07.09.2008 15:27
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HINTERGRUND: Anzeichen für Einstieg von Investor bei Daimler verdichten sich

        STUTTGART (dpa-AFX) - Die Anzeichen für den Einstieg eines Investors verdichten sich beim Autokonzern Daimler . Seit Wochen munkelt die Branche über diesen Schritt. Die Spekulationen reichen von einem schützenden Anker-Investor bis zu einer aggressiven Heuschrecke. Zweimal innerhalb von kurzer Zeit wird nun der schwedische Finanzinvestor Cevian Capital als Einstiegskandidat gehandelt. Die Stuttgarter schwiegen auch am Sonntag weiter eisern zu den Spekulationen.

    Offiziell hat sich die Aktionärsstruktur bei dem Autoherstellers seit der Trennung von der ungeliebten US-Tochter Chrysler vor rund einem Jahr nicht verändert. Das Emirat Kuwait ist mit 7,6 Prozent der einzige nennenswerte Anteilseigner bei den Stuttgartern, dazu kommt die Deutsche Bank mit rund zwei Prozent. Nach Medien-Berichten vom Wochenende soll der schwedische Hedge-Fonds inzwischen ein Aktienpaket in einer ähnlichen Größenordnung erworben haben und auf weitere Anteile spekulieren. Die meldepflichtige Schwelle von drei Prozent der Daimler-Anteile wurde jedoch bislang noch nicht überschritten.

KONZERN-LENKER WERBEN IM IN- UND AUSLAND FÜR DAIMLER-PAPIERE

    Dass Konzern-Lenker Dieter Zetsche und Finanzvorstand Bodo Uebber mit Nachdruck und dem Segen von Aufsichtsratschef Manfred Bischoff im In- und Ausland für die Daimler-Papier werben und der Autobauer wegen des sehr geringen Börsenwerts auch in Fokus von Finanzinvestoren steht, ist nichts Neues. Die Stuttgarter haben nicht wie der bayerische Konkurrent BMW die Familie Quandt oder der Sportwagenbauer Porsche mit Piëch/Porsche einen starken Haupteigentümer im Rücken. Dazu dümpelt der Börsenkurs seit Wochen bei rund 40 Euro. Allerdings häuften sich jüngst Meldungen über eine Abspaltung der Nutzfahrzeugsparte und damit die drohende Zerschlagung des Stuttgarter Konzerns.

    Hinter dieser Drohkulisse soll der Teileigner und Chef des Hedge- Fonds Cevian Capitals, Christer Gardell, stecken. Bei einem Treffen mit Zetsche soll er das Herauslösen der Nutzfahrzeugsparte aus dem Konzern sowie deren Verkauf oder Börsengang gefordert haben. Dem Manager wird immer wieder vorgeworfen, seine Beteiligungen nur an kurzfristigen Gewinn-Interessen zu orientieren. In Schweden wurde Gardell vor allem durch Minderheitsbeteiligungen in ähnlicher Größenordnungen beim Lkw-Hersteller Volvo und Nordeuropas größtem Telekonzern TeliaSonera bekannt.

ABSPALTUNG DER NUTZFAHRZEUGSPARTE FÜR DAIMLER WENIG SINNVOLL

    Das Opfern des Nutzfahrzeuggeschäfts scheint für Daimler jedoch wenig Sinn zu machen. Als die Stuttgarter ihr Zukunftskonzept auf den Kopf gestellt und die Trennung von Chrysler ins Auge gefasst hatten, wurde die neue Konzernstruktur klar auf die beiden Hauptstandbeine mit der Kernmarke Mercedes und dem Truck-Bereich ausgerichtet. "Das gehört ganz klar zusammen", heißt es nun auch aus Unternehmenskreisen. Zetsche sowie Truck-Chef Andreas Renschler haben außerdem für das laufende Jahre klare Wachstums- und Profit-Ziele ausgegeben. Zudem wurden jüngst kräftig Geld für den Ausbau des Geschäftsfeldes in die Hand genommen.

    Im August gab Daimler Investitionen von 600 Millionen Euro für sein Lkw-Geschäft in Brasilien bekannt. Einen Monat zuvor war in der Unternehmenszentrale verkündet worden, dass Daimler starkes Interesse an einer Beteiligung an dem russischen Lkw-Bauer Kamaz hat. Kamaz gilt als größter Autohersteller in Russland und als weltweite Nummer 11 unter den größten Nutzfahrzeugherstellern. Eine endgültige Entscheidung über das Engagement soll bis Jahresende verkündet werden. Aussagen zum Stand der Verhandlungen werden aber bereits auf der IAA Nutzfahrzeuge vom 22. bis 24. September in Hannover erwartet.

DAIMLER-BETRIEBSRAT BRINGT SICH IN POSITION

    Vorsorglich hat sich nun aber schon der mächtige Daimler-Betriebsratschef Erich Klemm als Schutzwall in Position gebracht. Aus der Beobachterposition im Machtkampf um die Übernahme von Porsche und VW und zum Einstimmen auf die in wenigen Wochen beginnenden Metall- Tarifrunde, bei der es traditionell heftige Protesten der Belegschaft gibt, kündigte Klemm in Medienberichten massiven Widerstand gegen eine mögliche Zerschlagung des Konzerns an: Ein paar Prozent Aktien würden gegen 100 Prozent der Belegschaft stehen, betonte der Vize- Aufsichtsratsvorsitzende und fügte im Stil von VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hinzu: "Gegen die Mitarbeiter ist kein Unternehmen der Welt zu führen." Das gelte auch für die Aktionäre./gl/DP/fat



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