17.07.2008 08:51
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Geldanlage-Report-Kolumne: ProSiebenSat.1 - Dramatischer Kursverfall!?

Nicht nur Finanzwerte sind von der aktuellen Krise betroffen, sondern auch Unternehmen bei denen auf den ersten Blick kein direkter Zusammenhang mit der Finanzkrise erkennbar ist.

Ein trauriges Beispiel dafür ist die ProSiebenSat.1 Media AG. Hauptaktionär sind hier die "Heuschrecken" Permira und KKR. Und damit sind wir schon beim Hauptproblem des Unternehmens: Die Private Equity-Investoren bürdeten dem nach RTL zweitgrößten privaten Fernsehsender einen enormen Schuldenberg auf, in dem sie die Übernahme der skandinavischen Senderkette SBS im vergangenen Jahr quasi "verordneten".

Eine höhere Verschuldung führt zu einer höheren Rendite auf das eingesetzte Kapital, erhöht also die Profitabilität eines Unternehmens. Das ist das einzige Ziel von Finanzinvestoren.

Das funktioniert aber nur, wenn es operativ gut läuft. Genau das ist momentan bei der Senderkette aber nicht mehr der Fall. Wegen sinkender Nachfrage nach Werbezeiten musste man im ersten Quartal einen Verlust von 8,5 Millionen Euro verbuchen.

Gerade im aktuell schwierigen Umfeld wird so das gängige Rezept der Investoren zum Bumerang. Statt auf eine mögliche höhere Eigenkapitalrendite schauen Investoren auf die Schuldenlast von 3,4 Milliarden Euro und fürchten zusätzlichen Finanzbedarf.

Keiner weiß so richtig wie groß das Problem ist, das PSM mit seinen Schulden hat. Denn auf Drängen von Permira wurden die Schuldenratings der großen Rating-Agenturen ausgesetzt. Das Schicksal von PSM ist momentan also unausweichlich mit seiner Finanzinvestoren verbunden. Und gerade den einst gefeierten Einfädlern von Milliarden-Übernahmen bläst der Wind momentan besonders kräftig ins Gesicht.

Zudem scheinen diese die aktuellen Gefahren am Finanzmarkt nicht zu erkennen. Vielleicht wollen Sie sich auch nicht erkennen. Nur mit purer Gier ist es jedenfalls zu erklären, dass die Großaktionäre auf eine Sonderausschüttung drängten und sich damit selbst 270 Millionen Euro "schenkten". Das riecht nach Ausschlachtung des Unternehmens.

Hinzu kommt ein Führungschaos, das seinesgleichen sucht. Mit dem Quasi-Rausschmiss vom Vorstandsvorsitzenden Guillaume De Posch geht bereits der dritte Mann aus der Vorstandsriege innerhalb eines Jahres. Analysten wie Iris Schäfer von der LBBW gehen davon aus, dass Permira und KKR aktiv ins operative Geschäft eingreifen und indirekt für die Trennung von De Posch verantwortlich sind.

*Positive Nachrichten verpuffen

Die wenigen positiven Nachrichten, wie den Kauf der Champions League-Rechte bis 2012, gingen im Tohuwabohu vollkommen unter. Mit Fußball will sich Sat.1 aus dem Quotentief hebeln. Ob das aber gelingt, ist vollkommen ungewiss. Vor allem wird es mindestens bis zum Ende des dritten Quartals dauern, um hierüber eine Aussage treffen zu können.

Der Sportsommer besteht fernsehtechnisch ab August vor allem unter dem Eindruck der Olympischen Spiele in Peking und hier ist die Senderkette außen vor.

Zwiespältig ist der Verkauf des skandinavischen Pay-TV-Geschäfts C More für 320 Millionen Euro an die schwedische TV4 zu sehen. Den Preis halten Analysten zwar für angemessen und zudem treibt der Verkauf den dringend notwendigen Abbau der Verschuldung voran.

Allerdings gibt es auch Gerüchte, der Verkauf sei aus der Not heraus erfolgt, weil Liquiditätsbedarf beim Unternehmen gegeben sei. Damit wären wir wieder beim Ausgangspunkt: Der hohen Verschuldung und des fehlenden Bonitätsratings.

MEIN FAZIT:

- ProSiebenSat.1 notiert fast auf Höhe des Allzeit-Tiefs aus dem Herbst 2001.

- Ein Kauf scheint auf Grund des optisch niedrigen Preises reizvoll, aber die Gefahren sind hoch.

- PSM befindet sich fest im Haltegriff der Finanzinvestoren Permira und KKR. Wie gut es um deren Bonität bestellt ist, ist aktuell fraglich.

--> Auf Grund fehlender Transparenz sollten Anleger vorerst die Finger von der Aktie lassen!



Armin Brack ist Chefredakteur des Geldanlage-Reports. Gratis anmelden unter: www.geldanlage-report.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die Smarthouse Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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