PARIS/BERLIN (dpa-AFX) - Die Bundesregierung sieht in Gesprächen von deutschen und französischen Marinewerften noch keine Vorentscheidung für eine Fusion. Die Gespräche zwischen ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) mit der französischen Staatswerft DCNS seien in einem frühen Stadium, hieß es am Freitag aus Regierungskreisen in Berlin. "Wir werten sie als ergebnisoffenen Prozess, der keine Vorentscheidung für einen Zusammenschluss beinhaltet." Dagegen hatte das französische Wirtschaftsblatt "Les Echos" berichtet, die Bundesregierung habe nach jahrelangem Zögern nun einen Zusammenschluss akzeptiert.
Weiter hieß es in dem Bericht, die Franzosen hätten wegen der negativen Erfahrungen beim gemeinsamen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS die Forderung der Deutschen nach einer Fusion auf Augenhöhe (50:50) bisher nicht akzeptiert. In Berlin hieß es weiter, die Bundesregierung beobachte das Thema aufmerksam wegen der industriepolitischen und wehrtechnischen Relevanz. "Sollte es zu konkreten Überlegungen kommen für eine gegenseitige Beteiligung oder eine Zusammenschluss, wäre die Bundesregierung zu konsultieren."
DCNS ist mit seinen Atom-U-Booten, Fregatten und Flugzeugträgern der größte Hersteller von Kriegsschiffen in Europa; TKMS ist die Nummer zwei und bietet U-Boote wie Überwasserschiffe. Der französische Rüstungselektronik-Spezialist Thales ist an DCNS mit 25 Prozent beteiligt und hat die Option, 2009 auf 35 Prozent aufzustocken. 2005 hatte Berlin verhindert, dass Thales den deutschen Radar- und Torpedobauer Atlas kauft.
Die Verflechtung mit Thales war 2007 bereits mit Blick auf eine europäische Neuordnung der Branche erfolgt. "Die Ankunft der Russen, Chinesen, Koreaner oder Inder als neue Anbieter zwingt die Europäer, gemeinsam vorzugehen, um im Export wettbewerbsfähig zu bleiben", hieß es damals. Die TKMS entstand 2005 und umfasst unter anderem die Howaldtswerke - Deutsche Werft und die Blohm+Voss Nordseewerke./hn/ot/DP/stw