14.10.2008 08:45
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Geldanlage-Report-Kolumne: Premiere-Aktie: Was tun? - Abspann ohne Happy End?

Die Premiere-Aktie bei 2,77 Euro - das ist in etwa genauso verlockend wie das Lockangebot des Bezahlfernsehsenders, wo vor wenigen Jahren eine abgespeckte Starter-Version für fünf Euro im Monat abonniert werden konnte. Doch wie wir wissen liegt die Gefahr bei solchen Angeboten im Kleingedruckten, wo oft zusätzliche Risiken schlummern.

Das gilt auch für die Aktie. Vor einem Kauf sollten Sie sehr genau hinschauen, was Sie sich da überhaupt einkaufen. Einst steht fest: Das Vertrauen in das Management ist komplett ruiniert, nachdem nun auch noch das Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistungen BaFin Ermittlungen einleitet. Zunächst erfolgen diese zwar nur routinemäßig, aber ein Nachspiel dürfte hier so oder so nicht ausbleiben.

Wie Premiere jetzt selbst bekanntgeben musste, wurden die Abonnentenzahlen seit längerem um rund 20 Prozent zu hoch angegeben, weil beispielsweise gar nicht zahlende Kooperationspartner ebenfalls berücksichtigt worden sind. Auf einmal "fehlen" eine Million Abonnenten!

Das ist eine absolute Sauerei gegenüber den freien Aktionären und zeugt von Dilettantismus. Kriminell wäre es jedoch, wenn nachgewiesen werden kann, dass Unternehmens-Insider wissentlich Aktien abgestoßen haben, bevor der Sachverhalt in der Öffentlichkeit bekannt geworden ist.

*Zukunft des Pay-TV-Senders fraglich

Natürlich haben Analysten sofort neue Zahlen in ihre Bewertungsmodelle eingesetzt und die Kursziele drastisch gesenkt. Die Commerzbank sieht beispielsweise jetzt nur noch ein Kursziel von zwei nach zuvor zehn Euro.

Um die eigentliche Gefahr in der jetzigen Situation zu erkennen, braucht es jedoch keine Analysten. Nachdem 2007 die Profitabilität nur knapp verpasst hat, droht nun für 2008 ein Vorsteuerverlust von 70 Millionen Euro. Das ist harter Tobak und zwingt Premiere zu Neuverhandlungen mit den Banken. Die in diesen Tagen viel zitierte Restrukturierung von Krediten steht an - und genau an diesem Punkt dürfte es kritisch werden.

Die Banken werden immer restriktiver und ohne zusätzliche Sicherheiten dürfte es schwer werden neue Kredite zu erhalten. Gelingt das Unterfangen aber nicht, droht den Münchener Vorstädtern unter Umständen das Aus.

*Letzte Hoffnung kommt aus Australien

Letzte Hoffnung wäre dann eine Aufstockung des Anteils durch den australischen Medienmogul Rupert Murdoch, dem die News Corporation gehört. Dieser hatte erst im Sommer seinen Anteil auf 25 Prozent erhöht und dabei dem alten Vorstand mächtig Feuer unter dem Hintern gemacht bzw. Vorstandschef Michael Börnicke gleich ganz geschasst. Stattdessen wurde auf Druck von Murdoch News Corporation-Manager Mark Williams eingesetzt.

Das Problem: Wenn Murdoch zukauft und auf über 30 Prozent der Anteile kommt, müsste er den freien Aktionären ein Pflichtangebot machen. Dieses müsste mindestens die Höhe des Durchschnittskurses der Aktie in den letzten drei Monaten betragen. Dieser Kurs liegt aber um ein Vielfaches über dem aktuellen Kurs (die Aktie notierte Ende September noch über zehn Euro) weswegen der Australier das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht tun wird.

Stattdessen dürfte der mit allen Wassern gewaschene Murdoch noch einige Zeit verstreichen lassen. Analysten glauben, dass die vorhandenen Finanzmittel noch bis Frühjahr ausreichend sind. Dann wäre der Durchschnittskurs höchst wahrscheinlich deutlich niedriger und eher im Bereich des aktuellen Kurses von zwei bis drei Euro.

MEIN FAZIT:

- Eine Insolvenz ist unwahrscheinlich, weil Murdoch Premiere auch als Prestigeobjekt sieht und damit seine Stellung am deutschen Markt stärken will.

- Ob Aktionäre allerdings im Falle einer Aufstockung des Murdoch-Anteils und des dann erforderlich werdenden Pflichtangebots wesentlich mehr als den aktuellen Kurs erhalten werden, ist zweifelhaft.

--> Premiere ist auch auf aktuellem Niveau nur eine Halteposition!



Armin Brack ist Chefredakteur des Geldanlage-Reports. Gratis anmelden unter: www.geldanlage-report.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die Smarthouse Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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