden Aktien von 96,8 auf 585 Millionen Stück erhöhen. Damit wird jeder einzelner Anteilsschein im Wert erheblich verwässert, die Marktkapitalisierung springt auf 1,6 Milliarden Euro.

Hinzu kommt: Es sind immer noch Risiken in der Bilanz enthalten für die die Aktionäre gerade stehen müssen. Neben Lonestar sind das natürlich auch die Kleinaktionäre. Der erste Schritt von Lonestar: Die Wertpapierportfolios mit einem Nominalwert von 3,3 Milliarden Euro werden in eine Zweckgesellschaft ausgegliedert, damit sich die Bilanzzahlen verbessern.

Im Klartext heißt das: Die Restrisiken werden wieder einmal nur verschoben. Klar, was soll Lonestar auch anderes machen, wenn die Papiere am freien Markt aktuell quasi unverkäuflich sind. Dennoch sollten potenzielle IKB-Aktionäre sich verdeutlichen, dass die Risiken damit noch lange nicht verschwunden sind.

Schließlich hatte die IKB ihre Investments in amerikanische Hypothekenpapiere vor dem Bekanntwerden der Milliardenverluste ebenfalls in Spezialgesellschaften versteckt, damit sie in der Bilanz nicht auftauchen. Nichts Neues im Westen also.

Immerhin bescheinigen Insider Lonestar genug Sachverstand um die Sanierung der IKB voranzutreiben. Zwar droht eine Verschlechterung des Kreditratings, weil die KfW bzw. der deutschen Staat als Gläubiger nun nicht mehr da sind. Dies soll allerdings durch Rationalisierungsmaßnahmen und durch eine aggressive Neukundengewinnung mehr als wettgemacht werden.

Die Analysten sind überwiegend skeptisch, ob das gelingt und raten zum Verkauf der Aktie.

*Lonestar ist ein alter Bekannter

Übrigens, wenn Ihnen der Name Lonestar irgendwie bekannt vorkommen sollte, liegen Sie richtig. Lonestar war bereits 2004 hierzulande in Verruf geraten, weil das Unternehmen deutschen Banken riskante Kredite abgekauft hat und dann offenbar mit harten Bandagen einzutreiben versuchte. Hier (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/985/44941/) ein Bericht der Süddeutschen Zeitung aus dem Dezember 2004 zu diesem Thema.

MEIN FAZIT:

- Das Überleben der Bank ist gesichert, aber die Risiken bleiben trotzdem enorm.

- Der neue Finanzinvestor Lonestar wird einen harten Sanierungskurs fahren, kann die Kreditrisiken aber nur auslagern, nicht wegzaubern. Zudem droht zunächst eine Verschlechterung des Bonitätsratings.

--> Daher gilt: Die Aktie ist weiter zu meiden!



Armin Brack ist Chefredakteur des Geldanlage-Reports. Gratis anmelden unter: www.geldanlage-report.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die Smarthouse Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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